Montag, 12. September 2016

Interview mit Diana Wintermeer [K]

Hey ihr Lieben!

Ich freue mich so wahnsinnig darüber, dass Diana diesem Interview zugestimmt hat, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Ich halte sie wirklich für eine der fähigsten Autorinnen in unserem kleinen Genre. Euch wünsche ich jetzt ganz viel Spaß mit ihren Antworten auf meine Fragen. :)

Ich finde es immer wieder aufs Neue interessant, zu sehen, welche Person eigentlich hinter dem Namen auf einem Buch steckt. Deshalb wüsste ich gerne, wie für dich ein perfekter Tag aussehen würde?

Ich glaube, das kostbarste Gut auf dieser Welt ist Stille. Leider gibt es sie heute fast nirgendwo mehr. Einige sind froh darüber, weil sie sie nicht ertragen, andere wünschen sich nichts sehnlicher, als der täglichen negativen Geräuschkulisse zu entfliehen. Man hört den Fernseher des Nachbarn durch die Wand, ein Hund kläfft die halbe Nacht hindurch, mittags um Eins schmeißt jemand den Rasenmäher an, oder irgendwo in der Nähe ist eine Baustelle und der Kleinbagger piept seit Stunden vor sich hin und selbst wenn man aus der Stadt herausfährt, an einen See vielleicht, sind dort schon andere, ein Radio dudelt, Kinder toben und kreischen herum … Was ich beschreibe, mag die meisten Menschen nicht stören, für mich jedoch ist all das eine tägliche Qual, deshalb wäre mein perfekter Tag vermutlich vollgepackt mit Ruhe und Entspannung in der Natur, einem Streifzug durch den Wald vielleicht, ein bisschen Tai Chi oder Yoga und abends ein paar ruhigen Stunden vor dem Kamin, wo ich über neue Geschichten nachdenken kann.


Ich habe schon so viel von dir gelesen und bin noch nie von deinen Büchern enttäuscht worden. Es ist unverkennbar, dass du dir wahnsinnig viel Mühe mit deinen Werken gibst, egal in welcher Hinsicht. Gibt es aber etwas, auf das du dem Schreiben am meisten wert legst? Recherche z.B.?

Recherche ist gleichzeitig auch Inspiration. Wenn mich etwas interessiert (zum Beispiel ein Land), suche ich danach im Internet oder in Büchern, schaue mir Bilder und Dokumentationen an und lasse mich so immer tiefer in die Thematik fallen. Erst dabei entstehen die meisten Details meiner Bücher. Das Thema bzw. die Umgebung schreibt im Prinzip die Geschichte, die ich vorher nur vage formuliert habe.
Wichtig ist mir persönlich außerdem der Sprachrhythmus. Manchmal tüftele ich drei Tage an einem Satz, bis er endlich den für mich stimmigen Rhythmus hat. Oft gehe ich mir damit selbst auf die Nerven, aber wenn ich dann Lob für meinen Schreibstil bekomme, weiß ich, dass sich die Arbeit gelohnt hat. 
 

Wie sieht es eigentlich mit deiner Inspiration aus? Wo kommt die her und setzt du eine Idee dann auch sofort um oder sammelst du erstmal und kommst irgendwann darauf zurück?

Als Autor ist man ständig auf der Jagd nach neuen Ideen. Alles und jeder ist eine potentielle Geschichte oder zumindest ein Fragment davon. Das Autorenherz ist immer wachsam. Ich persönlich finde wirklich überall Inspiration. Ob ich durch den Supermarkt schiebe, einen Fall in den Nachrichten höre, oder meine Lieblingsserie schaue, manchmal ist es ein Ort, eine interessante Person oder schlicht nur ein Satz und schon fängt das Fantasie-Spinnrad an, sich zu drehen. Wichtig ist nur, jeden Fetzen schnellstmöglich aufzuschreiben, weil ich nämlich leider unfassbar vergesslich bin.


Könntest du dir vorstellen, mal mit einem anderen Autoren zusammen zu arbeiten und wenn ja, mit wem?

