Mittwoch, 10. Mai 2017

Klare Rollentrennung beim Sex?! [K]

Hallo!

„Wer von euch ist eigentlich das Mädchen in der Beziehung?“
Ich glaube, jeder von uns hat diesen Satz schon mal gehört. Entweder, weil er einen wirklich an den Kopf geworfen wurde, oder aber, weil er uns irgendwo schon mal begegnet ist. In Filmen, in Büchern, bei Freunden… vielleicht habt ihr diese Frage ja selbst schon gestellt.
Denn nein, auch wenn einige jetzt glauben, so eine Frage kann nur von einem homophoben Spinner kommen, ist es in Wahrheit so, dass sehr viele Leute diese Frage stellen. Nicht nur aus einer bösen Absicht heraus, sondern weil wir Menschen einfach eine extreme Neugier an den Tag legen, wenn es um das Sexleben unserer Mitmenschen geht.
Das Problem ist nur, dass solche Denkansätze, wie sie in dieser Frage stecken, nicht wirklich etwas mit der Realität zu tun haben, leider aber in vielen Köpfen so fest verankert sind. Ich möchte jetzt keine Grundsatzdiskussion anfangen, aber ich möchte zumindest eine Brücke zur Literatur ziehen. Denn auch da begegnet einen oft diese stupide Denken in schwarz und weiß – und das oft in einem Klischeedenken, dass seinesgleichen sucht.
Jeder, der Gay Romance liest, wird irgendwann einmal auf das klassische Modell treffen. Ein junger, blonder, schlanker Twink als Bottom und ein muskulöser, männlicher, älterer Mann als Top. Nichts daran ist erstmal verkehrt, solche Paare gibt es und manche werden auch tatsächlich ihr Sexleben so gestalten, wie es das Buch suggeriert. Aber manchmal ist da eben auch ein Twink, der aktiv ist, obwohl sein passiver Partner ein Bär von einem Mann ist. Auch das gibt es, nur witziger Weise tut das manche Leser tatsächlich so irritieren, dass sie es dann in der Rezension ankreiden. Ich habe so was schon gesehen und auch so einiges andere. Da wird kritisiert, dass es unrealistisch ist, wenn sich die beiden Männer mit der aktiven Rolle abwechseln, obwohl so was in vielen, vielen Beziehungen völlig normal ist. Es gibt auch Paare, die sehr wenig Analsex haben. Oder gar keinen. Es gibt also nichts, dass nicht realistisch ist.
Ich meine, man muss es als Autor schon realistisch gestalten, das Sexleben seiner Protagonisten. Es darf nicht – wie man so schön sagt – völlig out-of-charater sein. Aber das heißt nicht, dass der eher sanftere in der Beziehung nicht auch mal aktiv sein kann.
Und ja, ich weiß, es gibt Dinge, auf die man selbst nicht so richtig klar kommt. Ich wasche mich da auch gar nicht frei von Sünde. Ich hatte es auch schon mal, dass in einem BDSM-Buch plötzlich der Sub aktiv war und mich das ziemlich irritiert hat. Hauptsächlich, weil das etwas ist, dass ich mir für mich nicht vorstellen kann. Sowas muss ich aber dann in einer Rezension herauslassen oder zwar ansprechen, aber klarstellen, dass das keine Kritik, sondern persönlicher Geschmack ist. Denn auch hier ist es eben so, dass es für manche in einer Session okay ist, wenn der Sub als Top agiert. Irgendwie kann man das sicher einbauen, ohne dass das ganze Machtgefälle verschoben wird. Alles ist möglich und alles ist okay.
Also bitte, kritisiert solche Dinge nicht an Büchern, sondern akzeptiert einfach, dass nicht immer alles so ist, wie es scheint und dass in der Realität immer alles möglich ist, selbst wenn es nicht in euer Denkschema passt.
Und glaubt nicht, dass alle Stereotypen, die einem in Büchern/Filmen/sonst wo begegnen, immer gleich die einzig mögliche Realität sind. Wir sind doch alle clever genug zu wissen, dass man nie alle Menschen über einen Kamm scheren kann und häufig in einer Person mehr steckt, als man äußerlich zunächst erwartet.
Und das ist doch auch gut, das macht uns doch alle aus und es wäre doch auch langweilig, wenn alles immer gleich offensichtlich wäre. Vor allem wäre es langweilig, wenn es in allen Betten dieser Welt genau gleich ablaufen und jeder genau das gleiche mögen würde.
Also lasst den haarigen Bären passiv und den devoten Sklaven aktiv sein und genießt einfach die Sexszene. Wenn sie gut gemacht ist, ist es nämlich egal, welcher Schwanz wo drin steckt – und vor allem ist es ziemlich irrelevant für den Rest der Geschichte, um den es ja eigentlich geht.
Jules :)

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