Samstag, 27. Juni 2015

SpielFrei: Outing wider Willen (Sophie R. Nikolay)

 Hey ihr Lieben!

Das heutige Buch nennt sich "SpielFrei" von Sophie R. Nikolay und erschien im dead soft Verlag. Auf 200 Seiten geht es um Ben, einen Profifußballer, der eine heimliche Beziehung zu seinem Teamkollegen Stefano pflegt.


Beschreibung:

Ben ist Profi und schwul. Etwas, das nicht zusammen passt und deshalb niemals an die Öffentlichkeit gelangen darf. Als er sich in den neuen Spieler Stefano verliebt und dieser seine Gefühle auch noch erwidert, fangen die Probleme erst an. Plötzlich werden sie bei einem Kuss überrascht und müssen sich nun outen, ehe es irgendwie anders an die Öffentlichkeit gelangt. Aber wie werden die Fans reagieren? Und werden sie überhaupt im Team bleiben dürfen?

Meine Meinung:

Was ich zunächst positiv anmerken möchte, sind die Sportszenen. Ich weiß, das klingt doof, weil es ja auch ein Sportroman ist, aber ich habe es schon häufig gehabt, dass es zwar um Fußball ging, aber keine wirkliche Fußballszene erläutert wurde. Hier sind einige Spiele und auch das Training beschrieben und das hat mich wirklich sehr erfreut.
Ansonsten fand ich die Geschichte im Allgemeinen auch recht gut. Ich mag Coming-out-Geschichten sowieso sehr gerne und wenn sie dann noch so einen bedeutungsvollen Hintergrund haben, umso mehr. Ich weiß, das klingt jetzt recht dramatisch, aber letztlich ist es eben noch immer nicht selbstverständlich, sich im Profisport zu outen. Aber genau das sollte es sein. Hier mochte ich sehr, dass es wirklich alles sehr realistisch beschrieben wird. Man kann sich vorstellen, dass es im wahren Leben ähnlich ablaufen würde. Ich finde es sehr schön, wie vor allem die Anfeindungen und parallel dazu aber auch gleich die Unterstützung geschildert wird und wie diese quasi ineinander spielen. Ich würde fast soweit gehen, zu sagen, dass es ein wenig Mut macht, sich zu solch einem krassen Schritt durchzuringen, obwohl mir natürlich bewusst ist, dass im echten Leben vielleicht kein so gutes Ende findet wie in einem Gay-Romance-Roman.
Mal weg von der Handlung und eher auf den Stil bezogen, kann ich auch nicht viel kritisieren. Das einzige, was ich anmerken muss, ist, dass es relativ schnell geht. Nicht nur, dass sich die Liebesgeschichte sehr schnell entwickelt (erst wollen sie nicht mal Sex haben und dann ist es plötzlich sofort die große Liebe?!), sondern auch der Rest geht relativ flott über die Bühne. Kaum zusammen, werden sie schon erwischt – kaum erwischt, sind sie schon geoutet. Gut, ab dem verhängnisvollen Kuss geht es noch, aber trotzdem hätte ich mir zumindest davor noch das eine oder andere Füllerkapitel gewünscht. Es ist nicht so, dass es kurzweilig oder übereilt geschrieben ist, aber es geht halt trotzdem sehr zügig voran.
Davon abgesehen, kann man am Stil aber nicht viel aussetzen und auch sonst weiß ich nicht viel zu kritisieren. Ich mochte die Charaktere und ich mochte den Plot der Geschichte. Das mit dem Vater von Stefano ist vielleicht ein wenig krass und es wäre wohl auch ohne diese Wendung noch alles Problem genug gewesen, aber ich fand es noch okay.
Was mir sehr gut gefallen hat, waren – wie oben schon genannnt – die sportlichen Aspekte. Ich mochte z.B., wie die Dynamik einer Mannschaft dargestellt wird. Und wie sich das Outing auf die Mannschaft auswirkte. Allen voran hat mir da auch der Trainer sehr gut gefallen, der wirklich die Philosophie vertreten hat, die man sich einfach in der heutigen Zeit wünscht: Solange jemand gut Fußball spielt, sollte seine sexuelle Neigung egal sein.
Doch – und das muss ich leider, leider einfach so sagen –, ein was hat mich wirklich sehr gestört: Das Ende. Ich will es jetzt zu sehr vorwegnehmen, aber ich fand es einfach zu viel und absolut kitschig. Es hätte nicht sein müssen, dass ganze Geschehen zuvor war Statement genug und auch so fand ich es einfach übertrieben.
Dennoch ein gutes Buch, von dem ich mir wünschen würde, es würde tatsächlich Betroffenen Mut machen.

Altersbeschränkung/Zielgruppe:

Wenn man nichts mit Fußball anfangen kann, ist es vielleicht nicht das ideale Buch für einen, andererseits finde ich, dass die Problematik hier gut dargestellt wird und es sicher trotzdem lesenswert sein dürfte. Gay Romance ist ja trotz allem genug enthalten, also ist es schon eine Überlegung wert.

Ach, ich hab einen Faible für Sport in Romanen. Davon sollte es viel, viel mehr geben!
Jules :)

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