Mittwoch, 21. Juni 2017

Das ewige Blabla [K]

Ihr könnt dem Titel ja schon entnehmen, dass das wieder ein Thema ist, das mir sehr auf die Nerven geht. Und zwar geht es mir heute um diese schreckliche Eintönigkeit und Langweile, die meiner Meinung nach vom Gay Romance Genre Besitz ergriffen hat.
Keine Ahnung, ob es nur mir so geht, aber für mich ist es einfach mittlerweile so: Ich gehe auf Amazon, möchte mir ein neues Buch holen und werde von einer Flut von neuen Gay Geschichten erschlagen – aber KEINE EINZIGE davon spricht mich auch nur im Entferntesten an.
Ich habe das Gefühl, dass sich einfach jeder Idiot mittlerweile dazu berufen fühlt, eine Gay-Geschichte online zu stellen, ob er nun Talent fürs Schreiben hat oder nicht. Und je mehr dieses Genre gehypt wird, je größer der Leserkreis wird, desto größer wird auch die Flut an Autoren, die Bücher schreiben, die einfach die schlechteste Fanfiction noch überbieten. Nur mit dem Unterschied, dass man für eine Fanfiction wenigstens kein Geld zahlen muss.
Und ich möchte nicht mal sagen, dass es nur ein paar Self Publisher sind, die einfach totalen Schrott online stellen, denn mich sprechen auch immer weniger Verlagbücher an.
Ich habe das Gefühl, es ist immer wieder die gleiche Geschichte, nur in anderer Form, weil das ganze Genre einfach schon so ausgelutscht ist. Geschichten, die sich noch richtig von anderen abheben und wirklich mal etwas völlig neues erzählen oder auf irgendeine andere Art und Weise aus der Masse hervorstechen, gibt es immer seltener. Meistens lese ich die Beschreibung und bin schon davon gelangweilt.
Und wenn mal eine Beschreibung dabei ist, die einen wirklich anspricht, dann liest man oft das Buch und muss erkennen: Vom Inhalt her ist es trotzdem so, dass es einen ähnlichen Ablauf hat wie 100 andere Bücher vor ihm auch schon.
Ich meine, klar werden sich gewisse Dinge immer wieder wiederholen, das ist bei jedem Genre so, das ist völlig normal. Aber man muss doch irgendwie als Autor den Ehrgeiz haben, dass sich sein Buch abhebt. Und man muss doch auch so viel Kreativität besitzen, wenn man schon ein Buch schreibt, dass es dann nicht wie die Kopie von 30 anderen Büchern endet, sondern etwas Individuelles darstellt.
Es gibt immer weniger Autoren, die es wirklich noch schaffen, in das Genre ein wenig Abwechslung zu bringen.
Und auch manche Verlage achten mittlerweile mehr auf Quantität als auf Qualität. Ich meine, okay, es ist hart, mit so einem relativ kleinen Genre am Markt zu bestehen, aber irgendwie ist es einfach schade, wenn die Bücher immer unspektakulärer und ähnlicher werden und man einfach das Gefühl hat, niemand gibt sich mehr Mühe.
Das ist für mich auch echt so ein Grund, warum ich mittlerweile kaum noch Lust auf dieses Genre habe und auch bei Rezensionsexemplaren immer kritischer be ider Annahme bin – vom Bücherkauf ganz zu schweigen.
Ich weiß nicht, geht es euch denn auch so wie mir? Ödet euch dieses Genre nicht auch langsam an? Habt ihr nicht mittlerweile auch Autoren, von denen ihr wisst, die haben’s drauf und seid bei allen anderen einfach total vorsichtig geworden?
Mir ist es einfach auch zu schade ums Geld. Denn nicht immer ist die Geschichte ja kostenlos oder über Unlimited kostenlos… man zahlt ja oft auch einen gewissen Betrag, nur dafür, dass man dann etwas liest, was man schon 100x vorher auch gelesen hat…
Es kann auch sein, dass ich über dieses ewige kritische Lesen von Büchern zwecks Rezension einfach zu streng geworden bin. Aber trotzdem… jedes Buch hat so sein Manko nur bei manchen stört es einfach nicht, weil sie besonders sind. Und bei 1.000 anderen ist es einfach nur furchtbar, weil sie so gewöhnlich sind und das dann noch schwerwiegend dazu kommt.
Also: Sagt mir, ob es euch auch so geht und ob auch ihr irgendeine negative Entwicklung von Verlagen oder Autoren oder dem Genre im Allgemeinen erkannt habt.
Jules :)

