Mittwoch, 27. Januar 2016

Homosexualität im Profisport - möglich oder nur ein frommer Wunsch? [K]

Hey Leute,

wie ihr dem Titel entnehmen könnt, geht es heute mal um ein etwas anderes Thema. Natürlich hat es dennoch in gewisser Weise mit Büchern zu tun. Ich weiß nicht, ob ihr meinen Blog regelmäßig verfolgt und daher wisst, dass ich einen gewissen Faible für Bücher habe, die eben diese Thematik behandeln. Gerade eben habe ich wieder ein solches beendet und mich in der Rezension schon kaum zurückhalten können, weil darin sämtliche Probleme eigentlich sehr gut aufgezeigt werden. Und weil ich dazu echt viel zu sagen habe, dachte ich mir, schreibe ich es mir in einer Kolumne von der Seele.
Ich weiß leider nicht, warum es im gerade im Profifußball so ein Problem ist, wenn ein Spieler homosexuell ist. Man müsste doch meinen, dass wir mittlerweile in einer Gesellschaft leben, die damit irgendwie klar kommen sollte. Leider scheint für diese Welt eine andere Regel zu gelten. Das ist etwas, das ich einfach nicht verstehen kann, weil es doch eigentlich nichts zur Sache tun dürfte, welche sexuelle Orientierung jemand hat, solange er nur seine Leistung bringt. Solange die Leute es nicht wissen, lieben sie diese Spieler – sobald es raus ist, lehnen sie diese ab. Aber das sind doch immer noch die gleichen Menschen! Wie kann man da nur so differenzieren? Und warum überhaupt? Ich schätze, das sind Fragen, auf die man keine Antwort finden kann. Obwohl ich ja persönlich der Meinung bin, dass das Problem gar nicht die Fans sind, sondern die internen Kreise.
Ich glaube, wenn hinter einem Spieler und seinem Outing ein Vorstand steht, der keine konservativen Ansichten vertritt, sondern ganz locker mit der Sache umgeht, fällt es der Öffentlichkeit auch leichter, sich damit zu arrangieren. Ebenso die anderen Spieler: Wenn diese deutlich machen, kein Problem mit ihrem schwulen Teamkameraden zu haben, setzen sie ein eindeutiges Zeichen für ihre Fans und können so für mehr Toleranz sorgen. Problematisch wird es doch erst, wenn man vom eigenen Team ausgeschlossen wird und ein paar Leute in den oberen Positionen gegen einen agieren, weil sie negative Presse oder Fanverluste fürchten.
Noch ein Punkt: Die Medien. Ich glaube, je selbstverständlicher man mit der Homosexualität der Spieler umgeht, desto weniger Angriffsfläche gibt man der Presse. Wenn diese allerdings erstmal einen Skandal daraus machen kann, weil viele Gegenstimmen laut werden, wird so schnell auch kein Gras über die Sache wachsen könne.
Dabei wäre es doch wirklich an der Zeit, dass sich mal etwas an dieser Sache ändert. Ich möchte nicht wissen, wie viele Profispieler (und das nicht nur im Fußball!) ein sehr unerfülltes Leben führen, weil sie nicht zu sich und ihren Gefühlen stehen können. Es ist so traurig, weil es so sinnlos ist. Ich wünsche mir, es würden einige den Mut finden, ihre Liebe öffentlich zu machen, einfach, damit es langsam zu einer Normalität werden kann. Wenn einer sich outet, ist es ein Skandal. Wenn sich aber mehrere outen, wird es irgendwann zu einer Selbstverständlichkeit (was es ja eigentlich auch ist) und damit auch für niemanden mehr interessant. Aber natürlich fürchten die Betroffenen zu sehr um ihre Karriere, als dass sie sich während ihrer aktiven Zeit outen würden. Quasi ein Teufelskreis, den man so leicht nicht durchbrechen kann.
Dabei stellt sich doch die Frage: Wäre es denn wirklich so ein Skandal, wie man sich das vorstellt? Welche Ansichten haben denn Sportler und Fans zu dieser Sache?
Ich habe ein wenig in meinem Bekanntenkreis rumgehorcht und die unterschiedlichsten Meinungen bekommen. Ein ehemaliger Schulkollege und begeisterter Fußballfan hat mir knallhart mitgeteilt, dass er so was „abartig“ findet und Fußball nur etwas für „echte Männer“ ist.
Positiv überrascht war ich hingegen von einem Bekannten, der selbst Profisportler ist. („Nur“ in der regionalen Handballliga, ist nicht so, dass ich irgendwelche totalen Berühmtheiten kennen würde, falls ihr das jetzt denkt.) Er hat auf meine Frage damit geantwortet, dass er persönlich nicht verstehen kann, was für ein Tamtam um die ganze Sache gemacht wird. Seiner Meinung nach kann doch jeder schwul sein, solange er nur auf dem Spielfeld seine Leistung abgibt. Er hat mir erzählt, dass er sich nicht bei allen aus seiner Mannschaft sicher wäre, ob sie damit umgehen könnten, einen schwulen Spieler unter sich zu haben, hat aber von sich behauptet, keinerlei Probleme damit zu haben. Allerdings habe ich von ihm erfahren, dass er nicht glaubt, dass es so einfach ist, sich als Profi zu outen und im Prinzip, alles, was ich oben schon angesprochen habe, noch einmal bestätigt. Er glaubt, es ist einfach sinnvoller, bis zum Karriereende mit einem Outing zu warten, statt sich selbst alles zu versauen. Und er hat mir auch gesagt, dass viele einen schwulen Sportler einfach nicht mehr ernst nehmen und er sich gut vorstellen kann, dass gerade die Gegner auf dem Feld darin eine gute Angriffsfläche für Provokationen sehen würden.
Ihr merkt schon, das sind nicht die Antworten, die ich erwartet habe, machen aber noch mal deutlich, wie verzwickt die ganze Sache ist.
Ich wünsche so manches Mal, das, was in so vielen Sportromanen geschildert wird, wäre wahr. Aber irgendwie fällt es mir immer schwerer daran zu glauben, dass es in der Realität auch wirklich so umsetzbar wäre. Trotzdem bin ich noch so naiv, auf etwas anderes zu hoffen. Vielleicht ist es wirklich so, dass nur ein Anfang gemacht werden muss, um den Stein ins Rollen zu bringen. Die Frage ist allerdings: Wer hat den Mut dazu? Ich schätze, ich selbst hätte ich nicht.
Jules

Wenn ihr euch für Bücher interessiert, die sich mit dem Thema beschäftigen, dann klickt doch mal hier, da findet ihr einige Bücher, die ich dazu gelesen und rezensiert habe.

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