Samstag, 17. Oktober 2015

Big Blind: Alles im Spiel (Tim Spohn)

Hi!

Das heutige Buch nennt sich "Big Blind: Alles im Spiel" und stammt von Tim Spohn. Es wird frei publiziert und umfasst 236 Seiten. Handeln tut es von David, der sich in seinen neuen Mitbewohner verliebt, der aber leider hetero ist.


Beschreibung:

Als David auf Kai trifft, der nach einer langen Auslandsreise ein WG-Zimmer sucht, kann er sein Glück kaum fassen, so ist er doch damit beauftragt worden, einen neuen Mitbewohner aufzutreiben. Doch während alle anderen sich schnell mit Kai arrangieren, hat David ein ziemliches Problem: Er hat sich wieder besseren Wissens in Kai verknallt und alle Mühe, seine Gefühle für diesen zu unterdrücken. Leider ist das gar nicht so leicht, wie gedacht, vor allem nicht, weil Kai nicht viel davon zu halten scheint, Distanz zu wahren.

Meine Meinung:

Diese Geschichte ist für mich die Überraschung des Monats. Ich hätte nicht erwartet, dass sie mir so gut gefallen würde. Aber in der Tat habe ich an dieser Story eigentlich gar nichts Gravierendes auszusetzen. Ich mochte, dass die Liebesgeschichte darin ohne großes Drama und großen Kitsch auskommt. Es liest sich fast schon wie eine wahre Geschichte, ohne zu viel unrealistisches Blabla drum herum, was mir ja immer sehr zusagt.
Zugegeben, die Sache mit dem Stalker ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber andererseits finde ich das jetzt auch nicht so übertrieben dramatisch, dass man nicht damit leben könnte.
Was mich in dem Buch aber am meisten überzeugt hat, waren die Charaktere: Ich habe nicht erwartet, dass es so viele Nebenfiguren geben könnte, die dann auch noch alle ihren gänzlich eigenen Charakter haben, der sich wirklich durch das ganze Buch durchzieht, seinen Teil zur Geschichte beiträgt und das ganze einfach so schillernd und echt wirken lässt, dass man das Gefühl hat, gerade selbst in der WG zu stehen und das bunte Treiben zu erleben.
Auch hier kann man wieder anmerken, dass es doch ein wenig sehr viele Homosexuelle in dem Buch gibt. Mir hätte es ja mehr gefallen, wenn es auch ein Heteropärchen gegeben hätte. Ich finde es immer ein wenig viel und auch ein wenig unrealistisch, wenn einfach alle schwul oder lesbisch sind.
Ansonsten kann ich aber nichts wirklich meckern, der Stil hat mir sehr gut gefallen, flüssig und schön zu lesen. Die Geschichte ist auch relativ lang und wirkt weder durchgehetzt noch lang gezogen. Tatsächlich mochte ich das Tempo, das in dem Buch vorherrscht, sehr gerne. Es entwickelt sich alles langsam, aber doch authentisch und so, dass man als Leser nicht die Lust verliert.
Auch die Sexszenen haben mir gut gefallen. Viele gibt es nicht, aber die, die es gibt, sind eigentlich auf den Punkt. Soll heißen, sie nehmen nicht so viel Raum in dem Buch ein, um wirklich präsent zu sein, aber meiner Meinung nach sind sie an den richtigen Stellen, im richtigen Ausmaß platziert.
Was ich fast vergessen hätte: Die Nebencharaktere haben auch allesamt ihr eigenes Päckchen zu tragen und ihre Geschichten werden wunderbar mit der der Hauptfiguren verwoben. Und was ich fast noch besser finde: Am Ende lösen sich zwar einige dieser Nebenproblemchen auf, aber einige bleiben auch bestehen und das wirkt auf mich irgendwie viel besser, als so ein gezwungenes, zurechtgebasteltes Happy End, dass gänzlich aus dem Rahmen der Realität fällt. Lest das jetzt aber nicht und denkt dann, das Buch habe ein offenes Ende. Es ist schon wirklich abgeschlossen. Aber ich finde, die Art und Weise, wie es abgeschlossen ist, ist einfach irgendwie glaubwürdiger als ein Friede-Freude-Eierkuchen-Ende.

Altersbeschränkung/Zielgruppe:

Ich wüsste nicht, wem ich davon abraten sollte, weil es mir eben so gut gefallen hat. Für mich ist das einfach ein sehr lensenswertes Buch, in dem nicht alles immer perfekt läuft aber genau deshalb so perfekt ist. Ich bin mir eigentlich recht sicher, dass es den meisten von euch sicher auch sehr gut gefallen wird, deshalb: Kaufen!

Das nervigte am Rezensionsschreiben ist irgendwie, die ganzen Labels zu setzen. Einerseits will ich natürlich, dass ihr die Rezi unter ganz vielen Stichwörtern finden könnt, aber andererseits hält mich das auch immer total auf. Kotzig!
Jules :)

Kommentare:

  1. Das Buch steht ja auch schon ewig auf meiner Wunschliste. Es freut mich, dass es für dich zu einer Monatsüberraschung geworden ist. Da hab ich gleich noch mehr Lust auf das Buch.

    Ich kann mir schon vorstellen, dass man als Homosexuelle(r) auch mehr Kontakt zu anderen Homosexuellen hat und es gibt sicher auch den ein oder anderen, der nur in solchen Kreisen verkehrt, aber mir persönlich gefällt auch eine gesunde Mischung am besten.

    Du hast mir erfolgreich Lust auf das Buch gemacht! Hast du zufällig auch noch Lesezeit über? Wahlweise nehme ich auch Kreativität und Motivation, damit kann ich dann meine Hausarbeiten schreiben und hab die Lesezeit selbst... ;)

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    1. Das freut mich. Ich hoffe, es gefällt dir dann auch gut.

      Ja, das ist vermutlich normal und auch nur richtig, finde ich. Aber wie du sagst, eine gesunde Mischung kommt in Büchern einfach besser an, weil es dann nicht so klischeelastig ist und auch, weil es meiner Meinung nach realistischer ist. Ist doch nur natürlich, dass man als Homosexuelle(er) in der Schule oder auf der Arbeit oder sonst wo auch mit Heteros Kontakt hat. Und warum sollte man sich nicht mit diesen verstehen und eine Freundschaft aufbauen? Ich finde das immer reichlich seltsam, wenn es ausschließlich Homosexuelle sind, die den Freundeskreis ausmachen.

      Momentan brauch ich die leider selbst, aber wenn ich mal was übrig habe, reiche ich es als erstes an dich weiter. ;)

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