Samstag, 25. Februar 2017

Es kommt immer anders, als man denkt [K]

Hi!

Ehrlich gesagt, hätte ich diesem Thema wohl nie wirklich Bedeutung beigemessen und darüber geschrieben, wenn ich nicht neulich ein Buch in Händen gehalten hätte, dass Anreiz genug für mich war, es doch zu tun.
Wahrscheinlich kennt diese Situation jeder von euch. Man liest die Buchbeschreibung und hat sofort eine grobe Vorstellung von der Geschichte vor Augen, anhand derer man dann entscheidet, ob man das Buch lesen möchte oder nicht. Wenn man sich dann dazu entscheidet und die Geschichte aber plötzlich so ganz anders ist, als gedacht, ist man auf einmal völlig (grundlos) enttäuscht. Grundlos, wenn das Buch vielleicht trotzdem toll ist, man aber einfach etwas anderes erwartet hat und deshalb der tatsächliche Handlung nichts abgewinnen kann. Oder aber wirklich begründet, weil einem das Buch einfach nicht gefallen hat, obwohl man es sich doch so schön ausgemalt hat.
Selbstverständlich kann diese Reaktion auch positiv ausfallen. Vielleicht hatte man nicht all zu große Erwartungen an ein Buch und wird positiv überrascht. Oder es gefällt einem einfach noch besser als das, was man sich schon ausgemalt hat. Solange es so ist, ist ja alles gut – blöd ist es eben nur, wenn es einem dann geht wie mir und man so richtig frustriert ist.
So ging es mir neulich. Eine Buchbeschreibung sprach mich an, es klang für mich ein wenig psycho und düster und einfach so, wie ich es gerne mag. Ich musste das Buch unbedingt haben und als ich es dann gelesen habe, war ich maßlos enttäuscht, weil meine Vorstellung einfach überhaupt nicht zu dem Buch gepasst hat. Es war dann eine ganz normale Liebesgeschichte mit ein wenig Abenteuer und allem, aber eben einfach nicht psycho. Und ja, ich gebe es zu, ich war mega enttäuscht und ich musste dann bei der Rezension wirklich aufpassen, meine Enttäuschung nicht einfließen zu lassen. Genau das ist nämlich das Problem. Man neigt dann dazu, ein Buch schlecht zu bewerten, weil es nicht ist, wie man es sich gedacht hat und gibt ihm damit eigentlich gar nicht wirklich eine Chance. Sowas ist ziemlich unschön für den Leser und natürlich auch für den Autor.
Doch wie kann man nun vermeiden, dass ein Leser eine allzu verschobene Vorstellung von der Geschichte bekommt? Meistens liegt die Lösung im Klappentext, denn natürlich ist die Buchbeschreibung der häufigste Grund für falsche Erwartungen. Deshalb wirklich mein Appell an alle Autoren da draußen: erstellt einen passenden Klappentext!
Natürlich sollte man vermeiden, in der Beschreibung schon zu viel zu verraten, aber trotzdem sollte man die Story nicht verzerrt darstellen. Man sollte auf die tatsächlich Handlung eingehen und nicht auf etwas, dass im Buch dann nur eine müde Erwähnung findet. Ich weiß, es ist schwer, das alles unter einen Hut zu bringen, ohne zu viel vorweg zu werden. Aber wenn ihr euch wirklich sehr grob fassen müsst, achtet darauf, dass der Text nicht suggeriert, ein Thema zu behandeln, dass im Buch vielleicht nur der Anfang etwas ganz anderem ist und eigentlich gar nicht ausgeführt wird. Achtet darauf, dass man zumindest erahnen kann, in welche Richtung es gehen wird. Und schreibt lieber mal einen Satz zu viel als einen zu wenig.
Es gibt aber auch andere Dinge, die falsche Erwartungen schüren. Zum Beispiel das Cover. Irgendwie sollte das Cover schon zur Geschichte passen, ebenso der Titel. Ich hab mir auch schon ein Buch gekauft, weil sowohl Titel als auch Cover nach BDSM schrieen und es letztlich nur ganz normale Sexszenen hatte und ansonsten eher ein Jugendbuch war. Verstehe einer, warum man dann so ein Cover und so einen Titel ausgewählt hat… Deswegen, liebe Autoren, macht keine halbherzige Covergestaltung/Titelvergabe, sondern durchdenkt diese komplett. Man findet immer irgendwie etwas, dass einigermaßen zur Story passt.
Was ich auch schon hatte: Ein Autor ändert einen Schreibstil völlig und irritiert damit seine bestehenden Fans. Mal zum positiven, weil er sich verbessert hat, mal zum negativen, weil er nicht mehr das ist, was man mal geliebt hat. Vermeidet also allzu große Stilbrüche oder kündigt die wenigstens vorher an, so dass man gleich weiß, worauf man sich einlässt.
Ich weiß, ich gebe hier jetzt Tipps, obwohl ich selbst nie ein Buch herausgebracht habe und gar nicht weiß, wie schwer es teilweise ist, dass all das passt. Aber ich meine es ja nur gut. Es nützt ja niemanden etwas, wenn man als Leser eine völlig andere Erwartung hat und dann das Buch schlecht bewertet, weil sich diese nicht erfüllt.
Und auch ein kleiner Appell an alle Leser da draußen: Checkt vielleicht mal ein paar Rezensionen, um zu sehen, ob das Buch wirklich hält, was es verspricht – aber bitte von Leuten, deren Rezensionen ihr einschätzen könnt. Nicht, dass dann wieder eine Rezension eine falsche Erwartung auslöst, weil der Verfasser dieser einen ganz anderen Geschmack hat, als ihr…
Und wenn ihr jetzt denkt: OMG, das ist eine Wissenschaft für sich, dann kann ich euch beruhigen: Es gibt so viele Bücher, die genau das halten, was sie versprechen und wenn es diese Autoren geschafft haben, dann schafft ihr das auch bei eurem Buch.
Und wir als Leser müssen uns eben vor Augen halten, dass anders als erwartet nicht gleichbedeutend mit scheiße ist, sondern dass wir einem Buch auch dann noch eine reelle Chance geben, wenn es ganz anders ist, als gedacht. Weil ganz anders eben manchmal sehr viel besser ist.
Jules :)

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