Mittwoch, 21. September 2016

Altersempfehlungen - Kampf auf verlorenem Posten? [K]

Hallo!

Ihr könnt dem Titel ja schon entnehmen, um was es geht. Der Grund, warum ich meine Gedanken dazu loswerden möchte ist, dass ich mir momentan sehr schwer tue, zu Büchern eine Altersempfehlung abzugeben und es deswegen auch nicht mehr ständig mache, außer es handelt sich um Bücher, bei denen das zwingend notwendig scheint.
Warum das so ist? Ich schätze, es ist einfach so, dass ich gemerkt habe, dass es eigentlich eher sinnlos ist. Ich kann natürlich bei jeder Sexszene schreien, dass man das doch bitte erst ab 14 Jahren oder noch älter lesen soll, aber damit mache ich uns doch allen nur etwas vor. Mittlerweile scheinen ja selbst 12jährige schon mehr über Sex zu wissen als ich. Natürlich heißt das noch lange nicht, dass so was gut ist, aber diesen Prozess wird man doch eine lose Altersempfehlung eh nicht stoppen können. So ist das einfach. Und im Grunde finde ich so was auch übertrieben. Wenn ich mich nun selbst ansehe, dann habe ich auch sehr früh angefangen, z.B. Dinge im Fernsehen sehen, die eigentlich laut Altersempfehlung nicht für meine Augen bestimmt waren. Meine Güte, ich habe als Kind mehr Horrorfilme gesehen als jetzt und seltsamerweise fürchte ich mich bei solchen Filmen jetzt mehr als damals. Und auch Sexszenen haben mich jetzt eigentlich nicht sonderlich geschockt. Wie kann ich mich dann also hinstellen und behaupten, so was sei jugendgefährdend, wenn ich selbst doch nicht mal mit der Wimper gezuckt habe, wenn ich als Kind so was gesehen habe?
Ihr seht, ich mache mich ja selbst lächerlich damit. Aber auch ich erkenne natürlich an, dass es gewisse Grenzen gibt. Tatsächlich gibt es Bücher, bei denen ich deutlich mehr Grenzen setzen würde, als dies in der Realität geschieht. Ich kenne z.B. sehr wenige Thriller, auf denen wirklich eine Altersempfehlung abgedruckt ist. Es gibt da zwar einige – obwohl ich nicht wirklich glauben kann, dass es etwas nutzt – aber die meisten haben keine und sind trotzdem teilweise echt morbide. Wieso soll das also einem Kind weniger schaden als etwas noch krasseres? Für unschuldige Kinder ist ja im Prinzip selbst ein einfacher Mord schon ziemlich krass.
Oder Sexszenen. Ich würde niemals behaupten, dass ein Minderjähriger wirklich begreifen kann, was BDSM bedeutet, aber andererseits frage ich mich, ob ein 18jähriger jetzt wirklich sehr viel mehr Verständnis dafür haben wird, als ein 17järhiger. Versteht ihr, was ich meine? Und kommt es nicht auch immer auf die individuelle Reife an? Es gibt ja 14jährige, die sich vernünftiger verhalten, wie mancher 30jähriger und denen ich dann mehr zutrauen würde, als manchen Erwachsenem.
Im Prinzip kann man eh nicht verhindern, dass nicht auch Literatur, die ab 18 Jahren verkauft wird, nicht in Hände von Minderjärhigen gelangt. Kann man so was schon bei Zigaretten und Alkohol nicht stoppen, dann sicher nicht bei Büchern.
Ich möchte jetzt keine Erziehungstipps verteilen, so was maße ich mir sicher nicht an, aber ich spreche mal von mir selbst: hätte ich Kinder, würde ich ihnen jederzeit erlauben, auch etwas zu sehen, für dass sie eigentlich noch zu jung sind oder ein Buch zu lesen, in dessen Altersempfehlung sie noch nicht passen. (Wieso sollte ich auch etwas verbieten, dass ich selbst als Kind nicht verboten bekommen habe?) Nur würde ich halt danach mit ihnen darüber reden. Und ein bisschen muss man ihnen vielleicht auch klar machen, was Fiktion und was Realität ist. Gerade bei Folterszenen oder ähnlichem. Dass die Realität manchmal noch abscheulicher ist, wie die Fiktion, das brauchen sie ja noch nicht zu wissen. Irgendwann lernen sie das noch von ganz alleine. Und dann sind sie darauf vielleicht auch schon ein bisschen vorbereitet.
Jules :)

