Montag, 4. Juli 2016

Interview mit Karo Stein [K]

Hey ihr!

Lange ist es her, dass es ein Interview gab, aber jetzt habe ich diese Sparte wieder in Angriff genommen. Dafür musste dann Karo Stein herhalten, die ich schon länger im Auge habe, um ihr ein paar Antworten auf meine Fragen zu entlocken. Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Interview.


Liebe Karo,

Zunächst wäre es schön, wenn du ein wenig über dich erzählen könntest. Wer verbirgt sich hinter dem Namen Karo Stein?
Hinter dem Namen verbirgt sich eine Frau, die zusammen mit ihrem Mann und zwei Söhnen recht beschaulich in einer mittelalterlichen Stadt namens Quedlinburg wohnt. Während ich den Großteil meines Lebens auf der Suche nach Selbstverwirklichung war, habe ich sie nun tatsächlich in der Schriftstellerei gefunden. Ich finde es ziemlich cool, dass meine Familie mich darin unterstützt und mir durchaus den Rücken freihält, wenn ich einfach nicht vom Schreibtisch wegkomme.
Ich lese allerdings auch gern, überwiegend im eigenen Genre, aber ich mag auch Krimis und Thriller.
Seit ein paar Wochen habe ich einen kleinen Garten, in dem ich mich ein bisschen austobe. Hoffentlich ist das Wetter bald so, dass ich draußen schreiben kann.
Ansonsten nähe, häkle und backe ich gern. Letzteres durchaus exzessiv bunt.
Und dann gibt es noch den Bauchtanz … meine ganz besondere Leidenschaft, die sich ja auch schon in einigen Geschichten niedergeschlagen hat.


Warum hast du dich dafür entschieden, Gay Romance zu schreiben und würde dich auch mal ein ganz anderes Genre interessieren?
Ich glaub ich habe mich gar nicht entschieden. Das Genre hat mich ausgesucht und mir keine Chance gelassen, nein zu sagen. Ich bin über seltsame Umwege hier gelandet und hatte bis vor 6 oder 7 Jahren echt keine Ahnung, dass es so etwas gibt. Was soll ich sagen? Queer as Folk ist an allem schuld und ich bin unglaublich dankbar dafür. Ich finde es faszinierend über Männer zu schreiben und sie in Situationen zu bringen, in denen die harte Schale nicht hilft. Es ist unglaublich vielseitig und spannend.
Ich habe bisher zwei Heterogeschichten für einen kleinen Verlag geschrieben, die auch in Anthologien erschienen sind. Zu behaupten, dass es keinen Spaß gemacht hat, wäre gelogen, aber es hat mich auch nicht so begeistert, dass ich mehr schreiben will.
In den Fantasybereich bin ich ebenfalls kurz abgedriftet, allerdings Gay Fantasy und ein bisschen verrückt.
Ich probiere gern herum und bastle nebenbei an einem Plot für einen Gay Thriller. Mal sehen, ob das funktioniert.


Ich liebe an deinen Büchern, dass du so oft HIV/AIDS darin ansprichst. Was hat dich dazu bewogen, so viele Bücher diesem Thema zu widmen?
So viele Bücher sind es ja eigentlich nicht. Bisher habe ich erst zwei Bücher geschrieben, die sich direkt mit dem Thema HIV beschäftigen und einige Kurzgeschichten, die in Anthologien der HSN herausgekommen sind und einen gemeinnützigen Zweck dienen.
HIV und Aids sind Themen, die mich schon seit meiner Jugend beschäftigen. Später hat sich der Fokus durch die Familie ein wenig verschoben, aber als ich angefangen habe, mich mit schwulen Geschichten zu beschäftigen, rückten sie wieder ein Stück näher. Dabei habe ich mit Entsetzen festgestellt, dass mein Wissen auf dem Stand der frühen 90-iger Jahre war. Und ich war damit nicht allein. Es gab so viele Leute in meinem Umfeld, die kaum etwas über HIV und Aids wussten. Ganz zu schweigen vom Gay Romance Genre, wo HIV ja beinahe ein Tabu darstellte. Vermutlich war genau das ein Teil meiner Motivation, eine Liebesgeschichte zwischen einem positiven und einem negativen Mann zu schreiben. Ich hatte nicht erwartet, dass sie so erfolgreich sein würde, aber es macht mich stolz und glücklich.
Letztendlich komme ich an diesem Thema nicht vorbei und ich will es auch gar nicht. Ich bin auch jetzt wieder dabei, an einem neuen Plot zu arbeiten.


