Samstag, 10. Oktober 2015

Ein Anfang (Simon Winter)

Hi ihr!

Das heutige Buch nennt sich "Ein Anfang" und stammt von Simon Winter. Es wird frei publiziert und umfasst 377 Seiten. Darin geht es um Tom, der beim Joggen jemanden kennelernt, der ihn vielleicht über seine verlorene Liebe hinwegtrösten kann.


Beschreibung:

Nach dem Tod von Andreas, seiner großen Liebe, fällt Tom in ein tiefes Loch und glaubt nicht mehr an die Liebe. Als er beim Joggen Byarne kennelernt, scheint es endlich wieder einen Lichtblick in seinem Leben zu geben. Aber äußere Umstände und die Tatsache, dass Byarne nicht schwul ist, erschweren die Situation dann doch wieder.

Meine Meinung:

Dieses Buch hat mich wirklich an meine Grenze gebracht. Ich weiß, das klingt jetzt ganz furchtbar, aber es ist einfach so. Ich musste mehrmals pausieren, weil ich es nicht am Stück lesen konnte. Es gab einfach so viel, was mir nicht gefallen hat und so wenig, was ich gut fand, dass ich wirklich nicht mehr weiter wusste.
Es fängt schon beim Stil an. Nicht nur, dass er sehr einfach ist, es werden einfach genau die Fehler gemacht, die mich immer wieder nerven: Offenstichliche Dinge werden erklärt, Unwichtiges ausgeschmückt und allgemein gibt es einfach zu viel Blabla außen rum, was die Geschichte unnötig in die Länge zieht und recht langatmig macht.
An mancher Stelle hatte ich das Gefühl, dass man auf die Wortwahl viel Wert legt, aber dann gibt es wieder andere Stellen, an denen ständig Wortwiederholungen auftauchen, weshalb ich nicht mal da wirklich etwas loben kann.
Zudem gab es manche Dinge, die einfach nicht gehen. Es ist einfach stilistisch nicht schön, wenn in eine wörtliche Rede mit Klammern Gedanken eingefügt werden. Da muss man so viel Schreibegefühl besitzen, dass irgendwie anders zu managen.
Zudem wirkt der Stil manchmal ein wenig drucheinander. Es werden z.B. ständig die Perspektiven gewechselt und auch wenn es einen nicht verwirrt, bringt es irgendwie keinen klaren Linien rein. Und das stört mich.
Dann das große Thema Coming-out und Profifußballer. Ich finde es ja schon enttäuschen, dass davon in der Buchbeschreibung nichts steht. Das ist doch ein wesentliches Element, dass man da ruhig ansprechen kann.
Aber andererseits... auf die Art und Weise, wie damit in dem Buch umgegangen wird, komme ich sowieso nicht klar. Man kann sich einfach nicht hinstellen und so tun, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt, dass ein Profifußballer sich outet. Ich weiß nicht, wo da der Bezug zur Realität sein soll. Es ist eben einfach sehr schwierige, als Profisportler schwul zu sein - und vor allem noch als Profifußballer für einen großen deutschen Verein und die Nationalmannschaft, so wie es im Buch dargestellt wird. Gibt es sowas? Nein! Und das hat auch einen Grund. Sorry, aber da kann mann nicht Gegenteiliges als völlig normal hinstellen.
Die Charaktere finde ich auch schwierig. Mich nervt bei den Nebencharakteren, dass sie sich so starkt in das Leben der Hauptpersonen einmischen. Man kann gute Ratschläge geben oder mal einen Schubs in die richtige Richtung, aber in dem Buch mischen sie sich derartig ein, dass geht einfach gar nicht.
Dann die Hauptcharaktere: Sie gehen beide mit Problem um, wie jemand, der ernsthafte psychische Probleme hat. (zurückziehen, nichts essen, das Bett tagelang nicht verlassen...) Entweder man darf es nicht hinstellen, als hätten beide eine schwere Depression, oder man muss dann im Buch anders damit umgehen.
Es sind auch einfach so viele Kleinigkeiten, die mich den Kopf schütteln lassen. (Outing am Telefon, Oralsex als etwas dargestellt, dass er noch nie erlebt hat, als würde eine Frau das nicht auch können, ständiges Rumheulen, Kitsch...)
Es tut mir so wahnsinnig leid, dass ich so viel Kritik habe und ich weiß, das klingt alles ganz hart und schlimm, aber ich kann es doch nicht ändern. Das Buch hat mich einfach nicht überzeugt.
Vielleicht ist es tröstend, dass es dennoch zwei Dinge gibt, die mir gut gefallen haben:
Einmal gab es eine Szene, in der sie sich quasi an dem Ort versöhnen, an dem alles begann. Das hat etwas sehr symbolisches, was ich der Geschichte nicht mehr zugetraut hätte und das fand ich einfach nur klasse.
Und dann die Szene an Andreas Grab, als Tom diesem von seiner neuen Liebe erzählt. Wirklich rührend, hat mir sogar ein Tränchen entlockt und war eigentlich auch das, was ich mir von dem Buch erhofft hatte.
Schade, dass die guten Sachen so rart gesäht sind, dass man sie an einer Hand abzählen kann. Ich fühle mich wirklich schlecht, dass Buch jetzt so zerreißen zu müssen, aber mich hat es einfach nicht überzeugt.

Altersbeschränkung/Zielgruppe:

Vielleicht stört sich jemand nicht an meinen Kritikpunkten und hat trotzdem Interesse, dann lest nur. Ich will niemanden davon abraten, das ist nicht meine Art. Aber ich kann es auch einfach nicht wirklich jemanden empfehlen, tut mir echt leid.

Ich bin so froh, dass ich das Buch jetzt durch habe und die Rezi geschrieben ist. So etwas ist für mich auch immer nicht leicht. Ich will niemanden vor den Kopf stoßen, in dem ich so stark kritisiere, aber andererseits möchte man ja auch ehrlich sein und mit seiner Kritik vielleicht noch einen Veränderungsprozess im nächsten Buch herbeiführen. Naja...
Jules :)

Kommentare:

  1. Schade, dass dir das Buch nicht so gefallen hat. Eigentlich klingt die Beschreibung ja ganz nett.

    Wortwiederholungen finde ich ja echt furchtbar. Das stört so dermaßen den Lesefluss wie kaum was sonst.

    Hä. Gedanken in der wörtlichen Rede? Wie funktioniert das denn? Wenn ich rede, denke ich doch nicht gleichzeitig. Und wenn, dann denke ich an das, was ich sage. Aber ich denke doch nicht ans Mittagessen, wenn ich über Haustiere spreche...

    Nun ja, an sich finde ich das Thema ansprechend, aber wenn die Umsetzung nicht so doll ist... dafür ist meine Wunschliste definitiv zu lang.

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    1. Das habe ich mir anfangs auch gedacht... :D

      Ja, das ist leider so. Und man denkt sich die ganze Zeit, immer nur das gleiche zu lesen. Das ist so nervig.

      Indem man sie mit Klammern in die wörtliche Rede einfügt... Schreckliche Idee.
      Was man sich dabei gedacht hat, weiß ich nicht. Und wie du sagst: Es ist auch irgendwie unrealistisch.

      Ich würde eher abraten, aber du kannst natürlich auch in einer Leseprobe selbst schauen, ob es dir zusagt....

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    2. Da brauch ich mir die Leseprobe nicht anschauen. Ich weiß auch so, dass es nichts ist :D

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