Montag, 15. Februar 2016

Interview mit Nessa Maral [K]

Hey Leute,

heute gibt es wieder ein Interview. Ich durfte Nessa Maral ("Ben und Lotta") ein paar Fragen stellen, die sich mit ihr und ihrer Geschichte befassen. Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Interview!


Liebe Nessa,

1. zunächst wäre es schön, wenn du dich kurz vorstellen könntest. Wer bist du und was machst du, wenn du nicht gerade die Feder schwingst?

Hallo Jules, vielen lieben Dank für das Interview. Ich bin Nessa Maral, 19 Jahre jung und absolviere seit August eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Ich wurde 1996 im oberschwäbischen Bad Saulgau geboren und war laut meinen Eltern schon immer sehr kreativ. Ich habe immer viel gelesen, meine Eltern sagen immer, dass ich sie immer gedrängt hätte auf der Autobahn anzuhalten damit ich ein Schild fertig lesen konnte, was sie natürlich nie gemacht haben. Mit dem Schreiben meiner ersten Geschichten habe ich 2009 begonnen, nachdem ich auf myfanfiction.de schon fast ein Jahr als stiller Leser unterwegs war. In der 7. Klasse habe ich meinen ersten Roman begonnen, welchen ich aber in meiner „Sturm und Drang-Phase“ verworfen habe. Zum Glück! Bis 2014 habe ich ausschließlich Fanfictions geschrieben erst Anfang 2015 kam mir gerade durch diese Fanfictions die Grundidee für Ben und Lotta. Mal ganz davon abgesehen, dass mein Leben von Büchern in jeglicher Hinsicht dominiert wird bin ich durch und durch Musikerin. Ich spiele Querflöte und Gitarre (Klassik, Western und bald auch E) und kann Stunden lang vor meiner Playstation oder in Minecraft und Sims versinken.


2. Was liest du denn eigentlich selbst? Geschichten, die in eine ähnliche Richtung wie „Ben und Lotta“ gehen oder eher etwas ganz anderes?

Ich lese eigentlich aufgrund meines Jobs alles, bevorzuge aber definitiv Jugendromane und vor allem Bücher von anderen Selfpublishern. Bücher die in die Richtung wie Ben und Lotta gehen muss ich offen gesehen lese ich gar nie. Nicht, dass ich Gayromance oder eben wie in Ben und Lotta aufgegriffen – Transsexualität – nicht interessant fände. Ich bin ein Mensch, der viel auf ein gutes Cover setzt. Und sobald irgendwelche halbnackten Kerle drauf sind ist es vorbei. Ich möchte Bücher lesen, die sich in meinem Regal gut einbringen können.


3. Wie kam es dazu, dass du ein Buch herausgebracht hast? War das schon immer ein Traum von dir oder hat sich das eher so ergeben?

Ich wollte eigentlich schon immer ein Buch veröffentlichen. Mir hatte bisher nur immer die zündende Idee gefehlt. Grundsätzlich hätte ich aber auch nochmal fünf Jahre oder so gewartet, aber ich hatte so viel guten Zuspruch bekommen, dass ich einfach ins kalte Wasser springen musste. Außerdem kann ich ja nicht mein ganzes Leben lang Fanfictions schreiben, oder?


4. In „Ben und Lotta“ befasst du dich ja bekanntlich mit der Problematik Transsexualität. Dies ist ja nun ein eher außergewöhnlichstes Thema, an das ich nicht jeder herantraut. Wieso hast du dir gerade dieses Thema für dein Buch herausgepickt? Hast du dir besondere Gedanken zu dem Thema gemacht, vielleicht zur Recherche auch mit Betroffenen geredet?

Warum kann ich gar nicht so genau sagen. Ich hatte Ben und Lotta ursprünglich einmal als einen Schreibchallengebeitrag entworfen, aber irgendwie ließ mich dieses so ungleiche Paar nicht mehr los. Toleranz, Akzeptanz, sich selbst mögen. Das sind Dinge, die in unserer Zeit noch immer ein Problem sind. Wir müssen dabei nicht nur bei der Transsexualität bleiben. Homosexuelle tun sich inzwischen zwar viel leichter als vor zwanzig Jahren, aber es ist immer noch nicht so als wäre das ganze hier „normal.“ Erweitern wir unseren Blick und analysieren wir Ben, so ist er der konservative Teil unserer Gesellschaft. Sein Blick ist darauf gerichtet, dass er jede Frau haben kann und von Männern nichts wissen will. Für ihn ist es anfangs undenkbar, dass er jemanden lieben kann, der nicht der gewollten Norm entspricht. Lotta hingegen ist ein junger Mann, der sich in seiner wahren Gestalt unwohl fühlt. Schon früh wusste sie, dass sie anders sein will als alle anderen, was nicht immer leicht für sie war. Zum Thema Recherche – das musste ich gar nicht. Eine meiner längsten Freundinnen ist Transsexuell. Ich kenne sie noch als Frau (ich nenne sie auch immer noch Sarah, was so gesehen falsch ist) und habe sie jetzt vor vier Jahren frisch kennengelernt. Ich wusste im ersten Moment gar nicht, dass sie sich verändert hat. Mir war damals in der Grundschule auch nicht bewusst, dass sie so anders ist. Sie war in meinen Augen immer ein ganz normales Mädchen, was eben keine Kleider mochte und auch diese Mädchensachen doof fand. Den großen Ausbruch habe ich persönlich gar nicht mitbekommen, aber sie ist immer noch der selbe Mensch ob sie sich nun als Mann fühlt oder nicht. Das ändert ja nichts an ihrem Charakter.


