Mittwoch, 24. Mai 2017

Das Problem mit Sexszenen [K]

Hi!

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich teilweise schon viel Wert auf Sexszenen lege – also sprich darauf, dass ein Buch eine Sexszene hat und man Dinge, die man andeutet auch ausschreibt, statt sie einfach zu überspringen. Ich habe darüber auch schon mal etwas geschrieben, könnt ihr hier nachlesen.
Wahrscheinlich kommt dieser Artikel deshalb ein wenig überraschend, denn ich muss euch einfach gestehen, dass mich Sexszenen mittlerweile einfach nur noch anöden. Ja, ihr habt richtig gelesen, mich langweilen Sexszenen momentan sehr häufig und es gab auch schon Bücher, in denen ich nur eine gelesen und alle anderen übersprungen habe.
Deswegen muss ich nun meine Meinung ein wenig revidieren. Mittlerweile bin ich nämlich der Meinung, dass man eine Sexszene durchaus weglassen kann, wenn sie eigentlich nur überflüssig ist. Dieses erzwungene Rumvögeln, nur weil gerade in dem Buch Leerlauf ist und man nicht weiß, was die Protagonisten sonst machen sollen, nervt. Ebenso, wenn nach dem ersten Kuss auch gleich der erste Sex folgt, weil es sich eben gerade anbietet. Oder Massen an Sexszenen, weil Männer sowieso immerzu nur an Sex denken. Ich könnte da noch hunderte Beispiele nennen, wann eine Sexszene einfach nur vom Autor/von der Autorin verwendet wird, um irgendwelche Lücken zu füllen oder mal kurz zu verdeutlichen, dass sie Männer, geil aufeinander und totally in love sind.
Das nervt einfach nur. Und was noch mehr nervt, als dieser erzwungene Sex, alle 20 Seiten, sind Sexszenen, die an ihrer Kreativität ungefähr genauso originell sind wie eine Klobürste. Wisst ihr, dieses immer gleiche Schema, da abgespult wird und den Eindruck erweckt, man hätte eine vorherige Szene kopiert und die Sätze etwas umgestellt.
Es ist tatsächlich erschreckend, in wie vielen Büchern Sex immer den gleichen Ablauf hat. Da wird ein wenig gegenseitig rumgespielt, dann geblasen und am Ende fickt einer den anderen eben in den Arsch. Und das war es. Manchmal mit Gefühlen untermalt, manchmal ohne – aber immer gleich und vor allem gleich schlecht.
Dabei besteht Sex doch aus so vielen Kleinigkeiten, es gibt so viele Arten Sex zu haben (ich will jetzt übrigens nicht auf BDSM hinaus, weil die Chance, eine BDSM-Sexszene zu ruinieren, ist doch 1000x größer, als die, eine normale zu ruinieren und das geschieht schon viel zu oft) und so viele wunderbare Wörter, mit denen man all das beschreiben kann, ohne dass es klingt, als hätte man sich den schlechtesten Porno als Beispiel genommen.
Und ich meine damit nicht, dass solche Szenen auch automatisch schlecht geschrieben sind, sprich niveaulos und obszön. Sondern ich meine damit auch Sexszenen, die stilistisch eigentlich echt gut gemacht sind, aber eben auch zu wenig Kreativität besitzen. Selbst wenn man solche Szenen wunderbar beschreibt, muss man ein wenig Variation hineinbringen, sonst wird es nämlich nach dem 2. Mal schon langweilig.
Deswegen echt meine Bitte (auf die eh niemand Rücksicht nimmt ;-D): Bringt doch in einem Buch nicht 10 sondern nur 2 Sexszenen und formuliert die dann so wunderschön und so fantasievoll, dass sie einen einfach gefangen nehmen. Und wenn euch wirklich überhaupt nix einfällt, mit dem ihr so eine Szene heißt oder romantisch oder was-auch-immer-sie-werden-soll wird, dann lasst sie doch einfach weg.
Weil es gibt tatsächlich etwas Schlimmeres als übersprungene Sexszenen: Schlecht ausgearbeitete Sexszenen.
Jules :)

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