Absolut! Gern sollte es ein/e Autor/in sein, mit dem ich schreibtechnisch auf einer Wellenlänge liege. Jeder, der meine Bücher kennt, weiß, dass ich z. B. keine Gossensprache benutze und generell dieses ganze Gay-Klischee meide. Ein Rezensent schrieb vor kurzem zu Geisterküsse: »Erstaunlich, in der ganzen Geschichte fällt nicht einmal das Wort schwul.« Ich weiß, viele meiner Kollegen forcieren die Genre-Klischees mit Vergnügen bis aufs Blut, aber das ist nicht mein Stil. Ich schreibe Liebesromane und ob da nun Mann und Frau, Mann und Mann oder Frau und Frau zusammenfinden, macht für mich keinen Unterschied. Liebe ist Liebe. Von mir aus könnte man das Wort 'schwul' ganz abschaffen und die Genre-Schubladen gleich mit. Ich schweife ab … Wenn ich einen Namen nennen müsste: Håkan Lindquist liebe ich sehr. Er schreibt ebenfalls sehr ruhig und naturverbunden und ich denke, in einer Zusammenarbeit mit ihm könnte etwas ganz Wunderbares entstehen - außerdem wollte ich schon immer mal nach Schweden. ;-D … Även om jag inte kan tala svenska! 
 

Als ich „Die Farbe des Lichts“ gelesen habe, musste ich gefühlt 100x weinen. Wie war es für dich, so etwas zu schreiben? Siehst du das dann mit mehr Distanz oder musstest du selbst Tränchen vergießen?

»Die Farbe des Lichts« ist generell ein Sonderfall. Die Geschichte selbst habe ich gedanklich über zehn Jahre mit mir herumgeschleppt (im wahrsten Sinne) und somit auch die Charaktere Chris und vor allem Richard. Läge ich auf einer Psychologen-Couch und spräche über Richard, würde sich vermutlich schnell herausstellen, dass die Erschaffung dieses Charakters in meiner Kindheit begründet liegt. Es gab viele Jahre einen Mann in meinem Leben, der meine Kinderseele maßgeblich geformt hat, nicht nur im positiven Sinne, entsprechend nervenaufreibend war die Schreibphase von »Die Farbe des Lichts«. Es war eine Erlösung, all das endlich zu verarbeiten. Also, um die Frage zu beantworten: Nein, ich hatte überhaupt keine Distanz. Ich habe gelitten und geheult und schwankte ständig zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, aber letzten Endes hat Chris von Richard das bekommen, was am wichtigsten ist: Bedingungslose, ehrliche Liebe. Er hat seinen Frieden damit gemacht und ich auch.
Distanz zu wahren fällt mir generell schwer, weil ich mich oft viel zu tief in meine Geschichten hineinfallen lasse. Jeder Schreibratgeber sagt einem, man dürfe das nicht, aber vielleicht ist gerade das die Magie dabei, denn: Wie soll ein Roman einem Leser nahegehen, wenn er den Autor selbst nicht berührt? 
 

Mit „Geisterküsse“ setzt du ein bisschen auf Mysterie und einen Hauch von Grusel, was im Gay Romance Genre nicht so oft vorkommt. Wie kamst du zu dieser doch recht außergewöhnlichen Idee?

So außergewöhnlich ist sie für mich eigentlich gar nicht. Schon als Kind hat mich alles fasziniert, was irgendwie düster und andersartig ist. Ob Stephen Kings Geschichte von Rose Red oder Shining, ich hatte schon immer eine Obsession für Geisterhäuser und alte Schlösser, deshalb wollte ich auch unbedingt einmal eine eigene Spukhaus-Geschichte erfinden. Und das war nun die perfekte Gelegenheit. Die Idee hat sich mir geradezu aufgedrängt.


Ich weiß, „Geisterküsse“ ist gerade erst erschienen, aber ich weiß auch, dass du an neuen Projekten arbeitest. Kannst du schon verraten, wann wir uns auf eine neue Veröffentlichung von dir freuen können oder ist das noch zu früh?

Generell versuche ich, alle 6 Monate etwas herauszubringen (von meinen »Sinnenlust«-Kurzgeschichten abgesehen). Das heißt, mein nächster Roman wird vermutlich Anfang 2017 erscheinen. Momentan kann ich verraten, dass mir drei Plots im Kopf herumschwirren. Welcher davon das Rennen machen und mein nächstes großes Projekt wird, steht jetzt, da ich an »Sinnenlust« 4 arbeite, noch nicht ganz fest, vor allem weil ich auf alle Drei ganz furchtbare Lust habe. Aber so viel vorweg: Eine der Geschichten wird ein Tabu-Thema behandeln, die andere eine Liebe mit Handicap und die dritte soll ein Folgeband eines bereits veröffentlichten Romans werden. Um welches meiner Bücher es dabei geht, verrate ich lieber noch nicht, sonst verfallen gleich einige Hysterie. :-)

Noch mehr von Diana findet ihr auf: www.dianawintermeer.de

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