Samstag, 3. Oktober 2015

Mr. Ironheart (M. S. Kelts)

Hey!

Das heutige Buch nennt sich "Mr. Ironheart", stammt von M. S. Kelts und erschien im dead soft Verlag. Auf 472 Seiten geht es um Chris, einem Top, dessen harte Fassade zu bröchelt beginnt, als er dem dominanten Roman begegnet.


Beschreibung:

Seit 12 Jahren hält Chris seine Rolle als Top nun aufrecht, auch wenn sein Innerstens sich nach etwas ganz anderem sieht. Ein Schicksalsschlag in jungen Jahren macht es dem Mann unmöglich, seine devote Ader weiterhin auszuleben und sich einem anderen Mann anzuvertrauen. Dann aber trifft er auf Roman, der mit seiner dominanten Ader genau das ist, was Chris sich eigentlich wünscht. Schnell beginnt seine Fassade zu bröckeln. Dadurch stellt sich jedoch bald die Frage, ob ihre Liebe auch das Trauma von Chris bestehen kann.

Meine Meinung:

Leider, leider hat mich dieses Buch komplett enttäuscht. Den Anfang fand ich eigentlich noch ganz okay und dachte, wenn es so weiter geht, wird mir die Geschichte sicher zusagen, aber dann war es leider doch so, dass ich überhaupt nicht damit klar gekommen bin.
Ich fand es schön, wie Chris Roman kennen gelernt hat und wie man sofort die Anziehung der Beiden bemerkt und sich das Ganze dann zwischen ihnen entwickelt. Aber sobald sie dann wirklich eine Beziehung führen, wird das Buch richtig – sorry – schlecht. Es fängt schon damit an, dass mir das Buch viel zu kitschig ist. Es gibt wahrscheinlich keine Seite, auf der nicht Liebesbekundungen, Kosenamen und sonstiger Schnulz ausgetauscht wird, etwas, was ich einfach überhaupt nicht leiden kann. Und es passt auch einfach nicht. Die Beiden werden als gestandene Männer beschrieben und benehmen sich schlimmer als Teenager, die das erste Mal richtig verliebt sind. Ich habe wirklich schon viele zuckrige Bücher gelesen, aber dieses hier ist an Kitsch kaum zu überbieten.
Ein großes Thema in dem Buch ist natürlich die Vergewaltigung von Chris. Was schön ist: Es wird wirklich gut darauf eingegangen. Man versteht, wie traumatisch das Erlebnis für Chris war und wie es ihm auch 12 Jahre danach noch Probleme bereitet. Und auch die Aufarbeitung, wie er durch Roman langsam zu sich selbst findet und für Roman auch weiterkämpfen möchte, finde ich sehr schön. Aber natürlich gibt es ein Aber: Ich finde das Verhalten von Chris einfach nicht angemessen. Ja, so ein Erlebnis prägt einen für das ganze Leben, aber so viele Menschen müssen mit einer Vergewaltigung klar kommen und die benehmen sich auch nicht wie ein Riesenbaby. Und genau so benimmt Chris sich nämlich: Er ist eigentlich ständig nur am Jammern, Schwarzreden und Heulen. Hinzu kommen noch pubertäre Aktionen wie z.B. Freunde, Familie und Lover zurücklassen und einfach abhauen. Ich finde das einfach affig. Trauma hin oder her, er ist ein erwachsener Mann und das Erlebnis liegt in dem Buch 12 Jahre zurück. Irgendwo hört der Spaß ja mal auf.
Dann die Sexszenen. Sie wären sicher heiß gewesen, wenn sie nicht ständig mit so viel Blabla versehen worden wären. Es ist wirklich so, dass sie miteinander rummachen und dann erstmal miteinander über irgendwelchen Mist reden müssen, ehe dann mit dem Sex weiter gemacht wird. Vielleicht wäre der Sex ganz gut, wenn er nicht ständig mit so was unterbrochen werden würden. So aber ist er einfach nur nervig und ich war froh, wenn es vorbei war.
Und dann noch der Oberhammer: Ich weiß nicht, ob ich es überlesen habe oder ob es aus der Beschreibung nicht wirklich hervorgeht, jedenfalls war ich positiv überrascht, als klar wurde, dass Chris nicht einfach nur passiv sondern devot veranlagt ist. Ich habe mich schon total darüber gefreut, dass sich jetzt Dominanzspielchen in die Sexszenen verirren und was ist: Erst hat Roman ihn mit Samthandschuhen angefasst und auch als dann geklärt war, dass er Chris ruhig hart ran nehmen kann, hatten die Sexszenen nur wenig mit dieser Spielart zu tun. Oft war es so, dass Roman zwar dominant sein wollte, Chris dann aber doch alles durchgehen ließ. Und dann ist das halt einfach so: Ein paar Handschellen und ein wenig Dirty Talk machen halt noch kein Dom/sub-Verhältnis. Nicht, dass ich jetzt irgendwelche BDSM-Szenen erwartet hätte. SM sowieso schon nicht. Aber wenn man schon von dominant und devot spricht, dann muss da einfach ein wenig mehr kommen. Oder man darf es nicht so verpacken. (Da weint mein Sub-Herz.)
Noch was kleines, positives zum Schluss: Die Geschichte ist auch Chris’ Sicht geschrieben und ich fand schön, wie immer mal wieder so Kommentare von ihm, zu Situationen, die gerade von statten gehen, einfließen, die einen das Gefühl geben, das Chris das wirklich gerade erzählt. Wisst ihr wie ich mein? Wenn nicht, nehmt einfach hin, dass der Schreibstil eigentlich ganz gut ist. Das Problem ist wirklich eher die Geschichte selbst.
In dem Buch tauchen übrigens wieder die Figuren aus "Loving Silver" auf. Ich hab dieses Buch nicht gelesen, finde die Parallele aber ganz schön.

Altersbeschränkung/Zielgruppe:

Ja gut, wer es sehr romantisch (bzw. kitschig) mag, der ist hier definitiv richtig. Wer damit aber - wie ich - nicht so viel anfangen kann, sollte hiervon die Finger lassen.
Wie oben schon gesagt, finde ich allerdings gut, wie mit dem Trauma umgegangen wird. Wer sich also dafür interessiert, sollte ruhig zugreifen.
Ach ja: Auch wenn ich es selbst nicht gelesen habe, schätze ich, wird es die Fans von "Loving Silver" ebenfalls ansprechen.

Ich bin echt tief enttäuscht, dass das Buch für mich so ein Flop ist. Ich habe eigentlich recht viel davon erwartet. Schade!
Jules :)

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