Mittwoch, 1. Juni 2016

Liebe auf den ersten Blick [K]

Hey ihr!

Ich habe in letzter Zeit einige Bücher gelesen, die mich zum Nachdenken angeregt haben, was dieses Thema betrifft. Wahrscheinlich auch, weil ich immer öfter genau diesen Punkt in den Rezensionen kritisieren musste. Ich weiß, dass viele von euch diese ganze Liebe-auf-den-ersten-Blick-Romantik total super finden, aber ich selbst kann leider nicht so viel damit anfangen. Mag gut sein, dass es in der Realität ab und an mal geschehen mag, aber gerade in Büchern kann ich dieser Sache einfach gar nichts abgewinnen, weil es sich meistens auf die Geschichte selbst negativ auswirkt.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich ist immer am schönsten und spannendsten, zu lesen, über welche Wege und Umwege die Protagonisten zueinander finden. Ich mag es, mitzuverfolgen, wie sich langsam mehr zwischen ihnen entwickelt, bis irgendwann klar ist, dass es sich um Liebe handelt. Was ich hingegen einfach nur absolut schrecklich finde ist, dass man jemanden sieht und dann schon weiß, dass man denjenigen liebt und er der einzig Richtige ist. Was ist das für ein Schwachsinn? Man kann doch niemand lieben, weil man ihn einmal gesehen hat. Man kennt die Person doch gar nicht. Man weiß nichts über denjenigen, wie er tickt, was er für Eigenarten hat oder überhaupt, wie sein Charakter aussieht. Wie kann man dann also sagen: „Ich habe ihn gesehen und ich wusste, er ist der Richtige.“
Klar, im wahren Leben sieht man auch mal jemanden, der einen optisch gut gefällt und einfach einen Zauber auf einen auswirkt, dem man nicht entgehen kann. Man möchte dann vielleicht auch mehr als nur Sex, ihn kennen lernen und sehen, wie es sich entwickelt. Aber man kann doch nicht, nur weil man einen Blick auf jemanden geworfen hat, sicher sein, dass man denjenigen liebt. Sowas braucht doch Zeit. Man muss doch erstmal miteinander reden. Man muss doch zumindest den Namen des andere kennen. Und lacht jetzt nicht, aber ich habe vor einiger Zeit ein Buch gelesen, in dem sich die Protagonisten zweimal kurz sehen, dabei nicht miteinander reden, sich dann das erste Mal richtig Treffen, sich dann erst ihre Liebe gestehen und danach erst die selten dämliche Frage kommt: „Wie heiß du eigentlich?“
Was ist denn das für ein unrealistischer Müll? Tut mir Leid, wenn sich da jetzt jemand angegriffen fühlt, aber das muss doch jedem auffallen, dass das nichts mehr mit Romantik zu tun hat sondern einfach nur Schwachsinn ist.
Und das macht dann das ganze Buch kaputt. 1. Wie soll man so was denn als Leser noch ernst nehmen können? 2. Wo bleibt das die ganze Spannung und dieses Kribbeln, dass man als Leser irgendwie doch gerne mitverfolgen möchte, wenn man eine Geschichte liest? Und 3. Was hat man denn als Leser davon, wenn die ganze Geschichte nicht mehr wie 40 Seiten zusammenbringt, weil schon auf der 10. Seite klar ist, dass es sich um die ganz große Liebe handelt und die letzten 30. nur noch hohles Blabla drum herum enthalten?
Für so was ist mir mein Geld und meine Lesezeit einfach zu schade. Ich kann das echt gar nicht ab. Wie gesagt, ich finde es schön, wenn man schon beim ersten Treffen die starke Anziehung spüren kann. Aber man sollte dann doch darauf achten, dass es nicht dermaßen eskaliert, wie in dem oben genannten Beispiel. Das hat mit Romantik dann doch nichts mehr zu tun, das ist ja fast schon lächerlich.
Und wenn es denn schon unbedingt so ablaufen muss, dann sollte der Rest der Geschichte doch wenigstens ein wenig mehr Handlung enthalten als nur ganz normales Alltagsleben und Sex. Irgendwoher muss man doch ein wenig Spannung ins Buch bekommen. Weil – ganz ehrlich – ansonsten könnte man es auch einfach gleich lassen.
Was haltet ihr denn von solchen Liebe-auf-den-ersten-Blick-Geschichten? Mögt ihr sie? Vielleicht nur unter bestimmten Vorraussetzungen oder ganz im Allgemeinen? Oder seht ihr es ähnlich wie ich? Mich würde das wirklich mal interessieren, weil ich schon öfters gemerkt habe, dass ich da manchmal andere Ansichten habe, wie der Rest der Menschheit. Aber ich kann auch einfach nicht nachvollziehen, wie man so was schön finden kann und deswegen würde mich eine gegenläufige Meinung dann schon echt mal interessieren.
Jules :)

Kommentare:

  1. Hey hey,

    ein sehr interessantes Thema, über das ich auch schon öfter nachgedacht habe.

    Ich glaube an diese Topf und Deckel Geschichte und ich glaube, dass man sich nicht in jeden Menschen verlieben kann. Was aber nicht heißt, dass wenn zum Beispiel der Partner stirbt, man jemand anderen finden kann, für den man auch tiefe Gefühle entwickelt. Aber ich glaube eben nicht, dass man 100 potenzielle Partner zur Auswahl hat und den, den man zuerst trifft und den man dann kennen lernt wird es dann. Ich denke, dass es komplizierter ist und nur ein oder zwei dieser hundert passen.
    Aber wenn ich glaube, dass nicht jeder Topf zum Deckel passt (oder umgekehrt) impliziert das nicht irgendwie, dass man es schnell weiß? Ich weiß es nicht. Denn auf der anderen Seite stimme ich dir zu. Jemand sehen und es wissen, kann ich mir nur schwer vorstellen.

