Samstag, 24. Oktober 2015

Guards of Folsom: Berührt (SJD Peterson)

So meine Lieben!

Heute endlich die Rezension zu "Guards of Folsom: Berührt" von SJD Peterson. Das Buch erschien im Cursed Verlag und umfasst 288 Seiten. Es handelt von Micah, der auf der Suche nach einem Dom ist, der mit seiner Konzentrationsschwäche umgehen kann.


Beschreibung:

Weil Micah eine Konzentrationsschwäche hat, braucht er einen Dom, der damit richtig umgehen kann. In Tackett glaubt er diesen gefunden zu haben, aber Tackett ist nicht auf der Suche nach einem Vollzeitsub und glaubt auch nicht, Micah wirklich helfen zu können. Dennoch lässt er sich auf den Deal ein, es zwei Wochen zu probieren und ahnt dabei nicht, dass die zwei Wochen schon ausreichen, ihn mehr zu berühren, als je erwartet.

Meine Meinung:

Wieder so eine schwierige Rezension, finde ich. Ich muss gestehen, dass ich von dem Buch ein wenig mehr erwartet habe. Die anderen BDSM-Bücher in dem Verlag gehören ja zu meinen absoluten Lieblingen und irgendwie habe ich erwartet, dass sich dieses Buch da anstandslos mit einreihen wird. Leider war dem dann nicht ganz so.
Dabei gab es sehr schöne Elemente, die mir wirklich gut gefallen haben. Zum Beispiel wird deutlich, wie der Dom auf den Sub einwirken und ihn auch positiv verändern kann. Micah hat ja mit seinem ADHS schon ziemliche Probleme und ich finde es schön, dass da tatsächlich etwas bewirkt werden kann, wenn man als Dom richtig damit umgeht. Natürlich ist jetzt eine BDSM-Beziehung keine Lösung für ADHS, aber ihr wisst hoffentlich, was ich meine. Es ist eine Variante, da etwas gegen zu arbeiten und das wird eben sehr gut aufgezeit in dem Buch. Außerdem zeigt es dadurch auch irgendwie gut, welche Verantwortung der Dom gegenüber seinen Sub hat.
Man  muss auch einfach sagen, dass es ein interessantes Thema ist. Ich fand es wirklich spannend, zu lesen, wie BDSM sich auf Micahs ADHS auswirkt. Auf sowas muss man ja auch erst mal kommen und das fand ich wirklich top an dem Buch.
Allerdings muss ich wirklich sagen, dass es mir für ein BDSM-Buch irgendwie einfach zu wenig BDSM beinhaltet hat. Irgendwie hatte es so viele Kuschelelemente, dass der wirke BDSM-Teil einfach untergegangen ist, finde ich. Tackett war mir auch einfach oft zu nachsichtig mit Micah - gerade noch, weil das irgendwie paradox ist, da in dem Buch ja häufig erklärt wird, dass Tackett es gerne streng und hart mag. Diesen Eindruck hatte ich durch sein Verhalten leider gar nicht. Irgendwie hieß es dann auch immer, Micah braucht es hart, aber dann hat er das Kuschel doch auch wieder genossen und das hat mich einfach sehr irritiert.
Dann noch etwas: Das ist jetzt einfach Geschmackssache und ich will es auch wirklich nicht verurteilen. Es mag sicher sein, dass es so etwas auch im echten Leben gibt und wer das mag, der soll es tun, aber für mich persönlich ist das irgendwie ein No Go, wenn der Sub den Dom... penetriert. Ich würde das nie in der Beziehung wollen, weil das die Rollenverteilung für mich ins Schwanken bringen würde. Aber ich will es auch nicht kritisieren, weil da sicher jeder eine andere Ansicht hat. Nur vielleicht denkt ja noch wer wie ich und dann möchte ich es halt einfach angesprochen haben.
Leider waren das genau die Sachen, die mich bei den Szenen daran gehindert haben, mich richtig mitreißen zu lassen.
Ich will damit aber nicht sagen, dass die Sexszenen nicht heiß waren, denn das waren sie zweifelsohne trotzdem. Für mich halt leider nur ein wenig zu... soft.
Die Charaktere... Tackett mochte ich eignetlich sehr, bei Micah war ich ein wenig irritiert. Anfangs fand ich einfach, dass er sich nicht wie ein Sub benimmt und konnte mit ihm nicht viel anfangen. Dann wurde es aber in der Geschichte auch thematisiert und irgendwie habe ich dann auch verstanden, dass er das wegen seiner Konzentrationsschwäche nicht anders kann und ab diesem Punkt mochte ich ihn dann auch. Ich finde es halt auch eine großartige Leistung, jemanden mit ADHS darzustellen. Er fällt ja auch nicht aus seiner Rolle heraus und benimmt sich plötzlich gegenteilig oder so - und das finde ich dann doch schon sehr lobenswert an dem Buch.
Natürlich ist das trotzdem etwas verwirrend, wenn ein Sub so gar nicht devot auftritt. Aber mit der Zeit wird er einfach liebenswert und das ist ja das wichtigste.


