Montag, 6. April 2015

Two boys kissing (David Levithan) [E]

Hey ihr Lieben!

Nun gibt es also die versprochene Rezension zu einem englischsprachigen Jugendbuch, dessen Autor ihr vielleicht schon kennt, weil es von ihm auch schon deutschsprachige Bücher gibt. Und zwar geht es um David Levithan und sein Buch „Two boys kissing“. (Ich glaube, das Buch gibt es noch nicht auf Deutsch, ich habe zumindest nichts gefunden. Ist ja aber auch egal.) Es erschien bei Egmont und umfasst 152 Seiten. Darin geht es um Harry und Craig, die einen Weltrekord im Küssen aufstellen wollen und dabei nicht ahnen, wie sie mit dieser Aktion das Leben manch anderer Jungs berühren.

EDIT: Dieses Buch gibt es mittlerweile auch auf Deutsch. Es nennt sich "Two boys kissing - jede Sekunde zählt". Nur falls ihr keine Lust habt, es auf Englisch zu lesen. ;)


Beschreibung:

Nun, wie soll ich anfangen? Dieses Buch beschreibt nicht eine einzelne Geschichte, sondern verschiedene, die auf eine gewisse Art und Weise miteinander verwoben sind. Es geht natürlich um Harry und Craig, die kein Paar sind, aber trotzdem einen Weltrekord im Küssen aufstellen wollen, um ein Zeichen zu setzen. Außerdem geht es um Peter und Neil. Die zwei Jungs sind ein Paar, müssen aber noch herausfinden, ob sie als solches zusammen passen. Avery und Ryan hingegen sind noch kein Paar, aber auf dem besten Weg eines zu werden. Und zuletzt ist da noch Cooper. Er ist alleine und fragt sich, ob die Welt ihm überhaupt noch etwas zu bieten hat.

Meine Meinung:

Als erstes ist mir die großartige Wortwahl aufgefallen, die sich wirklich durch das ganze Buch zieht. Welch unfassbar schöne Sätze, ich könnte das halbe Buch rezitieren, würde ich jetzt damit anfangen, euch Beispiele aufzuzählen, so unglaublich schön geschrieben ist es. Trotzdem wirkt es nicht zu tiefsinnig und ernst, sondern locker-jugendlich. Aber gleichzeitig… ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, es beschreibt einfach das Leben, ohne etwas zu verschönen und ohne etwas zu verheimlichen, aber es zeigt auch gleichzeitig, dass es gut so ist, selbst wenn es eben mal nicht gut ist.
In dieser ganzen wunderschönen Erzählweise ist das Buch auch noch unglaublich emotional. Ich habe mehr als einmal mit meiner Beherrschung kämpfen müssen, weil die Szene so rührend war, habe mitgefühlt und mitgebangt und ja, an der einen oder anderen stelle habe ich auch weinen müssen.
Ein wirklich sehr berührendes Buch, dass nicht zu letzt auch noch für Homosexualität einsteht und versucht, der Menschheit und auch vor allem den Betroffenen klar zu machen, dass nichts falsch ist, an zwei Jungs (oder zwei Mädchen), die sich küssen.
Was mich so fasziniert hat, war die Art, wie dieses Teenager-Dasein beschrieben wird. Es werden wirklich sehr viele Facetten davon gezeigt, von der klassischen ersten Liebe zweier Jugendliche bis zum typischen Einzelgänger, der sich selbst nicht ertragen kann. Das hat mir wirklich imponiert, weil es auch gar nicht überladen wirkt, obwohl so viele verschiedene Charaktere und Situationen zusammenspielen, die auch noch alle so überzeugend und echt wirken, dass man sich echt in seine Jugend zurückversetzt fühlt.
Ich fand dabei wirklich großartig, dass es so authentisch geschrieben ist. Mir erscheint es, dass David Levithan wirklich weiß, was er da erzählt. So, wie er es beschreibt, so ist es auch. Es ist nicht der Versuch, sich als Erwachsener noch mal in einen Teenager versetzen zu wollen oder krampfhaft zu versuchen, sich seiner Jugend wieder zu erinnern, sondern es ist genau so geschrieben, wie man es als Jugendlicher erlebt hat. Ich persönlich kann ich wirklich zugeben, dass ich mich in meine Teenagerzeit zurückversetzt gefühlt habe. Und ich glaube, wenn man es als Teenager versteht, kann man sich sicher damit identifizieren und fühlt sich wirklich verstanden. Das ist so wichtig für ein Jugendbuch und es macht alles kaputt, wenn dem eben nicht so ist.
Gibt es etwas, was ich an dem Buch kritisieren würde? Nun, nicht viel. Nur eines ist mir aufgefallen. Und zwar das Ende. Ich finde nämlich, dass es am Ende doch ein wenig schnell geht, nachdem in dem Buch doch alles recht ausführlich erzählt wurde. Kennt ihr diese Szenen in Filmen, in denen man die letzten Geschehnisse nur noch untermalt von dramatischer Musik sieht, ehe groß und breit „THE END“ eingeblendet wird? Ungefähr so liest sich das Ende. Dabei ist die Stelle, an welcher der Cut gesetzt wird, sehr passend. Die einzelnen Geschichten sind zwar nicht für immer abgeschlossen, aber für den Moment, so dass man nicht denkt, man benötige jetzt noch mehr Infos. Aber es wird zum Ende hin eben leider recht zügig geschrieben (auch dafür, dass man keiner großen Worte mehr bedarf) und das ist ein wenig schade, ruiniert das Buch aber zum Glück nicht.
Im Gegenteil. Wenn ihr mich lassen würdet, würde ich jetzt noch seitenweise von dem Buch schwärmen, aber ich will euch ja nicht langweilen und zuviel vorweg nehmen will erst recht nicht. Außerdem kann ich wohl auch gar nicht in Worte fassen, wie begeistert ich wirklich von diesem Buch bin. Nur so viel sei noch gesagt: ich wollte nicht, dass es endet und ich war unglaublich traurig, als ich es durch hatte. Es ist eines dieser Bücher, von denen man sich wünscht, dass sie nie enden, sondern immer weitergehen, so dass man sich gänzlich in ihnen verlieren kann. Wirklich toll.

