Samstag, 21. November 2015

Blinder Zorn (T. C. Jayden)

So ihr Lieben,

heute gibt es eine Rezension zu einem Buch, auf das ich sehnlichst gewartet habe, nämlich die Fortsetzung zu "Kalte Ketten". Es nennt sich "Blinder Zorn" und stammt von T. C. Jayden. Es erschien im Verlag Weltenschmiede und umfasst 243 Seiten. Auf diesen geht um Riley, der in die Fänge von Aleksey gerät, der Rache an ihm und seinem Partner Kjell geschworen hat.


Beschreibung:

Aleksey will Rache an Riley und Kjell - und er muss nicht lange darauf warten. Es gelingt ihm, Riley und dessen besten Freund Liam in seine Fänge zu bekommen und ihnen die Hölle auf Erden zu bereiten, in dem er sie foltert. Schon bald steht nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Freundschaft auf den Spiel. 

Meine Meinung:

Also gut, ich versuche mal, das Buch einzuschätzen, was mir ein wenig schwer fällt, wenn ich ehrlich bin. Zunächst finde ich, dass es eigentlich eine schöne Fortsetzung zu "Kalte Ketten" ist. Man geht auf Alekseys Rache ein und schließt damit wunderbar an den ersten Teil an. Aber damit ändert sich das Genre auch komplett und hat mit der ursprünglichen Geschichte eigentlich nur noch wenig zu tun. Es ist keine BDSM-Lovestory mehr, sondern handelt wirklich hauptsächlich von Alekseys Racheakt. Ich bin deshalb nicht der Meinung, dass man das Genre nicht richtig zu teilen kann, sondern würde wirklich sagen, dass es ein Thriller ist. All diese Liebesgeschichten außen herum sind für mich noch lange kein Grund, es nicht als Thriller einzuordnen. Das ist jetzt im Prinzip nichts schlechtes, im Gegenteil: Ich bin ja ein Fan von Dingen, die mit Psychopathen und Folter zu tun haben. Allerdings geht es manchen vielleicht anders und dann werden Leute, die sich auf die Fortsetzung gefreut haben, wohl sehr enttäuscht sein. Denn leider wird nicht mehr wirklich viel auf die BDSM-Liebesgeschichte von Riley und Jason eingegangen. Es gibt z.B. keine wirkliche Sexszene und schon keine mit BDSM. Auch am Anfang, als sich Riley dazu entschließt, sich einem anderen Meister hinzugeben, wird die Szene mehr übersprungen als ausgeschrieben und das war für mich mehr als nur enttäuschend. Ich meine, selbst wenn man es nicht ins Zentrum rücken möchte, so wie beim ersten Band, dann muss man doch dennoch darauf eingehen. Immerhin ist das nun mal der Lebensstil der Protagonisten. Schade.
Dann: Wenn ich denn nun schon von meinem eigentlichen Genre abweiche und auf Folter eingehen möchte, muss ich auch den Mut haben, es komplett auszuschreiben. Aber auch hier wird vieles Übersprungen oder nur als Erinnerung zusammengefasst. Es gibt Dinge, die auch geschildert werden - aber für mich noch zu wenige. Da nutzt es auch nichts, das ganze in Details einzublenden, ich hätte mir einfach das große Ganze gewünscht.
Aber natürlich ist das Problem, dass es viele Fans vielleicht nicht verkraftet hätten. Nicht jeder mag so was und vielen ist das einfach zuwider. Ist mir schon klar, dass man da auch aus Rücksicht nicht alles bis ins kleinste Detail ausführen möchte. Aber wenn man so stark das Genre wechselt, muss man eben auch damit rechnen, dass es nicht mehr alle "alten Fans" lesen möchten - und die, die es dennoch lesen möchten, die können dann auch mehr verkraften.
Dann nervt mich, dass in dem Buch alles zurecht gebogen wird. Es ist irgendwie klar, dass Liam Männern auch nicht gänzlich abgeneigt ist, aber irgendwie regt es mich echt auf, dass er jetzt auch noch eine homosexuelle Beziehung führen muss. Es ist einfach verdammt unrealistisch, wenn immer alle schwul sind oder schwul werden. Im wahren Leben gibt es nunmal auch heterosexuelle Menschen und das ist auch gut so und ich verstehe nicht, warum immer alle Protagonisten auf Teufel komm raus schwul sein müssen. Sowas nervt mich!
Und auch sonst wirkt die ganze Beziehung von Liam auf mich komplett zurechtgebogen. Sein Freund ist ein Dom, der für Liam aber nicht mehr in der Szene aktiv sein möchte - keine Ahnung, ob es sowas gibt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man so etwas auf Dauer unterdrücken kann. (bzw. hab ich das selbst so erfahren) Und andersrum kann ich mir aber auch nicht vorstellen, dass jemand, der der Sache einfach nichts abgewinnen kann, da aus Liebe mitmacht und dann auch Erfüllung darin findet. Also egal, in welche Richtung sich die Beziehung entwickelt wird - auf mich wirkt das unrealistisch.
Wie ich es finden soll, dass das Ende offen ist, weiß ich nicht. Bzw.: es gibt ja gleich zwei Enden, zwischen denen man wählen kann und beide sind offen. Ich sag jetzt nicht, inwiefern, aber beide werfen - unterschiedliche - Fragen auf und lassen auf einen dritten Band schließen. Ich habe jetzt nicht prinzipiell etwas gegen einen dritten Band, aber ein offenes Ende ist im ersten Moment trotzdem unbefriedigend.
So, jetzt habe ich das Buch zerrissen und nichts Gutes dazu gesagt. Gibt es natürlich. Der Stil ist wunderbar wie immer, es ist spannend und fesselnd und einfach ein guter Thriller.
Was wunderbar dargestellt wird, ist die Nachwirkung der Folter auf Riley, Liam und ihre Freundschaft. Ich mag es, wie sie wieder zueinander finden müssen, wie Schuld aber auch Vergebung dargestellt werden. Auf dieser Ebene ist das Buch einfach wunderbar und echt lesenswert.
Aber wie gesagt, für mich gibt es hier eben einige Dinge, die mich stören und die mich ein wenig enttäuscht zurück lassen, weil ich mich einfach unglaublich sehr auf eine Fortsetzung zu "Kalte Ketten" gefreut habe. Und natürlich blutet mein BDSM-Herz, weil so wenig darauf eingegangen wird.

Altersbeschränkung/Zielgruppe:

Ich habe eigentlich bisher nur gute Rezensionen gelesen (ich tanze halt wieder aus der Reihe, aber ich will ehrlich bleiben), aber ich kann mir trotzdem vorstellen, dass man  von "Blinder Zorn" dann enttäuscht ist, wenn man "Kalte Ketten" aufgrund der BDSM-Elemente geliebt hat und gehofft hat, es geht ähnlich weiter wie im Vorgänger. Wenn man aber kein Problem damit hat, dass das nicht mehr so vertreten ist und vielleicht auch noch einem guten Thriller etwas abgewinnen kann, ist man hier widerum richtig.

Mittlerweile stört es mich nicht mehr, wenn meine Meinung von der anderer so gänzlich abweicht. Am Anfang habe ich ein wenig an mir gezweifelt, aber nun höre ich doch ab und an, dass viele es ähnlich sehen und manchmal glaube ich, dass einige in ihrer Rezension auch nicht immer ganz ehrlich sind. Ich weiß, dass Kritik nicht schön ist und einem Autor auch mal sauer aufstoßen kann, aber ich finde einfach, dass man das verkraften muss. Im Prinzip kann man ja nur so etwas dazu lernen.
Jules :)

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