Mittwoch, 18. Mai 2016

Angriff der Zombiefans [K]

Hallo!

Neulich habe ich in einer Rezension etwas gelesen, dass mich ein wenig hat Schmunzeln lassen. Ein Leser hat sehr erbost festgestellt, dass die Rezensionen zu dem Buch allesamt zum einen recht gleich klangen und zum anderen so überhaupt gar nicht zu dem Buch gepasst haben, dass er da vor sich hatte. Er hat dann ausgesprochen, was ich schon sehr lange denke, wenn ich mir Rezensionen auf Amazon anschaue: Offenbar wurde dem Autor hier ein Gefallen getan.
Leider etwas, dass ich in letzter Zeit sehr gehäuft vorfinde. Da haben die schlechtesten Bücher plötzlich die besten Bewertungen und niemand kann sich so richtig erklären, warum. Und wenn man dann die Rezensionen liest, dann wird darin meist nicht auf den Inhalt oder den Stil eingegangen, sondern man liest nur knappe Aussagen wie: „XY hat eine tolle Geschichte verfasst, die Spaß macht und sexy ist“ oder noch besser „Über den Inhalt brauch ich gar nichts mehr sagen, denn die 5 Sterne sagen schon alles“. Tja, wenn ich ehrlich sein soll, sagen die 5 Sterne leider gar nichts mehr aus. Im Gegenteil. Mitterlweile ist es so schlimm, dass ich bei 5 Sternen sofort davon ausgehe, dass es auch hier nur wieder eine Gefälligkeitsrezension ist, die nicht viel mit der Wahrheit zu tun hat.
Zwei Leserinnen meines Blogs und ich sind dazu übergegangen, dieses Phänomen Zombiefan zu nennen. Und ich finde diese Bezeichnung ziemlich passend.
Anscheinend gibt es immer mehr Leser, die es ganz großartig finden, über Facebook/Twitter/Whatever Kontakt zu Autoren aufzunehmen und sich dann ganz special fühlen, wenn dieser ihnen Aufmerksamkeit schenkt. Und um sich einzuschleimen, werden dann gute Rezensionen geschrieben und man freut sich dann einen Keks, wenn der Autor sich dafür persönlich bedankt. Häufig bekommt man dann das neueste Werkt als Rezensionsexemplar und fühlt sich dann großartig, weil man jedem – ob es den nun interessiert oder nicht – sagen kann: „Ich bin mit XY ganz dicke und er vertraut meiner Meinung so sehr, dass sogar sein Buch testlesen darf.“
Ich hoffe, ich muss nicht extra erwähnen, dass solche Aktionen mit Ehrlichkeit und Fairness nichts mehr zu tun haben. Wenn ein wirklich unkreatives Buch genauso bewertet wird wie ein Buch, dass wahnsinnig toll gelungen ist, fehlt da irgendwo die Relation. Und das fällt ja – wenn man auf mein Eingangsbeispiel blickt – langsam aber sicher auch auf.
Ich weiß nicht, ob es ein gutes Licht auf einen Autoren wirft, wenn sich herumspricht, dass er Rezensionen erkauft oder erschleimt. Und mit der Zeit werden neutrale Leser dann auch feststellen, dass die Rezensionen nicht zutreffen und bei neuen Büchern die Finger davon lassen, auch wenn wieder getürkte Rezensionen online gestellt werden.
Im Prinzip ist es peinlich, wenn Menschen nichts besser zu tun haben, als einen anderen zu glorifizieren und dann so etwas tun. Es ist einfach falsch, 5 Sterne zu vergeben, nur weil man der Meinung ist, sich unter allen Umständen einschleimen zu müssen. Und es ist auch falsch von einem Autor, seine Fans zu derartigen Handlungen anzustacheln, in dem er sich ausufernd bedankt oder Goodies verteilt. Man sollte als Autor auf ehrliche Rezensionen wert legen und nicht auf solche, die das Ego streicheln und sonst nur heiße Luft sind.
Ich hoffe sehr, dass da noch manch einer zur Einsicht kommt, aber um ehrlich zu sein bezweifle ich so was.
Es steht nicht in meiner Macht, die Welt zu ändern, aber ich kann zumindest eine Warnung aussprechen: Wenn ihr Rezensionen lest, achtet darauf, wie viel wirklich über den Inhalt ausgesagt wird. Gebt keinen Acht auf Rezensionen, die nur allgemein ein wenig loben und schmeicheln und sonst keine Aussagekraft besitzen. Seid skeptisch, wenn sehr viele Leute fast das gleiche sagen oder die gleiche Anzahl Sterne verteilen.
Wenn es überhaupt eine gibt, lest euch die Rezensionen mit weniger Sternen durch und hört euch diese Meinung an. Ich möchte nicht sagen, dass keine gute Rezension mehr ehrlich ist – um Gottes Willen! – aber ich möchte euch ein wenig feinfühliger dafür machen, nicht jeder blind Glauben zu schenken. Wenn jemanden das Buch wirklich gefällt, wird er ausschweifend begründen können, warum, aber wenn es jemand nur so daher sagt, wird er euch keine nachvollziehbaren, auf das Buch bezogenen Gründe bieten können.
Eigentlich ist es traurig, dass man Rezensionen nicht mehr blind vertrauen kann sondern fast schon stutzig werden muss, wenn ein Buch gut bewertet ist. Das sollte wirklich nicht Sinn der Sache sein. Zu ändern ist es nicht, aber wir können dagegen angehen, in dem wir selbst ehrliche Rezensionen schreiben und ein Buch nicht nur deshalb kaufen, weil es 20 gefakte 5-Sterne-Rezensionen aufweist.
Jules :)

So schade es auch ist, dass wir es überhaupt ansprechen müssen, so wichtig ist es auch. Deshalb freue ich mich sehr, dass auch andere Blogger dieses Problem mittlerweile erkannt haben und darüber berichten. Die liebe Elma hat zu dem Thema einen ähnlichen Post verfasst und bringt dieses Problem ebenfalls sehr gut auf den Punkt. Schaut unbedingt mal bei ihr vorbei, ich verlinke euch ihren Beitrag hier

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