Verständlichkeit:

Also ich muss sagen, dass man es wirklich richtig gut versteht. (Ich habe ehrlich gesagt auch nicht viel anderes erwartet, denn warum sollte in einem Jugendbuch die Sprache auch unglaublich kompliziert sein?) Mit meinem Wortschatz kam ich definitiv super durch und wenn ich mal etwas nicht übersetzen konnte, dann konnte ich aus dem Zusammenhang aber meistens trotzdem erahnen, was das Wort wohl bedeutet. Wenn es gar nicht ging, habe ich eben doch nachgeschlagen, aber das war wirklich nicht oft der Fall.
Ich muss zugeben, als ich angefangen habe, war es zunächst ein wenig schwierig. Es ist eben nicht die Muttersprache und man muss erstmal rein finden. Man kann sich nicht sofort total in das Buch vertiefen, weil man am Anfang noch zu sehr parallel übersetzt, bis sich das Gehirn sozusagen dran gewöhnt hat, dass es jetzt auf Englisch umschalten muss. Aber dann habe ich eigentlich kaum noch einen Unterschied zu einem deutschsprachigen Buch gespürt. Wenn ich nicht gerade über ein Wort gestolpert bin, dass ich so gar nicht zuordnen konnte, dann bin ich eigentlich sehr flüssig durchgekommen und habe auch nicht länger gebraucht, als für ein deutschsprachiges Buch.
Ich hätte nie gedacht, dass ich so wahnsinnig viel Spaß dabei haben würde, weil ich es ja doch eher als Pflichterfüllung sah, mal wieder was für mein Englisch zu tun, aber ich wollte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Das lag natürlich auch an dem Buch selbst. Ich habe euch ja oben schon gesagt, wie toll ich es fand, aber ich möchte es auch hier noch mal betonen: Ein sehr mitreißendes Buch, dass meiner Meinung nach perfekt ist, um als „Einstieg“ in englischsprachige Bücher herzuhalten. Sowohl vom Inhalt, als auch von der Sprache selbst her. Wenn es euch auch nur im Entferntesten interessiert und ihr jetzt Lust habt, auch ein englisches Buch zu lesen, dann kauft euch dieses. Es lohnt sich wirklich!

