Mittwoch, 15. Juni 2016

Ja, ich will [K]

Hi ihr Lieben,

heute geht es um ein Thema, über das ich mich wieder herrlich aufregen kann. Mein allzeit verhasster Heiratsantrag in Liebesgeschichten. Wer mich kennt weiß, dass man mir damit so ziemlich jedes Buch versauen kann, egal wie toll ich es kurz vorher noch fand. Wahrscheinlich teilen sehr viele meine Meinung nicht, aber das ist mir egal. Ich finde es furchtbar und einfach nur, damit ihr meine Rezensionen besser nachvollziehen könnt, versuche ich, mal zu erläutern, warum das so ist.
Was mich an einem Heiratsantrag am meisten stört, ist, dass er oft sehr erzwungen ist. Die beiden haben sich gefunden, eigentlich ist alles schon wunderbar und dann hat der Autor/die Autorin das Gefühl, dass man das TOTALE Happy Ende erreichen muss, in dem man zur Krönung noch einen Heiratsantrag oben drauf setzt. Sehr häufig geschieht das dann im Epilog, was schon deutlich macht: Die Szene passt gar nicht mehr in die eigentliche Geschichte sondern wird einfach hinten dran gehangen. Oft noch mit dem glorreichen Zusatz "XY Jahre später...". Sowas nervt mich einfach nur, weil es nichts mehr mit der eigentlichen Geschichte zu tun hat. Man will einfach auf Teufel komm raus noch einen Heiratsantrag anfügen und deshalb gibt es den Epilog. Nur warum denn? Ein Buch, eine Liebesgeschichte ist doch auch dann wunderschön, wenn es keinen Antrag mehr gibt. Können die Protagonisten nicht auch ohne Ehe glücklich sein? Ist ein Happy End denn nicht auch dann happy, wenn sie sich nicht noch am Ende verloben? Sowas ist für mich einfach sinnlos, weil es - wie schon mehrmals gesagt - nicht mehr zur eigentlichen Geschichte gehört und damit einfach überflüssig ist.
Häufig versaut es das Buch damit nämlich auch eher, statt es besser zu machen. Ich weiß, viele sind der Meinung, ein Antrag ist romantisch, aber für mich ist er das nicht. Mal davon abgesehen, dass ich sowieso eine kranke Einstellung zu Romantik habe, ist nicht alles, was super süß und super kitschig ist, automatsich romantisch. Und Romantik besteht häufig nur in kleinen Dingen - wer aber einen Heitratsantrag schreibt, der bleibt nicht bei den kleinen Dingen. Im Gegenteil: Häufig sind die Anträge dann auch noch total bombastisch und einfach too much. Ich meine, vielleicht träumen viele von genau so einem Antrag (vielleicht träume ich sogar selbst von so einem Antrag) und wenn man ihn selbst bekommt, dann empfindet man ihn vielleicht auch als wundervoll, aber wenn man ihn nur liest, dann kann er schnell mal zu viel werden.
Ich habe zumindest noch nie ein Buch gelesen, in dem ein Antrag vorkam, der nicht zu zuckrig und zu kitschig ausgefallen ist. Man neigt sehr schnell dazu, die Dinge zu übertreiben, wenn man etwas wundervoll romantisch gestalten möche - was in so einem Fall immer so sein wird.
Aber gerade bei Geschichten, die vielleicht innerhalb der eigentlichen Story gar nicht so extrem romantisch ausgefallen sind, wird so ein Antrag dann eher stören und einfach unpassend.
Ich sehe ein, dass viele sowas mögen und sich darüber freuen, dass es am Ende noch dazu kommt - ich sehe auch ein, dass einfach der Autor/die Autorin für ihre Protagonsiten noch eine Verlobung möchte... aber wenn es die Geschichte doch eher kaputt macht, dann sollte man sich doch mal überlegen, ob man es nicht lieber weglassen möchte.
Wobei ein Antrag - und das muss ich widerwillig eingestehen - nicht immer deplaziert und kitschig und doof sein muss. Ich finde ja, wenn er wirklich in die Geschichte und die Stimmung und Situation und alles passt, dann darf es ruhig auch ein Antrag sein. Aber das ist eben sehr selten der Fall und wenn doch mal alles passt, ist er dann aber total aufgebauscht und dann doch wieder nicht stimmig...
Wobei ich auch hier sagen muss, selbst wenn es manchmal von der Stimmung her wirklich passen würde, gibt es so Gründe, warum ich ihn dann doch wieder unpassend finde. Häufig ist es ja auch so, dass ein Antrag schon nach drei Monaten erfolgt, weil sie sich nach drei Monaten schon sicher sind, sich zu lieben. Vielleicht haben sie etwas gemeinsam durchgemacht, dass sie so eng zusammengeschweißt hat, dass sie sich ein Leben ohne den anderen nicht vorstellen können, etc. und daraufhin erfolgt dann der Antrag, der durchaus in die aktuelle Lage passt. Und ja, das mag es alles auf dieser Welt geben, aber ich meine... nach DREI Monaten? Ich hoffe, ich bin da nicht der einzige, der das als zu früh erachtet.
Klar, es gibt Umstände, die das vielleicht wirklich nachvollziehbar erscheinen lassen, das habe ich ja selbst gerade schon beschrieben. Aber irgendwie ist es mir dennoch zu früh, sei da vorher geschehen, was wolle.
Wirklich traurig wird es ja erst, wenn so etwas dann grundlos erfolgt. Also ein Antrag einfach so nach drei Monaten (wobei es ja auch Bücher gibt, in denen nicht mal drei Monate gewartet wird...) erfolgt, einfach weil sich die Protagonisten total sicher sind, dass sie die Liebe ihres Lebens gefunden haben. Aber ich verrate euch jetzt mal was in gänzlich unromantische Jules-Manier: Wenn man frisch verliebt ist, glaubt man das immer. Das rechtfertigt dann aber leider immernoch keinen Antrag. Wenn, dann wären nämlich sehr viele schon mit 14 verheiratet, was Gott sei Dank nicht möglich ist.
Um jetzt mal zu einem Ende zu kommen, versuche ich, meine Meinung noch einmal auf den Punkt zu bringen: Man muss einfach sehr viel Feingefühl beweisen, um einen Antrag so zu integrieren, dass er wirklich dazu passt. Und wenn man das Gefühl hat, dass es nicht 100%ig dazu passt, dann würde ich am liebsten auf die Knie gehen und den Autor/die Autorin anflehen, es doch wegzulassen und das möchte ich hier auch mehr oder minder imaginär tun: Liebe Autroren und Autorinnen da draußen, wenn eure Geschichte auch ohne Antrag perfekt ist, dann lasst ihn bitte, bitte weg, ehe er er die Geschichte versaut. Ich meine das echt ernst und ich hoffe, ihr denkt zumindest mal darüber nach, ehe ihr mich verflucht, weil ich so einen unglaublich unromantische Appell an euch rausschicke. ;D
Jules :)

1 Kommentar:

  1. Hallo Jules!
    Du hast das besser in Worte gefasst, als ich es könnte.
    Vielleicht weil ich Hochzeiten eh nicht mag, finde ich Heiratsanträge in Romanen auch sehr oft ... viel zu zuckrig. Bei der eigentlichen Liebesgeschichte ist ein Antrag / eine Hochzeit für mich völlig unerheblich.
    GLG Ulla

    AntwortenLöschen