Kommentare:

  1. Ein interessantes Thema, das Du da angeschnitten hast.

    Die Altersempfehlung ist ja nicht mehr als genau das - ein Empfehlung. Soweit ich weiß, gibt es für Bücher kein ausdrückliches Kaufverbot für Jugendliche, wie das bei Alkohol, Zigaretten oder Filmen der Fall ist.

    Gerade bei Büchern, die wie unser Lieblingsgenre Sex in allen möglichen Spielarten auch mal sehr deutlich beschrieben zum Thema hat, ist es sicher gut, sich Gedanken darum zu machen. Aber ob sich jemand an eine ausdrückliche Altersempfehlung hält, wage ich zu bezweifeln, wenn die Neugier einen plagt.

    Ich gebe Dir da auch völlig Recht, dass bei den Jugendlichen ganz unterschiedliche Reife da ist und der Sprung zwischen 17 und 18 gar nicht mehr so groß. Wieso sollte der Jüngere ein Buch nicht in die Hand bekommen, obwohl die persönliche Reife schon da ist, aber der naive, kindliche 18jährige schon?

    Bei Büchern ist es auch sicher nochmal was anderes als bei Filmen. Bücher brauchen jede Menge eigene Fantasie und wenn die fehlt, dann entstehen gar nicht die Bilder, mit denen Jugendliche beim Ansehen von Filmen vielleicht überfordert wären.

    Und was die Kids heutzutage in den Nachrichten, in der Schule oder auf dem Handy den Kumpels zu sehen bekommen, das schlägt den Inhalt der meisten Bücher um Längen. Leider ist das so.

    Wenn ich Jugendbücher lese, auf denen eine offizielle Altersempfehlung des Verlages ist, dann gebe ich die in meiner Rezension wieder. Ansonsten lasse ich sie weg und überlasse es jedem Einzelnen, aus meiner Rezi für sich abzuleiten, ob er / sie das Buch lesen möchte oder nicht. Egal, wie alt derjenige ist. Das ist mein Teil, den ich zum Thema "darüber reden" dazu tun kann. Du hast ja auch die Rubrik "Zielgruppe", in der Du eine Alterswarnung unterbringen kannst.
    Bei Minderjährigen ist es sicher Aufgabe der Eltern, ein Auge darauf zu haben, was ihre Kinder lesen - die kennen ihren Nachwuchs auch am besten.

    LG Gabi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich gebe dir recht, dass es bei Büchern ein wenig anders ist als bei Filmen, weil man eben seinen eigenen Kopf dafür braucht, um sich sowas vorzustellen. Allerdings machen es einen sehr detailliert beschriebene Szenen oft nicht allzuschwer, die passenden Bilder dafür vor Augen zu rufen. Ich denke also, man müsste sich vielleicht wirklich mal überlegen, ob gewisse Bücher nicht tatsächlich mit einer klaren Altersemfpehlung verkauft werden sollten.
      Andererseits sind wir ja einer Meinung, wirklich sinnvol ist das aufgrund einer jeden einzelnen Persönlichkeit auch nicht. Aber dann kann man wieder diskutieren, ob es nicht bei Filmen genauso sinnlos ist - zumal manche Krimis um 20:15 genauso gewalttätige sind, wie so mancher Film, der erst ab 16 ist...

      Aber du sagst etwas wahres, es ist Aufgabe der Eltern, da ein Auge drauf zu haben. Schade ist nur, dass viele Eltern das nicht auch so sehen. Aber das würde jetzt natürlich zu weit führen.

      LG

      Löschen