Altersbeschränkung/Zielgruppe:

Ich denke, man muss bei diesem Buch wirklich das Thema ADHS dahinter sehen, um richtig in die Geschichte finden zu können. Dann kann man einige Elemente eher nachvollziehen und merkt erstmal, wie gelungen es an diesen Stellen ist. Dass es aber für ein BDSM-Buch zu viel Gekuschel und zu wenig richtige Szenen hatte, finde ich aber trotzdem. Es kommt wohl einfach auf euren Geschmack an, ob ihr das Buch nun lesen wollte oder nicht. Ich glaube, es ist schon lesenswert, aber eben nicht das typsiche BDSM-Buch, dass man vielleicht erwartet.

Ich weiß, ich bin nicht 100%ig von dem Buch überzeugt, aber trotzdem hat es mich soweit überzeugt, dass ich mich schlau gemacht und gelesen habe, dass es noch mehr Bände von "Guards of Folsom" gibt und diese ganz unterschiedliche Dinge aus der Szene beleuchten. Und auf diese freue ich mich wirklich. Zumindest hoffe ich darauf und gehe einfach davon aus, dass der Verlag diese Bücher auch noch in sein Sortiment aufnimmt, sonst wäre ich wirklich enttäuscht.
Jules :)

Kommentare:

  1. Interessant, dass Du Dich daran gestört hast „wie rum“ Micah und Tackett Sex hatten. Das ist mir beim Lesen überhaupt nicht aufgefallen. Meiner Meinung nach liegt eine Sub/Dom-Beziehung eher im psychologischen Bereich, so dass dieser eher „technische“ Aspekt gar nicht wichtig sein sollte und ihre Dynamik hat das dann wohl für meinen Geschmack nicht gestört, sonst hätte ich mich daran erinnert. Aber wenn es Dich aus der Stimmung geworfen hat, ist das natürlich doof.

    Ich hatte aber ein anderes Problem mit diesem Buch, nämlich die ADHS und wie Tackett damit umgeht. Denn Tackett hat keine Ahnung, was er da tut mit einem Menschen, der an ADHS erkrankt ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass BDSM-Praktiken geeignet sind, eine Krankheit zu behandeln (dazu hast Du ja auch schon geschrieben, dass man mit einer Sub/Dom-Beziehung natürlich kein ADHS kurieren kann) und dass Tackett tatsächlich so erfolgreich sein könnte, wie das im Buch geschildert wird und das noch in so kurzer Zeit. Außerdem verlangt Tackett, dass Micah sich an Regeln hält, die er dann wieder nicht genau definiert und je nach Bedarf immer ein bisschen variiert. Schafft es Micah nicht, Tacketts zu hoch gesteckten Ansprüchen zu genügen, findet Tackett das heimlich lustig, während Micah am Boden zerstört ist.

    Abgesehen davon fand ich das Buch handwerklich gut geschrieben, die Handlung interessant genug, um dranzubleiben und die sich entwickelnde Beziehung und die Gefühle zwischen den beiden trotz ihrer Unausgewogenheit süß. Und inzwischen habe ich auch den zweiten Band „Tag Team“ gelesen, allerdings auf englisch.

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    1. Hey,

      naja, wie oben gesagt, das ist eben mein persönlicher Geschmack. Ich hab generell nichts dagegen, wenn es keine klaren Rollenverteilungen gibt. Und es stimmt auch, dass es bei BDSM-Paaren sehr viel mehr auf das Psychologische ankommt, als darauf, wer nun aktiv ist. Ich will ja damit nur sagen, dass es für mich in dieser Beziehung einfach nicht geht, weil ich das selbst nicht so will und mir deshalb eben beim Lesen schwer tue. Wenn andere Paare das so handhaben und das bei ihnen das Dom/sub-Gebilde nicht zum Einsturz bringt, ist das ja ganz wunderbar für sie. Für mich selbst würde es jetzt auch nicht gleich mein ganzes Weltbild zerstören, aber es würde etwas an dem ändern, das ich für mich als Grundsatz habe und deshalb mag ich es nicht unbedingt so gerne.

      Ich denke, wenn man als Sub in seiner Rolle aufgeht, kann es gut sein, dass man kurzzeitig wirklich über die Krankheit hinweg Konzentration aufbringen kann. Aber ich zweifle stark, dass die dann von wirklicher Dauer ist oder etwas mit Heilung zu tun hat.
      Vielleicht wurde das im Buch tatsächlich ein bisschen beschönigter dargestellt, als nötig.

      Ich warte ganz gespannt darauf, dass die Übersetzung rauskommt, was ja angeblich bald der Fall sein soll. Ich habe auch schon überlegt, es auf Englisch zu lesen, aber momentan habe ich keine Energie, mich auf Englisch zu konzentrieren.
      Wie ist das Buch denn so? Darf ich mich darauf freuen?

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