    Mir fällt auf, dass viele gar nicht zwischen den Facetten von Liebe unterscheiden. Da wird von Liebe auf den ersten Blick gesprochen, oder man gesteht sich nach drei Monaten seine Liebe und wenn man 20 Jahre verheiratet ist, ist es immer noch Liebe. Fertig.
    Aber das kann man doch viel differenzierter ausdrücken. Erst findet man sich vielleicht attraktiv und anziehend, dann kommt so etwas wie Verliebtheit und dann Liebe. Aber die Liebe ist doch nicht immer gleich. Eine Liebe zwischen Mitzwanzigern ist anders als die Liebe von einem Paar das goldene Hochzeit feiert.
    Wenn man so etwas besser unterscheiden würde, dann würde sich viele Geschichten vielleicht auch besser und realistischer lesen lassen.

    Was Bücher angeht... ich weiß gar nicht, ob ich schon mal was gelesen habe, wo diese Liebe auf den ersten Blick so extrem war. Mir fällt zumindest spontan keins ein. Aber das muss ja nichts heißen :D

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    1. Ich gebe dir Recht, mit Sicherheit ist das alles sher viel komplizierter, als man eigentlich denkt und wahrscheinlich auch sehr viel Schicksal. Es kann also gut sein, dass man es vielleicht doch schnell weiß. Aber wahrscheinlich nicht, ohne denjenigen zu kennen. Vielleicht merkt man schon beim ersten Treffen - hier passt alles. Andererseits glauben das viele Pärchen von sich, dann bestreiten sie zusammen den Alltag, die rosarote Brille ist Auf und Davon und plötztlich kommt die Trennung...

      Da sagst du sicherlich was Wahres! Eine Geschichte wäre wirlich viel glaubhafter, wenn man Liebe nicht als einziges großes Wort betrachten würde. In manchen Geschichten findet man sowas, aber oft eben leider nicht und das macht viele Geschichten so gleich - und oftmals auch gleich schlecht.

      Glücklicherweise gibt es davon ja auch nicht all zu viele, aber ich finde schon, dass oft genug Liebe auf den ersten Blick ein Thema ist - und problematisch wird es wohl dann, wenn es einfach als Tatsache hingestellt wird.
      Wenn man als Leser nicht versteht, warum der andere so fasziniert ist, sondern wenn es heißt: Ich liebe ihn, denn es war Liebe auf den ersten Blick.
      Und eben nicht: ich liebe ihn, weil er das denkt und dies tut und jenes sagt...
      Weißt du, was ich meine?

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    2. Ich habe gerade ein super schönes Zitat gelesen, mit dem ich mich sofort identifizieren konnte. Da ich dabei sofort an diese Kolumne denken musste, obwohl es mit Liebe auf den ersten Blick nichts zu tun hat, möchte ich es mit dir teilen:

      "Es gibt drei Stufen: Verknallt sein / Verliebt sein / Liebe. Verknallt ist, wenn man sich angezogen fühlt und die ersten Schmetterlinge im Bauch hat. Verliebt sein ist, wenn man zusammen geht und Liebe, wenn man immer noch zusammen ist, obwohl die Verliebtheit weg ist" (Häkelenten tanzen nicht, 9%)

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    3. Ich mag das Zitat, da steckt viel Wahres drin! :)

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  2. Hallo Jules!
    Ich habe den Post schon vor ein paar Tagen gelesen und er ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Eigentlich bin ich spontan geneigt, dir zuzustimmen. Es hat seinen Reiz, in einem Buch mitzuerleben, wie sich zwei Menschen kennenlernen und sich dann langsam immer näher kommen.
    Andererseits gibt es auch tolle Geschichten, wo die Protas sich auf den ersten Blick zwar in einander verlieben, aber sich dann erst wirklich kennenlernen. Gut ist das immer dann, wenn das Grundthema nun ist, ob die Liebe dem Alltag standhalten kann.

    Das es "Liebe auf den ersten Blick" gibt, habe ich einmal selbst erlebt.
    Ich stand daneben und habe sozusagen den Blitz zwischen zwei Menschen einschlagen sehen, die übrigens heute immer noch zusammen sind. Es war allerdings zugegebener Weise nicht der allererste Blick, sondern der erste, nachdem die beiden einander lange Jahre nicht gesehen hatte ...

    GLG und einen wunderschönes Sommerwochenende, in dem die Blitze nur metaphorisch und nicht wirklich einschlagen.
    Ulla

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    1. Hallo!

      Ich gebe dir schon recht, prinzipiell ist an Liebe auf den ersten Blick nichts falsch, wenn gut auf ihr aufgebaut wird und man auch noch nachvollziehen kann, warum der Protagonist von Jetzt auf Gleich so sehr verliebt ist.
      Mies wird es wohl nur dann, wenn man nicht wirklich etwas draus macht und man als Leser einfach nichts miterlebt, nichts nachvollziehen kann, etc.

      Vielleicht funkt es wirklich so schnell, aber das impliziert doch, dass man miteinander redet und fix feststellt, dass man sich mega sympathisch ist.
      Dass ich aber um die Ecke biege, da jemanden fremden dort stehen sehe und sofort weiß: DAS IST DIE LIEBE MEINES LEBENS!!!, das glaube ich einfach nicht.

      Haha, vielen Dank! Dir ein schönes Restwochenende und eine gute Woche!

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