Samstag, 12. Dezember 2015

Aus dem Dunkeln ins Licht (Mia Grieg) [abgebrochen]

Hi,

heute gibt es eine Premiere, wenn auch keine schöne: Das erste Mal habe ich mich dazu entschlossen, ein Buch abzubrechen. Ich habe mir die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht und mich immerhin bis zur Hälfe durchgeschlagen, aber jetzt habe ich einfach keine Lust mehr. Für den Teil, den ich bisher gelesen habe, möchte ich aber gerne eine Rezension schreiben, also legen wir los.

Ich habe das Buch bis Kapitel 56 gelesen, was laut meinem Kindle 49% des Buchs ausmacht. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass ich deshalb auch nur diesen Teil bewerten kann. Für alles weitere, was in dem Buch noch vorkommt, kann ich nicht sprechen.

Es handelt sich hier um Mia Griegs "Aus dem Dunkeln ins Licht", welches frei publiziert wird. Auf 643 Seiten handelt es von Alex, der seine Jugendliebe Moritz wiedertrifft.




Beschreibung:

Alex trifft auf einem Klassentreffen seine Jugendliebe Moritz wieder. Obwohl er sich stark von diesem angezogen fühlt, weiß er doch, dass ihre Liebe nicht sein darf. Er selbst bekommt mit seiner Freundin Zwillinge und Moritz ist mittlerweile Profifußballer und kann sich ein Outing nicht leisten.
Dennoch können die beiden ihre Finger nicht voneinander lassen und bald schon müssen sie sich entscheiden, was ihnen im Leben am wichtigsten ist.

Meine Meinung:

