Sonntag, 14. August 2016

Gastbeitrag: Weibliche Figuren in Casto (Xenia Melzer)

Hi!

Wie versprochen, folgt heute der zweite Artikel rund um das Buch "Casto - Gefährte des Feuers".

Weibliche Figuren in Casto
Als Renaldo und Casto die Hauptfiguren in Gods of War wurden, war ich eine ganze Weile vollauf mit ihnen und einigen anderen M/M Paaren beschäftigt. Alles war aufregend und neu und ich genoss es, die Möglichkeiten, die sich mir von der Geschichte her boten, zu erkunden. Aber nachdem die ersten Paare in die Geschichte eingeführt waren, wurde mir klar, dass viel zu viel Testosteron im Spiel war. Ich brauchte eine Reihe bodenständiger, willensstarker Frauen, die als Gegengewicht und ausgleichendes Element in der Geschichte fungierten. Da der Fokus eindeutig auf den M/M Paaren liegt, entschied ich mich, weibliche Sekundärcharaktere zu schaffen, die nicht nur die Story interessant gestalten, sondern auch als Katalysatoren in bestimmten Situationen dienen konnten.
In meiner Geschichte wird Ana-Darasa von Schwestern erschaffen, Ana-Isara, der Herrin der Toten, und Ana-Aruna, der Quelle des Lebens. Dieser zugegebenermaßen einfache Symbolismus gefiel mir vor allem darum, weil die Verbindung zu den beiden Hauptprinzipien des Lebens es mir erlaubte, die beiden Göttinnen als übergeordneten Bogen in der Geschichte zu etablieren. Nachdem sie die Welt und die Menschen, die La’ides, erschaffen haben, lehren die Göttinnen sie, wie sie Magie benutzen können. Nach einer Weile wird den La’ides klar, dass die Magie sich dem Ende zuneigt und sie bitten Ana-Isara um Hilfe. Sie entscheidet, den Menschen als Ersatz für sich und ihre Schwester zwei Anführer zu schenken und wird schwanger. Aber da sie im Grunde der Tod ist, kann sie kein Leben hervorbringen. Das ist die Aufgabe ihrer Schwester und gemeinsam bekommen sie Canubis und Renaldo. Im Laufe der Geschichte wird die Rolle der Mütter immer mehr definiert und ihre Beziehung zu Renaldo und Canubis zeigt Risse. Ein erwachsener Mann, Krieger und gleichzeitig Sohn zu sein, ist schwierig genug. Wenn man dann noch den göttlichen Teil miteinbezieht, kann der Spaß beginnen.
Renaldo und Canubis lieben und respektieren ihre Mütter, hadern aber auch mit der Tatsache, dass Ana-Isara sie zu Halbgöttern degradiert hat, um die untreuen La’ides zu bestrafen. Was natürlich auch die Beziehung der Halbgötter zu ihren Untergebenen schwierig macht. Ich wollte immer, dass meine Hauptfiguren Ecken, Kanten und viele verschiedene Schichten haben. Die Mutter-Sohn-Beziehung ist eine gute Möglichkeit diese Ecken logisch und nervenaufreibend darzustellen.
Mütter sind im Leben eines jeden Individuums wichtig, ebenso wie Ehepartner. Canubis ist mit Noemi Amerasu verheiratet, einer Schlangenhexe und Heilerin, die vernünftig und freundlich zu sein scheint. In Wirklichkeit ist sie eine Frau mit eisernem Willen und Kräften, die man nicht unterschätzen sollte. Canubis und Renaldo sind beide sogenannte ›Alphamännchen‹, Männer, die ihren Willen bekommen und daran gewöhnt sind, dass die Leute tun, was sie befehlen, einfach weil es ihr Wille ist. Canubis brauchte eine Frau, die stark genug ist, ihn als den dominanten Partner zu akzeptieren und gleichzeitig selbstbewusst genug, um sich durchsetzen zu können, wenn sie recht hat. Noemi ist hochintelligent und unverbrüchlich loyal gegenüber Canubis, was ihn zu einem stärkeren und besseren Anführer macht. Sie ist auch leidenschaftlich und hinterhältig, wenn sie sich mit der dominanten Natur ihres Ehemannes auseinandersetzen muss.
Neben Noemi ist die interessanteste weiblich Figur eindeutig Hulda, Mutter Oberin der Schwestern der Nacht, einem Orden von Assassinen. Ich gebe zu, dass ich sie als eine Art feministisches Vorbild in der Tradition von Marion Zimmer Bradley konzipiert habe. Hulda ist eine wunderschöne Frau, eine ausgebildete Killerin, die jeden Mann besiegen kann, eine Hexe mit der Gabe, hinter die Zeit zu treten, und ein echter Freigeist. Sie ist mit Wolfstan, dem Waffenmeister des Rudels, verheiratet, hat aber eine sehr bewegte Vergangenheit mit Partnern beiderlei Geschlechts, inklusive Renaldo und Canubis. Sie nimmt sich stets, was sie will, sie bedauert ihre Handlungen nie und sie kennt sich selbst gut genug, um ihren Instinkten zu vertrauen. Da sie eine geborene Anführerin ist, bildet sie ein wichtiges Gegengewicht zu Canubis und Renaldo, für die sie als eine Art ältere Schwester und Beraterin agiert. Anders als Noemi fühlt sie sich mit ihrer Macht und der damit verbundenen Verantwortung wohl.
Natürlich sind dies nicht die einzigen weiblichen Charaktere, aber in meiner Geschichte sind sie diejenigen, mit dem meisten Einfluss. Ich habe mich sehr bemüht, diese Figuren und ihre Beziehungen zu den Männern nicht stereotyp zu gestalten, sondern realistisch abzubilden, wie die Dynamik zwischen den Geschlechtern funktioniert. Und ja, ich habe ihnen Attribute gegeben, von denen ich mir wünsche, meine Töchter und alle Frauen hätten sie. Feminismus ist so viel mehr, als nur das patriarchalische System abzulehnen.

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