Donnerstag, 31. März 2016

Wie wichtig ist ein Safeword? [K]

Hi!

Im Rahmen meiner BDSM-Themenwoche soll es heute um eine Frage gehen, an der sich häufig die Geister scheiden. Nämlich um die Frage, wie wichtig ein Safeword eigentlich ist?
Ich war bzw. bin eigentlich der Meinung, dass ein Safeword unwiderruflich dazu gehört und einfach existieren muss. Allerdings habe ich mir auch andere Meinungen angehört, die etwas Gegensätzliches behaupten. Jetzt will ich versuchen, die Aussagen ein wenig gegenüber zu stellen und vielleicht eine Antwort auf diese Frage zu finden:
Wie gesagt, bin ich ein großer Verfechter des Safewords. Für mich stellt so ein Wort ein großes Stück Sicherheit da. Als Sub liefert man sich seinem Dom oft völlig schutzlos aus und einfach schon für das Gefühl ist es wichtig, ein Safeword zu haben. Immerhin dient das dazu, eine Session abzubrechen, wenn etwas passiert, mit dem man nicht übereinkommt. Ich weiß nicht, wie man sich jemand anderen so darbieten kann, ohne im Hinterkopf zu wissen, dass man abbrechen kann, falls es einen zu viel wird.
Andererseits kann man natürlich nie wissen, ob der Dom nicht vielleicht zu dem Typ gehört, der das Safeword einfach übergehen wird. Das sollte natürlich nicht passieren, im Gegenteil, das ist so ziemlich das größte No Go überhaupt. Aber manche Leute sind eben so und dann hilft einen das Wort auch nicht mehr viel.
Und hier knüpfen eben Skeptiker an und sagen: Ob mit oder ohne Safeword, der Schlüssel heißt Vertrauen und man kann nur jemanden vertrauen, von dem man weiß, dass er aufhört, wenn er merkt, dass es einem zu viel wird. Und damit kommt auch schon die das ultimative Argument ins Spiel: ein guter, erfahrener Dom wird merken, wenn der Sub an der Grenze ist und aufhören, ehe er überhaupt dazu kommt, ein mögliches Safeword auszusprechen.
Das ist der Punkt, bei dem ich sagen: Richtig. Jemand, der seinen Sub ständig dazu bringt, das Safeword zu nutzen, ist für mich kein guter Dom. Dieser sollte merken, wann er aufhören soll, ehe der Sub von sich aus eingreifen muss.
Aber nichtsdestotrotz bin ich hier sehr vorsichtig und sage: Das mag bei Partnern gut funktionieren, die sich kennen und wissen, wie weit der andere zu gehen bereit ist. Aber ein Fremder kann einen vielleicht einfach noch nicht richtig einschätzen und dann hilft die ganze Erfahrung nicht – tja und wer sagt denn überhaupt, dass der Dom schon Erfahrung hat? Auch ein Dom muss irgendwann einmal anfangen und das tut er, wie jeder andere Mensch, bei 0.
Oft bekomme ich auch die Aussage zu hören: Er hört ja auf, wenn ich nein sage. Aber wenn ich nun wirklich Erbsenzählerei begehe, dann muss man es sagen wie es ist: In diesem Fall ist das Safeword eben „Nein“. Nur finde ich persönlich dann ein „richtiges“ Safeword besser. Denn ein Nein kommt einen vielleicht auch mal über die Lippen, ohne dass man es so meint, wohingegen einen „Apfelkuchen“ oder was auch immer wohl in so einem Moment nicht grundlos einfällt.
Was ist nun also die Antwort auf die Frage, wie wichtig ein Safeword ist? Ganz ehrlich – da gibt es kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist, dass die Methode, die man anwendet, funktioniert. Dass sich der Sub gut fühlt und weiß, er kann dem anderen vertrauen und begibt sich nicht in Gefahr. Mit welchen Mitteln er diese Sicherheit für sich findet, ist völlig egal, nur vorhanden muss sie sein.
Dennoch werde ich nicht aufhören, Bücher zu kritisieren, wenn sie eine BDSM-Beziehung ohne Safeword beschreiben. Denn dann denke ich einfach daran, dass so ein Buch auch von Menschen gelesen werden kann, die sich in dieser Materie nicht auskennen und die vielleicht auch nicht nachvollziehen können, wie komplex solch eine Beziehung und wie viel Vertrauen dafür notwendig ist. Für sie wird es einfach unverständlich sein, wenn sich jemand so knallhart ausliefert, ohne ein Schlupfloch in Form eines Safewords zu haben. Das kann dazu führen, dass sie abgeschreckt werden oder einfach einen falschen Eindruck erhalten.
Man mag es nun notwendig finden oder nicht, aber für Außenstehende ist es leichter, so etwas zu akzeptieren, wenn ein Safeword Schutz symbolisiert, und als Autor sollte man darauf einfach Rücksicht nehmen. Das ist ja dann auch nur im eigenen Interesse, wenn man will, dass das Buch auch bei Außenstehenden gut ankommt.
Jules :)

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