Altersbeschränkung/Zielgruppe:

Nun, der Sinn war es ja, ein Buch zu finden, dass es auch Einsteigern möglich macht, noch irgendetwas zu verstehen. Deswegen habe ich ein Jugendbuch gewählt und wurde nicht enttäuscht. Ich schätze, wenn man im Englischunterricht über die Basics heraus ist, dann kann man das Buch auch schon lesen. (Ich tue mir schwer, es einer Klasse zu zuordnen, weil ich damals erst ab der 5. Klasse Englisch hatte. Heute beginnen ja manche schon im Kindergarten damit und ich habe keine Ahnung, ab wann man das Niveau mittlerweile erreicht hat, dass dafür nötig ist. Aber ein sehr hohes Niveau ist es definitiv nicht.)
Was die Zielgruppe anbelangt: Wer glaubt, zu alt für ein Jugendbuch zu sein, sollte sich vom Gegenteil überzeugen lassen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass man dieses Buch lesen und nicht davon berührt sein kann.
Ansonsten ist es natürlich für Teenager gemacht und ich glaube wirklich, dass man sich in diesem Alter sehr gut mit den Charakteren identifizieren kann und sicher viel Spaß beim Lesen haben wird.
Ich brauche ja nicht noch mal zu wiederholen, wie sehr es mich begeistert hat, deshalb empfehle ich einfach jedem einzelnen von euch, dass Buch zu lesen!

Ich möchte definitiv noch mehr Bücher in Englisch lesen. Es ist einfach etwas anderes, das Original statt der Übersetzung vor sich zu haben. Ich wäre euch dankbar, wenn ihr mir vielleicht auch welche empfehlen könntet. Es müssen nicht zwingend Jugendbücher sein, ich wollte nur einfach mit einem starten. Ich habe schon ein paar Geschichten ins Auge gefasst, die ich gerne noch lesen möchte, als hätte ich auch die Möglichkeit, euch noch mehr englischsprachige Bücher zu rezensieren und werde es wohl auch tun. Trotzdem würde ich gerne wissen, ob es euch überhaupt zugesagt hat. Lasst es mich unbedingt wissen!

Ansonsten hoffe ich einfach, ich habe euch mit der Rezension ein wenig Mut machen können, es auch mal zu probieren. Und wenn ihr es schon probiert habt und wiederholen wollt, dann hoffe ich, dass ihr vielleicht zu diesem Buch greift. Es lohnt sich sicher!

Okay, die Rezension ist trotzdem sehr lang gewordenen, was natürlich auch an meinem ganzen Blabla Drumherum liegt – und daran, dass ich noch auf das Verständnis eingehen musste. Tut mir Leid, dass ihr euch jetzt so viel durchlesen musstet und danke an alle, die sich die Mühe trotzdem gemacht haben.
Frohe Ostern,
Jules :)

Kommentare:

  1. Hey Jules,

    wird mal Zeit das ich diese Rezension lese. Mit David Levithan habe ich bisher nicht soooo gute Erfahrungen gemacht, aber ich hab auch erst eins gelesen und das hat er mit jemandem zusammen geschrieben ;) Es besteht also noch Hoffnung.

    Ich steh auf eine schöne Wortwahl. Da bin ich ja sofort Feuer und Flamme.

    Das mit dem Ende hatte ich auch bei "Dash und Lilys Winterwunder" was ich von dem Autor schon gelesen habe. Da ging es mir auch zu schnell und zudem war es irgendwie unglaubwürdig.

    Kompliziert muss die Sprache in einem Jugendbuch gar nicht sein, es reicht ja, wenn es Jugendsprache ist. Das ist manchmal schon in der eigenen Muttersprache nicht verständlich und dann erst recht nicht in einer Fremdsprache, weil man die Jugendsprache in der Schule nicht unbedingt lernt.

    Das Buch wandert dann auch mal wieder auf die Wunschliste...

    Grüße,
    Julia

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    1. Ich habe bisher auch keine guten Erfahrungen gemacht. "Noahs Kuss" fand ich langweilig und "Will & Will" gehört zu den schlechtesten Büchern, die ich je gelesen habe. xD
      Aber dieses Buch hier hat mich so eingenommen und mitgerissen... hätte ich niemals erwartet.

      Gut, das Ende ist jetzt nicht sooo toll, aber es ist auch nicht kompletter Mist, deswegen kann man darüber wegsehen.

      Ich kann dir sagen, dass in dem Buch auch keine Jugendsprache vorkommt. Man versteht es wirklich gut.

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