Mittwoch, 10. August 2016

Selbstdiskriminierung: oder warum dürfen Covermodel nicht schwul sein? [K]

Hey ihr Lieben!

Ein Leser hat mich darauf gebracht und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr möchte ich tatsächlich darauf eingehen. Und zwar geht es um den netten Satz, der sich meist sofort auf der ersten Seite eines Buches wiederfinden lässt: "Dieses Cover ist kein Anhaltspunkt für die sexuelle Orientierung des Models"
Ich muss zugeben, dass ich es auch blöd finde, dass dieser Spruch überall hingedruckt wird, als wäre es ein Makel, schwul zu sein. Oder habt ihr schon mal so eine Ansage gefunden, wenn es sich um ein Hetero-Cover handelt? Nein. Und das ist der springende Punkt. Auf der einen Seite möchte man Toleranz und Verständnis für Homosexuelle erreichen und auf der anderen Seite wird es dann auch noch in diesem Genre in gewisser Hinsicht als etwas Negatives hingestellt. Und wofür eigentlich? Um das Model vor homophoben Angriffen zu schützen? Als wenn ein Mann, der sich in eindeutiger Pose - vielleicht noch mit einem zweiten Mann - ablichten lässt, nicht genau weiß, was für ein "Risiko" er damit eingeht. Oder als wenn ein Model nicht genau für sowas bezahlt wird. Zumal wahrscheinlich ein Großteil dieser Models tatsächlich schwul ist und dann meiner Meinung nach auch einfach dazu stehen könnte.
Klar werden manche Bilder gemacht, ohne dass das Model vorher weiß, wofür sie irgendwann herhalten müssen. Aber oft wird das Cover ja explizit für das Buch erstellt und dafür dann eben auch extra ein Foto gemacht. Dann weiß derjenige doch ganz genau, wofür das Bild bedruckt wird und wenn ihn etwas daran stört, dann sollte man vielleicht einfach überdenken, ob er für den Job dann der richtige ist. Es ist nämlich ganz schon widersprüchlich, wenn man ein Buch über Schwule schreibt und auf das Cover jemanden klatscht, der sowas eigentlich scheiße findet.
Hinzu kommt, dass ein homophober Mensch wahrscheinlich nicht noch extra in das Buch hineinblättern wird, ehe er gegen den Mann auf dem Cover hetzt. Er wird das Cover sehen und urteilen und nicht noch nach einem Hinweis suchen, ob der Mann auf dem Bild tatsächlich schwul ist oder nicht. Meist geht es solchen Leuten ja auch gar nicht darum, ob derjenige wirklich schwul ist, sondern schon alleine um die Tatsache, dass sein Bild auf so einem Buch zu finden ist. Wobei ich ehrlich gesagt schon zweifle, dass sowas tatsächlich geschieht. Gut, es gibt nichts, was es nicht gibt. Aber wenn man gegen Homosexualität ist, dann durchsucht man doch nicht das Internet nach schwulen Büchern, nur um dann die Covermodels zu mobben. Da gibt es doch leider ganz andere Dinge, die solchen Idioten einfallen. Ich meine, Bekloppte gibt es immer, aber grundsätzlich ist das schon reichlich abwegig, auf so einen Fall zu spekulieren.
Im Prinzip ist dieser Satz also nicht nur diskriminierend, sondern auch noch sinnlos. Fakt ist aber, dass es sich für ein Buch mit solcher Thematik irgendwie nicht schickt, dann solche Floskeln zu benutzen. Deshalb wüsste ich wirklich gerne, warum das gemacht wird und warum man nicht einfach darauf verzichten kann. Irgendwie fühlt man sich da ja als Homosexueller auch schon beleidigt. Als wäre es irgendetwas schlimmes. Was widerum kontraproduktiv ist, wenn man bedenkt, dass Homosexuelle ja mit die größte Zielgruppe dieser Bücher darstellen.
Vielleicht gibt es auch einen Grund, warum das gemacht wird, den ich nicht kenne. Ist es vielleicht gar eine seltsame Vorschrift? Aber wenn es nichts dergleichen gibt, dann sollte man vielleicht überlegen, diesen dummen Satz künftig nicht mehr zu benutzen.
Jules :)

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