Mittwoch, 7. September 2016

Jeder verdient eine 2. Chance - oder? [K]

Hallo ihr,

heute geht es um ein Thema, dass mir oft Kopfzerbrechen bereitet. Da meine Wunschliste ungeheuer lang ist, vertrete ich mittlerweile eine einfach Philosophie: Wenn mich ein Autor nicht überzeugt hat, dann streiche ich seine anderen Werke von meinem Wunschzettel und konzentriere mich auf die anderen Romane. Das ist ziemlich resolut und klappt eigentlich hervorragend. Wenn da nicht eine kleine Stimme wäre, die mir ständig zuflüstern würde, dass doch eigentlich jeder eine zweite Chance verdient hat. Gerade auf meinen Blog tut es mir immer ungeheuer Leid, jemandes Buch zerreißen zu müssen. Dann fühle ich mich fast schon verpflichtet, noch ein weiteres zu lesen und vielleicht meine Meinung zu revidieren. Natürlich ist das Blödsinn, aber andererseits finde ich es nur fair, wenn man dem Autor/der Autorin noch eine Chance gibt, einen zu überzeugen. Und nicht immer bin ich damit auf die Nase gefallen. Tatsächlich habe ich selbst schon die Erfahrung gemacht, dass man nicht jedes Buch eines Autors/einer Autorin über einen Kamm scheren kann. Erst dieses Jahr habe ich wieder erlebt, wie ich ein Buch einer Autorin als absolute Niete einstufen konnte, während mich ein anderes von ihr restlos begeister hat. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass so etwas möglich ist, vor allem, wenn es der Stil ist, an dem man sich stört (war hier der Fall) - aber doch, das gibt es. Die anderen Bücher der Autorin fand ich wieder allesamt nicht so gut, aber dieses eine Buch war ein wahrer Schatz und ich bin froh, ihn entdeckt zu haben.
Natürlich kann man nicht davon ausgehen, dass dies immer der Fall sein wird und man solch eine positive Überraschung erlebt. Aber ich denke doch, dass man vielleicht tatsächlich jedem Autor und jeder Autorin eine zweite Chance einräumen sollte. Oft ist es ja auch so, dass sich jemand aufgrund der Kritik von Lesern verbessert. Wer kann also sagen, ob das zweite Buch tatsächlich so schlecht ist wie das erste?
Ihr seht, eigentlich wäre es wirklich unfair, jemanden keine zweite Chance zu zugestehen.
Aber - und es gibt ja immer ein Aber - häufig ist dies eben doch nicht der Fall. Häufig ist und bleibt der Stil nicht das, was man möchte und die Geschichten sind nicht das, was man sich erhofft. Dann ist es einfach nur ärgerlich, wieder ein solches Buch gekauft zu haben und man könnte sich selbst dafür ohrfeigen.
Was ist nun also der optimale Weg? Ich fürchte, es gibt keinen. Wahrscheinlich muss jeder mit sich selbst ausmachen, ob er sich noch ein zweites Buch "antun" möchte oder nicht. Trotzdem möchte ich euch noch einmal darauf aufmerksam machen, dass jeder erstmal eine zweite Chance verdient hat. Ich möchte euch nicht dazu anhalten, unbedingt noch ein zweites Buch zu lesen - denn auch ich mache das nicht immer. Aber wenn ihr das Gefühl habt, dass es Verbesserungspotential gibt, wenn ihr vielleicht vom neuen Buch nur Gutes gehört habt - dann überlegt es euch vielleicht einfach noch einmal. Wenn ihr dann immernoch sagt, ihr wollt es nicht, dann ist das auch völlig okay. Aber wenn ihr sagt, es könnte doch etwas besser geworden sein, dann hakt das Buch nicht gleich als Mist ab, sondern gebt ihm vielleicht doch noch eine Chance. Manchmal erlebt man dabei eine schöne Überraschung und wenn nicht, dann könnt ihr euch zumindest ganz sicher sein, dass ihr von dem Autor/der Autorin nie wieder etwas lesen möchtet.
Jules :)

1 Kommentar:

  1. Bei mir ist es definitiv auch abhängig von Autor und Kritkpunkten. "Christine" von Stephen King fand ich ja echt blöd. Aber ich kann das nicht fassen, dass so viele von ihm schwärmen und ich das total langweilig fand. Daher hatte ich noch eine Zeit lang "Friedhof der Kuscheltiere" auf der Wunschliste. Aber immer wenn ich es angeschaut habe, musste ich an "Christine" denken und wenn ich es mir dann doch gekauft hätte, wäre es wahrscheinlich erstmal eine SuB-Leiche geworden. Daher habe ich es dann doch gelöscht.

    Anders ist es mir Arno Strobel. "Der Sarg" hat drei Sterne bekommen. Nicht schlecht, aber für einen Thriller doch zu langweilig. Trotzdem möchte ich noch was von ihm lesen, weil mich andere Bücher von ihm ansprechen und ich vielleicht nur beim Sarg schon alles vorausahnen konnte und das bei den anderen Büchern nicht der Fall sein muss.

    Im Gaygenre gibt es da auch so Kandidaten. Zum Beispiel habe ich ein Buch einer Autorin gelesen, das vor lauter Fehlern kaum zu lesen war. Das könnte sich natürlich im nächsten Buch ändern (falls sie sich Kritik zu Herzen nimmt), aber bei der Erfahrung habe ich echt keine Lust mehr was von ihr zu lesen.

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