Mittwoch, 13. Juli 2016

Abgebrochen [K]

Hi!
Heute geht es mir um ein eher unschönes Thema, über das ich aber dennoch gerne mal meine Meinung äußern möchte. Es geht darum, ein Buch abzubrechen und es dann zu rezensieren.
Ich habe zu dem Thema schon recht viele Meinungen gehört und nicht alle waren sie gleich. Tatsächlich wusste ich auch recht lange nicht, was ich davon halten soll und habe immer tapfer jedes Buch, das für den Blog gedacht war, zu Ende gelesen. Dann aber kam eines, dass mir einfach überhaupt nicht gefallen hat und auch noch so unsagbar lang war, dass es abzubrechen einfach zu verführerisch wurde. Dennoch habe ich lange mit mir gerungen, ob ich das tun kann und jetzt im Nachhinein weiß ich eigentlich gar nicht mehr, warum.
Zugegeben, es mag stimmen, dass die Rezension dann nicht ganz fair ist. Man rezensiert ja immerhin nur einen Teil des Buchs und kann nicht sagen, ob das es sich vielleicht zum Ende hin noch positiv entwickelt. Andererseits muss man auch zugeben, dass dies doch eher unwahrscheinlich ist. Nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich.
Ich finde nicht, dass die Rezension dadurch nicht ehrlich ist, weil man nicht alles gelesen hat. Man muss nur ganz genau sagen, bis wohin man das Buch gelesen hat und klar machen, dass man eben auch nur diesen Teil bewerten kann. So weiß jeder, warum man das Buch abgebrochen hat, aber jedem muss klar sein, dass es theoretisch noch besser werden könnte.
Hinzu kommt: Meine Intention in einer jeden Rezi ist es eben auch, nicht nur andere Leser über das Buch zu informieren, sondern auch dem Autor oder der Autorin zu sagen, was noch verbessert werden kann. Vielleicht wird der Betroffene die Rezension nie lesen, aber falls doch, soll er bzw. sie ja auch wissen, warum meine Meinung so ist wie sie ist. Und vielleicht hilft dies dann ja auch, dass künftige Bücher besser werden. Es geht also sogesehen nur mit Rezension.
Natürlich ist es dabei wiederum schade, dem Autor/der Autorin dann nicht eine komplette Rezension vorsetzen zu können, weil sie so nur von einem Teil wissen, was schief lief.
Aber so schade das dann auch ist, warum sollte man sich selbst nur deshalb quälen? Darauf hat mich letztlich eine andere Bloggerin gebracht. Und damit hatte sie einfach nur recht. Es hat mich nämlich echt genervt und ich habe total die Lust am Lesen verloren, weil immer das Buch auf meinem Kindle allgegenwärtig war. Es macht dann einfach keinen Spaß und das sollte nicht Sinn der Sache sein. Deswegen lieber abbrechen und das begründen, als sich durchzuquälen.
Es hat übrigens auch irgendwo einen finanziellen Aspekt: Warum sollte ich für etwas, das mir nicht gefällt, Geld ausgeben? Dann lieber abbrechen und zurück geben, als sich danach darüber zu ärgern, genau das nicht getan zu haben. (So ging es nämlich mir: nachdem ich mich endlich dazu aufgerafft habe, abzubrechen, war die Rückgabefrist abgelaufen... Hätte ich den Entschluss eher gefasst, wäre ich jetzt um 5€ reicher. Und ja, 5€ sind nicht die Welt, aber trotzdem sind sie zu schade, um sie aus dem Fenster zu werfen.)
Ich glaube, man muss einfach seine eigene Philosophie zu dem Thema finden. Ich selbst habe mir jetzt gesagt, ich werde auch ein Buch, dass mir gar nicht zusagt, zur Hälfte lesen und dann entscheiden, ob ich es abbreche oder nicht. Ich möchte mir diese Entscheidung nicht leicht machen, möchte auch jedem eine Chance geben - aber in manchen Ausnahmefällen will ich mir auch den Gefallen tun und mir die Option, das Buch abzubrechen, offen halten.
Und wenn ich es abbreche, dann nur mit Rezension!
Natürlich wird die Rezension dann eher schlecht ausfallen, schon allein, weil ja dick und fett "abgebrochen" darüber steht. Aber umso wichtiger finde ich es, dann auch zu sagen, warum man es abgebrochen hat, statt die Leser nur vor vollendete Tatsachen zu stellen. Das macht die ganze Sache ja erst transparent. Sonst könnte ja noch der Eindruck entstehen, man hat es grundlos oder ungerechtfertigt abgebrochen. Damit ist ja auch niemanden geholfen. Folglich finde ich es nur richtig, dann auch eine Rezension dazu zu schreiben, um der Entscheidung eben Transparenz zu geben. Das erscheint mir ehrlicher und fairer. Und es räumt den Lesern ein, selbst zu entscheiden, ob sie diese Kritikpunkte auch stören oder ob sie das Buch trotzdem lesen wollen. Ohne Begründung würden sie also vielleicht schlechter von dem Buch denken als mit. Und als Blogger will man ja auch, dass sich der Leser irgendwo seine eigene Meinung bilden kann - eben aufgrund der eigenen Rezension.
Ich weiß, manche kommen auf so etwas nicht klar, aber das interessiert mich nicht mehr. Ich weiß, dass ich, wenn ich ein Buch abbreche und dazu schreibe, warum, dies mit reinem Gewissen tun kann. Ich kann sozusagen meinen inneren Frieden damit schließen - und wenn sich irgendjemand daran stört, dass ich dies so handhabe, dann muss er eben seinen eigenen Frieden damit schließen. Aber ich denke, ich kann mir so selbst treu bleiben und eine ehrliche Rezension schreiben, ohne mich selbst wochenlang mit einem Buch herumzuquälen. In solchen Fällen ist es wohl echt okay, auch einfach mal an sich selbst und sein Befinden zu denken. Ich hoffe also, ihr seht es mir nach, wenn ich so etwas tue - aber vor allem hoffe ich, dass es so schnell nicht wieder ein Thema für mich sein wird.
Jules :)

Kommentare:

  1. Hallo Jules, während meines Studiums, ich bin Bibliothekarin, hat uns ein Dozent mit den 10 Rechten des Lesers nach Daniel Pennac bekannt gemacht.
    An dritter Stelle kam das Recht, ein Buch nicht zuende zu lesen.
    Ich fand es recht befreiend, das mal schriftlich zu bekommen.
    Und wenn Du eine Rezension schreibst wirst Du ja erwähnen, warum du dieses Buch abbrechen musstest /wolltest.
    Und dad ist für mich als Leserin Deines Blogs ja auch wichtig.
    Möglich, dass es mich nicht stört, was Dir das Lesen unmöglich machte, möglich, dass Du mir damit viel Ärger ersparst.
    Liebe Grüße Allerleihrau

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    1. Stimmt, irgendwie ist es schön, zu wissen, dass einem da jemand Absolution erteilt. Und es ist ja auch so: Warum sollte ich es zu Ende lesen? Kann mich doch keiner zwingen!

      Ja und darum geht es doch. Dass ich emien Meinung sage! Und die wird ja höchstwahrscheinlich nicht besser, wenn ich weiter lese - eher noch schlimmer.
      Und wie du sagst, für die Leser des Blogs ist es ja auch wichtig und jeder kann dann für sich selbst entscheiden.

      LG

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