Kommentare:

  1. Hi mein Lieber,
    womit ich dir recht geben muss, ist dass man oft das Gefühl hat, dass es mehr Masse, denn Klasse sein muss - woher dieses "muss" kommt, kann ich dir nicht sagen... Ich weiß nicht, ob es der Druck der Leser oder aber der Autoren selbst ist. Es gibt aber immer noch einige wirkliche Schmuckstückchen darunter, aber das sind dann oft die gleichen Autoren, von denen ein Buch erscheint, wenn es halt erscheint und nicht, weil eine Quote eingehalten werden muss.
    Ich selbst habe Gott sei Dank noch so viele ungelesene Bücher auf dem Reader, dass ich mir (im Zweifel) für laaange Zeit keinen Kopf machen muss, was ich lesen will.

    Zudem komme ich jetzt langsam besser ins "englische" rein, so dass mir hier auch noch einiges offen steht. Ich brauche zwar nach wie vor länger als für ein deutsches Buch, aber das ist es mir dann wert :-).

    Ich habe jetzt z.B. den ersten Teil der Finding-Series von Sloane Kennedy, in der deutschen Übersetzung gelesen (M/M/M) und fand es so klasse, dass ich mir den zweiten Teil (M/M - mit wiederkehrenden Protas), da noch nicht übersetzt, im Original über KU geholt habe - ebenfalls eine schöne Geschichte, denn ich bin schon durch - und hole mir nun Band 3 ebenfalls über KU.

    Da du ja auch auf englisch lesen kannst, steht dir doch diese Option immer noch offen. Wenn du hier bei Frau Laberladen oder bei Gaylesen.at vorbeischaust (ich kann dir auch noch ein paar englischsprachige Blogs nennen), kannst du dir immer einen guten Tip abholen. Denn auch hier, geht dann die Qualität vor der Schnelligkeit *g*.

    Drum, gib das Genre nicht auf, wenn dir die sprachliche Komponente so viele Möglichkeiten gibt :-)

    LG El

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  2. Hallo Jules,
    oh ja das Gefühl, dass Du beschreibst, wenn man zum großen A geht, das kenne ich auch.
    Und ich habe ähnliche Gedankengänge wie Du.
    Ich fürchte, es ist der Fluch des Selfpublishings, der sich hier bemerkbar macht.

    Klar ist es schön, wenn sich neue Trends schneller durchsetzten, weil den Verlagen Dampf gemacht wird, aber andererseits, habe ich das Gefühl, dass sowieso jeder Pardon Sch...eiß , frenetisch bejubelt wird, egal ob das Buch nun gut ist oder nicht.

    Und warum sollen Verlage nun viel Mühe in ein Buch stecken, wenn es im Endeffekt von der großen Masse nicht gewürdigt wird? Ob man sich Mühe gibt oder nicht. Besonders die schon recht etablierten kleineren Verlage fallen da echt negativ auf, wenn der Buchsatz von Fehlern strotzt, den jedes einfache Korrekturprogramm hätte finden müssen.

    Irgendwie sehe ich es so, dass auch renommierte Verlage besonders im Liebesromanbereich und dann auch noch in den Nischen Gay-Romane eh keine Sorgfalt walten lassen.
    Eben weil die Leserschaft ziemlich unkritisch zu sein scheint.

    Ich kann mich erinnern, dass zu einem xten Band einer von einer Selfpublischerin herausgegebenen Serie irgendwo eine Rezension verfasst wurde, die es wagte, die wirklich durchgehend auffällig schlechte Rechtschreibung und Grammatik zu kritisieren. Die Antwort einer anderen Leserin war, sie verstehe dass nicht, sie selbst hätte doch alles verstanden und die Geschichte sei so toll, da könne man doch über die Fehler hinweg sehen. *augenroll*
    Ich meine, wieso soll man sich da noch die Mühe machen als Verlag und z.B. Geld in ein ordentliches ausgebildetes (!) Lektorat stecken, wenn sie die Geschichten auch so verkauft bekommt.
    Dass sich die Geschichten wiederholen, habe ich schon zu oft erlebt, um mich darüber noch zu ärgern, ich denke da an die Highlander-Schwemme, ich meine, sie wurde damals durch diesen Gabaldon Roman ausgelöst.
    Plötzlich musste jeder Publikums-Verlag irgendwo einen Kilt auf dem Cover haben sonst war er nicht auf der Höhe der Zeit.
    Das führte zur xten Wiederholung derselben Story.
    Um einen neuen Funken mitzubringen, braucht es ein geneigtes Publikum. Und daran scheint es irgendwie zu hapern.