In "Wenn es Liebe ist" befasst du dich mit Bisexualität. Das findet man ganz selten in diesem Genre - vor allem nicht, in der Ausführlichkeit, in der du das tust. Was hat dich daran gereizt, dies zum Thema zu machen?
Mich reizen immer Themen, die es nicht so oft gibt oder mit denen sich anderen Autoren (für meine Begriffe) noch nicht zufriedenstellend beschäftigt haben. Bisexualität ist wie viele andere Arten der Sexualität ein wenig fremd für mich. Ich akzeptiere jedoch, dass es viel mehr als eine Möglichkeit gibt und finde es unglaublich spannend. Im Laufe der Recherche bin ich trotzdem einige Male an meine Grenzen gestoßen. Sie jedoch zu überwinden und meinen Horizont zu erweitern, das ist einfach ein großartiges Gefühl und das Wunderbare am Schreiben.


Ein Punkt in dem Buch ist auch, dass viele Kindergärten/Kindertagesstätten nicht daran interessiert sind, den Kindern schon in dem jungen Alter Toleranz mit auf den Weg zu geben. Würdest du sagen, dass ist in diesem Land noch ein wirklich Missstand in unserer Gesellschaft?
Natürlich! Schau dir allein die Werbung an, da möchte ich manchmal aufschreien vor Wut. Für Jungs das hellblaue Ü-Ei, für Mädchen das rosafarbene. Ich finde, das Rollenverhalten wird sogar schlimmer geprägt, als es noch vor einigen Jahren der Fall war. Obendrein gibt es viele Kindertagesstätten, die in kirchlicher Hand sind, oder von Menschen geleitet werden, die noch in alten Wertevorstellungen verhaftet sind. Natürlich spiegelt „mein Kindergarten“ nicht zu einhundert Prozent die Wirklichkeit wieder. Es ist schließlich eine Geschichte, ein Teil meiner Fantasie, aber vielleicht regt sie auch hier und da jemanden an, darüber nachzudenken. Das Potential unserer Kinder zu begrenzen, nur weil sie damit eventuell aus gängigen Rollenklischees herausfallen, finde ich furchtbar.


Gibt es eine Figur in deinen Büchern, von der du denkst, dass sie dir oder anderen ein Vorbild sein kann?
Mit Vorbildern habe ich immer Schwierigkeiten. Ich finde es besser, wenn man versucht, seinen eigenen Weg zu finden und sich auch nicht von Schwierigkeiten oder Hindernissen abhalten lässt. Letztendlich sind meine Protagonisten ausgedacht und damit eigenen sie sich vielleicht nicht wirklich als Vorbild. Auf der anderen Seite freue ich mich sehr, wenn mir jemand schreibt, dass er oder sie sich mit Figuren verbunden fühlen. Gerade auch bei den HIV-Büchern gab es viele Reaktionen, die mich unendlich glücklich gemacht haben. Eines haben vermutlich all meine Figuren gemeinsam. Sie glauben an die Liebe und sie kämpfen dafür. Das ist es vielleicht, was man als eine Art Vorbildfunktion ansehen kann.


Ich bin fest überzeugt, du schreibst schon an neuen Werken. Worauf dürfen wir uns dieses Jahr noch freuen?
Pläne und ich … das funktioniert irgendwie so gar nicht. Ja, ich schreibe an neuen Werken. Was es davon in diesem Jahr noch ans Licht der Welt schaffen wird, kann ich dagegen nicht mit Gewissheit sagen. Ich hoffe, dass ich den zweiten Teil zu „Wenn es Liebe ist“, nämlich Jo´s und Dannys Geschichte noch in diesem Jahr fertigbekomme.
Zeitnah wird es ein neues Spendenbuch geben, in dem ich mit einer langen Kurzgeschichte dabei bin.
Ich habe so viele Ideen in meinem Kopf und lasse mich überraschen, welche besonders heftig drängelt und geschrieben werden möchte.

Vielen Dank für die tollen Antworten, liebe Karo! Es hat mich sehr gefreut!

Wenn ihr jetzt gespannt auf Karos Geschichten seid, dann besucht sie unbedingt mal auf ihrem Blog.
Außerdem verlinke ich euch noch meine Rezensionen zu ihren Büchern.

Bis zum nächsten Mal
Jules :)



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