Noch einmal: Diese Rezension umfasst nur die ersten 56 Kapitel, zum Rest kann ich nichts sagen!
Ich habe lange überlegt, wie ich an diese Rezension herangehen soll und beschlossen, dass ich kein Blatt vor den Mund nehmen werde. Immerhin habe ich es abgebrochen und das hat auch einen Grund, den ich euch gerne mitteilen möchte. Deshalb sage ich es jetzt einfach wie es ist: Ich fand dieses Buch absolut schrecklich.
Angefangen hat es schon mit dem Stil. Er war mir zu einfach gehalten, es gab sehr viele Wortwiederholungen, sehr viel unnötiges Blabla und irgendwie hat er mich einfach nicht erreicht. Ich konnte keine Beziehung zu den Protagonisten aufbauen, weil man sich einfach nicht richtig in sie hineinfühlen konnte. Obwohl es in der Ich-Perspektive geschrieben ist, habe ich manchmal das Gefühl, derjenige würde das Geschehen nur erzählen, statt es zu erleben. Da hat es auch nicht genutzt, dass die Sicht immer zwischen Moritz und Alex hin und her gesprungen ist.
Auch fand ich das Buch sehr kitschig. Es vergehen ja keine fünf Seiten, ohne dass nicht eine Liebeerklärung oder etwas anderes Schmalziges erwähnt wird. Da krieg ich echt Gänsehaut und das nicht im positiven Sinn. Ich weiß auch nicht, was das soll, dass Moritz z.B. bei einem Interview nach dem Spiel Alex eine Liebeserklärung macht. Ich finde das nicht romantisch, ich finde das affig. (Heteros machen das übringens auch nicht. Zumindest ist mir sowas nicht bekannt. Das hat also auch gar nichts mit Gleichberechtigung zu tun.)
Oft werden Sachen auch nur angedeutet und das hat mich auch genervt. Entweder ich schreibs aus, oder ich lasse es weg. Aber wenn jeder zweite Absatz mit einer Andeutung auf Sex endet, ist das einfach nicht mehr schön.
Dann wird Alex ja gleich zu Beginn des Buchs Vater. Es ist ja ganz okay, wie das ganze in die Story dann eingebunden wird und so, aber ich muss ehrlich sagen: Ich bin einfach kein Freund davon, dass Kinder in solchen Geschichten vorkommen. Vor allem, wenn sie so dermaßen unnötig sind, wie die Zwillinge von Alex. Ständig werden sie erwähnt, ziehen die Geschichte mit Babyfüttern und Ins-Bettchen-bringen-Gelaber in die Länge und im Prinzip hätte man das einfach nicht gebraucht. Keine Ahnung, ob das irgendwelche Frauen mit Mutterinstinkt anspricht, vielleicht bin ich auch ein gefühlskaltes Arschloch, aber ich war echt extrem genervt von diesen Kindern.
Und jetzt mal das, was mich wirklich am schlimmsten gestört hat: Ich HASSE es, wenn eine Geschichte mit Heiler-Welt-Gedöhnste gefüllt ist und immer alles super leicht und super einfach ist und einfach ABSOLUT NICHTS mit der Realität zu tun hat. Ich habe wirklich schon viel gelesen in meinem Leben und auch schon sehr viel unrealistisches aber noch nie, hat ein Buch derartig meinen Blutdruck in die Höhe getrieben, wie dieses Buch mit seiner Weltanschauung.
Man muss sich das jetzt einfach mal vor Augen führen: Alex verlässt für Moritz Simone, die gerade seine Brut auf die Welt gerpesst hat und sie findet das toll. Sie akzeptiert es einfach und freut sich, dass Alex glücklich ist und motiviert ihn noch, Moritz seine Liebe zu gestehen.
Und nicht nur, dass Simone das klasse findet. Auch ihre Eltern stehen voll hinter Alex. Seine Eltern auch. Überhaupt steht die ganze Welt hinter Alex und Moritz. Freunde, Kollegen, alle! Keiner hat ein Problem mit deren Homosexualität. KEINER! Sorry, es gibt mittlereweile sehr viele tolerante Menschen und ich wünschte, alle wären so, aber so ist es einfach nicht. Und einem Leser so etwas vorzugaukeln, ist einfach nur lächerlich.
Die Krönung ist aber, das Outing vor der Mannschaft. Denn auch in der Mannschaft haben bis auf zwei, drei Leute kein Problem mit Moritz' Sexualität. Und die, die ein Problem haben, meiden ihn einfach. Es kommt keinerlei Spitze oder Übergriff oder sonst etwas, als wären selbst die, die Homosexualität nicht nachvollziehen können, noch vollkommen tolerant. Die Welt ist nun mal voller Idioten - ich weiß nicht, warum das in dem Buch alles so glatt läuft?
Auch der Trainerstab und sämtliche Leute in der Führungsposition stehen voll hinter Moritz. Ganz ehrlich, ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass beim DFB oder sonst wo, alle hinter einem schwulen Fußballer stehen würden. Und vor allem ist es extrem unrealistisch, dass eine Generation 50/60jähriger offener für Homoseuxelle ist, als ein paar 20jährige Spieler, die in einer toleranteren Welt aufgewachsen sind.
Dem entgegen steht dann übrigens die Presse, die nach seinem Outing homophobe Artikel in die Welt setzt. Ganz ehrlich? Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Zeitung, deren Leser mit Sicherheit auch aus Homosexuellen bestehen, sich traut, homophobe Artikel in die Welt zu setzen. Mit Sicherheit würde es in der Realität auch negtaive Stimmen geben, aber mit Sicherheit würde sich niemand trauen, derartige Dinge zu schreiben, wie in dem Buch dargestellt wird. Zumindest keine der ganz großen Zeitungen, wie es im Buch der Fall ist.
Auch sämtliche Umstände was das Outing betrifft, finde ich unmöglich. Er sucht sich den schrecklichsten Zeitpunkt dafür, obwohl er da mit dem meisten Presserummel zu rechnen hat, den gerade Alex ja so verabscheut. Allgmein will er sich Alex zu Liebe outen und merkt dabei gar nicht, dass er damit Alex' Wünsche, nicht der Presse zum Fraß vorgeworfen zu werden oder zu verhindern, dass Moritz seine Karriere für ihn aufs Spiel setzt, völlig übergangen. Das ist für mich kein Liebesbeweis, sondern mangelnder Respekt den Partner gegenüber.
Es tut mir leid, falls die Rezension jetzt sehr harsch ausgefallen sein sollte, aber ich kann mich hier einfach nicht zurückhalten, weil es mich einfach schon wütend macht, über dieses Buch auch nur nachzudenken.

Altersempfehlung/Zielgruppe:

Ich kann das Buch einfach niemanden empfehlen, ohne nach dieser Rezension wie ein Heuchler dazustehen. Wenn ihr natürlich all die Punkte, die ich genannt habe, nicht als negative erachtet, dann kann es euch sicher gefallen, aber sonst halt wohl eher nicht.

Ich ärgere mich maßlos, für dieses Buch Geld ausgeben zu haben. Ich ärgere mich auch maßlos, dass ich immer wieder ein wenig gelesen habe, obwohl es mir nicht gefallen hat, so dass ich es jetzt nicht mehr zurück geben kann, weil die Rückgabefrist schon abgelaufen ist. Und über was ich mich am meisten ärgere, sind all die positiven Rezensionen auf Amazon, die mich erst auf dieses Buch gebracht haben und die einfach überhaupt nicht zutreffen.
Jules

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