6. Ich habe in meiner Rezension zu deinem Buch sehr die authentische Reaktion von Ben auf Lottas Geheimnis gelobt. Er reagiert zunächst ja eher ablehnend und kann sich nur langsam mit dem Gedanken anfreunden, dass Lotta physiologisch gesehen ein Junge ist. Nun mal Hand auf's Herz: Wie hättest du an seiner Stelle reagiert?

Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht so genau. Ich denke ich wäre ziemlich verwirrt, würde mich verarscht fühlen und nie wieder einen Tropfen Alkohol anfassen. Allerdings wäre es da auch noch wichtig zu wissen wie wir davor zueinander standen. Wenn es wäre wie bei Ben und Lotta – also das ich Sie/Ihn schon immer toll fand, dann würde ich zumindest versuchen mich mit den Dingen zu arrangieren. Frühstück, ein klärendes Gespräch und dann mal weiter sehen? Wäre es hingegen ein One Night Stand den ich irgendwo angeschleppt hätte (was nie vorkommen würde, weil ich und der Alkohol auf Kriegsfuß stehen) würde ich vermutlich auch die Flucht ergreifen und mein ganzes Leben mit einem schlechten Gewissen verbringen, weil ich nicht versucht hätte es zu klären.


7. Wie wird es in Zukunft mit dir und deiner Autorenkarriere weitergehen? Hast du schon neue Projekte am Start oder willst du es bei einem Buch belassen?

Ich hoffe mal, dass es mit mir und meiner Karriere weiter gehen wird. Zwar nur nebenher, weil mein Hauptaugenmerk auf der Ausbildung liegt und dann darauf mich irgendwann mal selbständig zu machen, aber ich möchte jedenfall weiterhin schreiben. Ich plane derzeit drei Projekte, wovon eins vorraussichtlich im Frühjahr/ Sommer 2016 veröffentlicht wird. Das andere setze ich mal auf Herbst 2016.
Die gute Nachricht ist jedoch: Es wird mit Ben und Lotta weitergehen. Ich weiß, dass sich einige von den Lesern eine Art Fortsetzung gewünscht haben, was es nicht direkt wird. Es wird eher eine sinnvolle Aneinanderreihung von teils bereits vorhandenen Kurzgeschichten zu Ben und Lotta, die Themen wie das erste Date, das Zusammenziehen und den Alltag ihrer Beziehung abdecken werden.
Dieser recht kurzweilige Zusatzband wird wenn alles klappt zu Weihnachten 2015 sonst spätestens Februar 2016 erscheinen und das voraussichtlich nur in limitierter Auflage was die Prints betrifft.


Vielen Dank, liebe Nessa, für die ausführlichen Antworten!
Wenn ihr jetzt noch mehr über Nessa Maral und ihr Buch erfahren wollt, dann schaut auf ihrer Website vorbei.

Kommentare:

  1. Ich habe von der Autorin noch gar nichts gehört bzw. gelesen, aber ich glaub ich hab mir deine Rezi zu "Ben und Lotta" schon mal angeschaut.

    Die Antwort auf die zweite Frage finde ich ja sehr interessant. Ich liebe ja auch gute Cover, aber vor allem Cover die zur Geschichte passen. Das findet man abseits des Gaygenres leider zu selten. Aber wenn ein halbnackter Mann drauf ist, passt es eigentlich immer zum Inhalt ;) Aber ich versteh durchaus was gemeint ist, manchmal sind die Cover aus dem Genre schon sehr... klischeelastig. Dennoch sind es oft Cover mit echten Menschn und da hab ich ja einen Faible für.

    Ich glaube, ich muss mal schnell Ben und Lotta lesen, damit ich noch eine limitierte Kurzgeschichtenausgabebanddings abbekomme, falls mir das Buch gefällt :D

    Es war auf jeden Fall ein richtig schönes Interview. Die Autorin ist mir sehr sympathisch und ich brauche mal wieder Lesezeit um mir "Ben und Lotta" zu kaufen und zu lesen.

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    1. Ich bin ja eher einer, der überhaupt gar nicht auf ein Cover achtet - auch wenn ich ein sehr hübsches schön zu würdigen weiß und bei sehr seltsamen Covern auch mal denke, man hätte da schon auch ein anderes wählen können...
      Aber ich finde es prinzipiell auch schön, wenn ein Mensch auf dem Cover zu sehen ist - halbnackt finde ich aber oft recht unpassend. Außer, es ist eine Erotikgeschichte. Aber sonst hofft man ja, die Geschichte hat mehr zu bieten, als ein bisschen nackte Haut in Form einer Sexszene...

      Ja, das Buch ist schon wirklich lesenswert, wenn man mit dem Thema Transsexualität was anfangen kann, kann ich nur empfehlen.

      Danke, das freut mich.

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