Dienstag, 29. März 2016

Sklaven lieben nicht (Jeany Lena)

Hallo!

Es geht weiter mit meiner Themenwoche rund um BDSM. Schaut unbedingt auch die restlichen Tage rein, es wird diese Wochen jeden Tag einen Blogpost dazu geben.

Heute gibt es die erste Rezension und zwar zu dem Buch "Sklaven lieben nicht" von Jeany Lena. Es umfasst 285 Seiten und erschien bei TazzBuch e.U. Die Geschichte spielt in einer Parallelwelt, in der die Haltung von Sklaven noch legitim ist, bis es zu einem Umbruch kommt.


Beschreibung:

Damian gehört zur Oberschicht und hält Sklaven wie selbstverständlich. Für ihn ist es jedoch wichtig, sie wie Menschen zu behandeln. Als es zu einem Umbruch kommt, steht er vor dem Nichts, aber zwei seiner Sklaven helfen ihm, sich in seinem neuen Leben zurecht zu finden und sein eigenes (Liebes-)Glück zu finden.

Meine Meinung:

Diese Geschichte wurde mir empfohlen, sonst hätte ich sie wohl gar nicht gelesen. Ich finde es wahnsinnig wichtig, dass zwischen richtiger Sklaverei und BDSM unterschieden wird und wenn die Grenzen dann so verwischen, das lässt mich das doch skeptisch zurück.
Allerdings muss ich sagen, dass in dieser Geschichte doch gut Sklaverei von BDSM getrennt wird. Wir bekommen am Anfang mit, wie Damian wirklich Sklaven hält und wie er nach dem Umbruch damit umgehen muss, nicht mehr frei über Keito und Elija verfügen zu können, sondern sie nur noch im Rahmen von BDSM "benutzen" zu können.
Was mir dabei sehr gut gefällt, sind die Gefühle, die dabei rüberkommen: Für Damian ist das alles nicht so leicht, nicht mehr der Sklavenhalter zu sein und nur noch im Bett das Sagen zu haben. Er gerät dadurch auch in Konflikte, wenn er in alte Verhaltensmuster zurückfällt. Ich fand das sehr schön, weil es glaubwürdig ist und weil es wirklich noch einmal den Unterschied verdeutlicht.
Allerdings gibt es auch Punkte in der Geschichte, die mich trotzdem stören. Zum einen leiden die BDSM-Szenen unter der Vergangenheit der drei Männer. Ständig muss irgendwer Rücksicht nehmen oder führt irgendwelche Konflikte mit sich selbst... das ist ziemlich anstrengend, versaut die Sexszene und vor allem zeigt es BDSM nicht, wie es sein sollte. Gerade dann, wenn noch Jerome ins Spiel kommt, der wirklich reinen BDSM von Damian möchte, wird noch mal deutlich, dass Damian das einfach nicht kann. Dieser verweigert Jermone dann ein Safeword, weil er dessen Grenzen dank seiner Erfahrung natürlich kennt, verbietet ihm, gewisse Ding abzulehnen... alles Dinge, die meiner Meinung nach in einer BDSM-Beziehung einfach gar nicht gehen. Es mag Diskussionen geben, wie wichtig ein Safeword ist, aber so ein Wort hin oder her, hat der Sub ein Nein aussprechen zu dürfen. Und wenn das nicht gegeben ist, hat das nichts mehr mit sicherem BDSM zu tun und da hört auch meine Toleranz sofort auf.
Auch sehr kritisch sehe ich die Aussage, dass BDSM nichts mit Gefühlen zu tun hat. Manche können das sicher trennen, aber man kann das nicht verallgemeinern. Sorry, aber für mich hat BDSM sehr viel mit Gefühlen zu tun und es so darzustellen, als würde niemand Gefühle in solch ein Session legen, finde ich echt blöd.
Es gibt auch noch andere Dinge, die mich an den Sexszenen gestört habe. Zum Beispiel, dass Damian wirklich denkt, dasss er drei Subs gleichzeitig glücklich machen kann. Keine Ahnung, ob das möglich ist, aber wenn, dann ist es schwer und und vor allem schwer zu beschreiben und deswegen misslingt das in dem Buch letztlich auch.
Und auch fehlt es mir an Kreativität in den BDSM-Szenen. Sie sind immer gleich aufgebaut und wirken dadurch ein wenig langweilig und unausgefeilt. Vor allem werden auch immer die gleichen Praktiken angewandt. (Und oh mein Gott, ich merke gerade, wie schrecklich ich Fisting finde!)
Auch sonst hat mich die Geschichte nicht vollends überzeugen können. Sie leidet zum Beispiel darunter, dass sie überladen wirkt. Es geschieht wahnsinnig viel in dem Buch. Erst das Sklaventum, dann der Umbruch, dann das Wiedersehen mit Keito und Elija und das darauf folgende Zusammenleben, plötzlich kommt ein dritter Sub ins Spiel... Das alles hat auch wenig roten Faden. Es ist nichts absehbar und geschieht urplötzlich. Auf mich wirkt das alles ein wenig chaotisch. Auch, weil die Dinge nicht wirklich ausgeführt werden. Oft gibt es Zeitsprünge und auch sonst werden Sachen einfach nicht erklärt. Man weiß zwar, es handelt sich um ein Paralleluniversum, aber es wird einfach nicht groß darauf eingegangen. Und wenn dann der Umsturz kommt, wird auch das nur groß umrissen, aber einem fehlen dann trotzdem Informationen. Man muss als Leser alles als gegeben annehmen und kriegt nicht wirklich Gründe oder Details geliefert.
Auch der Stil hätte noch ausgereifter sein könne. Es gibt Wortwiederholungen, seltsame und oft auch einfache Formulierungen. Dann kommen wieder ein paar gute Sätze, aber es zieht sich einfach nicht durch. Oft werden Dinge auch mehrmals nacherzählt, obwohl man sie ja schon kennt und nicht noch hundert mal hören muss. Schwierig.

Altersbeschränkung/Zielgruppe:

Ich weiß nicht.... Soll ich das nun BDSM-Fans empfehlen? Ich mochte es nicht, ich bin da aber auch sehr kritisch. Vielleicht könnt ihr über manchen kritischen Punkt wegsehen und mögt die Geschichte trotzdem?
Was ich recht gelungen finde, ist eben dieses Sklaventum vs. normalen BDSM. Das hat mich überraschenderweise überzeugt und wenn ihr sowas auch itneressant findet, dann ist das Buch sicher was für euch.

Könnt ihr euch vorstellen, dass mich diese Themenwoche ziemliche Nerven gekostet hat? Als ich sie geplant habe, dachte ich: Schüttelst du doch aus dem Ärmel. Zwei Kolumnen, drei Rezensionen, Interview... alles schon oft gemacht. Aber es alles rechtzeitig fertig zu kriegen, parallel zum normalen Blogalltag... es war eine Herausforderung. Unglaublich. Aber es war toll.
Jules :)

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