    Das Publikum honoriert nur selten neue Ideen – habe ich das Gefühl.
    Und wenn dann mal einer einen neuen Dreh schafft, wir er totgenudelt.
    Ich werde derzeit erschlagen von „Ink“-(also Tätowierer-) Büchern, wenn ich nach was Neuem suche.
    Mit wirklich grottigen Covern. schüttel
    Provokant gefragt gab es im Gay Genre überhaupt schon mal Verlage, die wirklich Qualität geliefert haben?

    Und zum Mühe geben für wen ? s.o.


    Ich finde es vorbildlich, wenn Du dir auch und gerade bei Rezensionsexemplar überlegst, „will ich das wirklich?“ Ich finde es irgendwie grausam, wenn jemand ein Buch liest und rezensiert und man genau merkt: Buch und Leser haben nicht gepasst, aber eine Rezension ist halt Pflicht.
    Ist irgendwie peinlich finde ich.
    Lesen soll doch Spaß machen.

    Es gibt für mich keinen Autor, den ich automatisch kaufe.
    Die Kombination Autor -Serie ist da schon eher ein Kaufanreiz.
    So habe ich mir „Before you Break“ von KC Wells und Parker Williams gekauft, trotz grauenvollem Cover und nicht wirklich guter Inhaltsangabe, weil es ein Spin-off ihrer Collar and Cuffs Serie ist und ich die Verbindungs-Protas Jarod und Elis einfach gerne weiterverfolgen wollte.
    Ich glaube nicht, dass das Rezensieren schuld ist, eher die Menge an Büchern, die du so gelesen hast, die dich sensibler gemacht haben für das, was Dir wirklich liegt.
    So der Sermon ist beendet und ich hoffe, du weißt, ich fühle mit Dir :-)
    Allerleihrau

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  3. Hallo,
    mir geht es genau so, ich bin oft sehr lange auf der Suche nach interessanten Stories, da einem schon die Inhaltsangabe nicht anspricht. Deshalb treibe ich mich auf den Bücherblogs herum und verlasse mich da oft auf deren Urteil. Da bin ich gerade bei Dir immer sehr gut gefahren.
    Wenn eine Geschichte sehr gut war, gibt es davon gleich mehrere ähnliche Cover-Versionen. Das langweilt dann natürlich schnell.
    Ich habe schon Lieblingsautoren, bei denen ich immer wieder nachschaue, ob schon was Neues dabei ist.
    Bei Unlimited Büchern bin ich häufig froh, dass das Buch nichts gekostet hat, da ist es dann nicht so schlimm, wenn es nicht gut war. Aber trotzdem erwarte ich auch bei diesen Büchern ein ordentliches Lektorat.
    LG MiRa

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  4. Als Leserin stimme ich dir zu, es wird definitiv schwieriger, guten Lesestoff zu finden, aber ... Ja, ja, das Aber darf nicht fehlen. *grins*

    Da ich gleichzeitig Autorin bin, sehe ich das Ganze auch von der geschäftlichen Seite, und da kann ich andere Autoren und Verlage sehr wohl verstehen. Es wird geliefert, was gelesen wird. Angebot und Nachfrage, um es mal so salopp zu sagen.

    Was nützen mir als Autorin die tollsten Ideen, abseits vom Mainstream, wenn sie hinterher keiner kauft? Der Großteil der Leser möchte genießen, sich entspannen, den Alltag beiseite schieben - was legitim ist, das RL ist nervig genug, wie es immer so schön heißt. Und wenn ich als Autorin/Verlag Rechnungen bezahlen muss, gucke ich natürlich auch auf das, was gewünscht wird. Ergo, ich liefere genau das. Nicht immer und nicht ständig, und zwischendurch darf gern auch mal ein Herzensprojekt veröffentlicht werden, das weit ab vom Mainstream liegt, aber die Realität ist nun mal, dass jeder Verlag und jeder Autor, der das ganze hauptberuflich macht, Kosten zu decken hat.

    Und wenn er die nicht decken kann ...

    Darum kann ich es keinem Autoren und auch keinem Verlag übel nehmen, wenn er eben genau das liefert, was die Masse sich wünscht. Dass die wenigen Leser, die kritischer sind oder mal etwas anderes lesen wollen, dabei hintenüberfallen, ist zwar schade, aber kaum zu ändern.

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