Mittwoch, 8. April 2015

Buy local! [K]

Hallo ihr Lieben!

Heute geht es mir um ein Thema, das ja im Moment überall aufzutauchen scheint. Eigentlich wollte ich mich ja enthalten, aber so sehr, wie es manche hypen, muss ich einfach meinen Senf dazu geben. Und zwar geht es um den supertollen Appell „Buy local!“ Ihr merkt schon, ich klinge ein wenig ironisch und das hat auch seinen Grund. Bevor jetzt wieder alle den Kopf schüttelt und mich verurteilen, sei gesagt, dass im Prinzip ja nichts gegen diesen Aufruf spricht. Im Gegenteil: ich bin ja auch der Meinung, man solle Buchläden unterstützen, weil es einfach nichts Schöneres gibt, als eine Anlaufstelle zu haben, zu der man gehen kann, um ausgiebig im Angebot zu stöbern. Und natürlich ist es so, dass das Internet eine riesige Konkurrenz zu den lokalen Buchmärkten bildet und viele – vielleicht berechtigte, vielleicht unberechtigte – Angst haben, dass „richtige“ Buchläden nach und nach aussterben.
Wenn ich sage vielleicht, dann sage ich das nicht unbegründet. Ich kann jetzt nur von mir und meinem Wohnort sprechen, aber wenn ich in unser kleines Städtchen gehe, dann haben wir drei große Buchketten auf engen Raum, die alle IMMER gut besucht sind. Also hier merke ich überhaupt nichts davon, dass die Leute lieber im Internet oder sonst wo kaufen, statt in den lokalen Geschäften. Deswegen finde ich diesen Ausruft auch ein wenig übertrieben. Und nicht nur das, in gewisser Hinsicht ist er sogar recht sinnlos.
Ich weiß nicht genau, was damit erreicht werden soll, aber wenn ich jetzt überlege, dass ich in unserer Stadt einen Buchladen unterstütze, dann unterstütze ich dennoch nur eine große Buchhandelskette. Egal, welchen der Drei ich besuche. Wenn überhaupt, sollte man wirklich die kleinen, privaten Buchgeschäfte unterstützen, die mit den großen Handelskettten noch nichts zu tun haben. Weil die halten sich schon, keine Ahnung, wie man da Angst haben kann, dass sie es nicht tun. Wenn es einen aber wirklich auch um diese Ketten geht, dann weiß ich nicht, worin der Unterschied liegt, ob man jetzt diese jetzt lokal oder im Internet unterstützt. So oder so fließt das Geld in die gleiche Kasse.
Und dann muss man eines auch mal ganz klar sagen: Wo Angebot ist, ist auch Nachfrage. Aber – und da kann ich jetzt wieder nur von unserer kleinen Stadt reden –, hier gibt es zum Beispiel in keinem der drei Geschäfte Gay Romance. Wenn ich also so ein Buch kaufen möchte, muss ich zwangsläufig auf das Internet umsteigen. Gut, ich könnte jetzt auch in die Stadt fahren, das Buch dort bestellen lassen, irgendwann noch mal in die Stadt fahren und es abholen und hätte im Endeffekt eine riesige Schererei, die ich nicht gehabt hätte, wenn ich es einfach im Internet bestellt hätte. Mag sein, dass das manche Leute machen, aber mir ist das einfach zu umständlich. (Ehrlich gesagt finde ich es einen Witz, wenn die Leute einen dazu auffordern, genau das zu tun. Sehe ich aus, als hätte ich unbegrenzt Zeit und Geld?)
Klar, Gay Romance ist ein Genre, dass zwar im Kommen ist, das aber jetzt nicht die gesamte Durchschnittsbevölkerung anspricht. Natürlich wollen die Läden hauptsächlich das anbieten, was die große Masse bevorzugt. Aber letztlich nützt es mir dann nichts, wenn ich „local“ kaufen möchte und dann nichts bekomme. Mal von dem Genre abgesehen, sehe ich es ja bei unserer Mangaabteilung. Nur eins der drei Geschäfte führt überhaupt Mangas und das auch nur in einem winzigen Regal. Wenn ich einen aktuellen kaufen möchte, funktioniert das wunderbar, aber etwas ältere bekomme ich dort schon nicht mehr. Dann kann ich natürlich wieder dort bestellen und den Weg doppelt fahren – kostet mich am Ende mehr, als wenn ich ihn einfach online bestelle. Gut, manche Märkte bestellen ihn dir und lassen ihn dir gleich nach Hause liefern – aber auch dafür muss ich nicht extra in die Stadt. Dann kann ich auch auf der zugehörigen Plattform bestellen und es kommt aufs Gleiche raus.
Manchmal ist das, was so schön gehypt wird, einfach absolut umständlich.
Ebenso verhält es sich mit den eBooks – ich weiß nicht, in wie weit man sich die eBooks in unseren Läden herunterladen kann, weil ich keinen Tolino sondern einen bösen, bösen Kindle vom bösen, bösen Marktführer Amazon habe, aber wozu sollte ich extra in die Stadt, wenn ich mir ein eBook auch einfach aus dem Store runterladen kann? Irgendwo muss man ja auch mal ein wenig in der Realität verbleiben, oder?
Und wo ich gerade so schön dabei bin: Was ist mit den frei publizierten Werken? Habt ihr schon mal ein frei publiziertes Werk in einem Bücherladen bei euch gesehen? Ich nicht! Alle wollen immer die freien Autoren unterstützen, aber gleichzeitig nur lokal kaufen. Wird schlecht möglich sein. Davon ab, dass viele ja nur eBooks raus bringen, die man dann auch wieder nicht lokal kaufen kann…
Seht ihr, wie sinnlos das ist, jeden zu verurteilen, weil er vielleicht mehr im Internet bestellt als in den lokalen Buchläden kauft? Ich oute mich jetzt mal – als hätte man es sicht nicht schon ahnen können – als Internetkäufer. Wenn ich gerade in der Stadt bin, dann schaue ich IMMER im Buchladen vorbei, wenn ich dort etwas finde, kaufe ich es auch da und neu raus gekommene Mangas hole ich mir auch immer im Laden direkt. Aber ansonsten bestelle ich im Internet. Weil ich nicht erst 10km in die Stadt fahre, nur um dann festzustellen, dass sie das, was ich haben möchte, sowieso nicht haben. Das ist doch vergeudete Lebensmühe. Vielleicht solltet ihr euch darüber mal klar werden, ehe ihr die ganze Zeit herumschreit „Buy local! Buy local!“
Also, um mich mal wieder zu beruhigen und nicht allzu bösartig zu werden: Wenn man etwas lokal kaufen kann, ist das gut und schön und dann sollte man es auch tun. Wenn man ein kleines Geschäft statt einer großen Ladenkette unterstützen kann, sollte man es erst recht tun. Aber man sollte sich auch bewusst machen, dass es manchmal einfach sinnvoller ist, seinen Kauf im Internet zu tätigen. Ich kann nicht wahllos alles immer gleich verteufeln, weil sich irgendwo ein neuer Trend abzeichnet, ohne vorher mal ein wenig darüber nachzudenken. Es wohnen ja auch nicht alle in einer Großstadt, wo all dies einfach möglich ist. Manche wohnen am Arsch der Welt und haben gar keinen Buchladen in ihrer Nähe, andere – wie ich –, bekommen dort einfach nicht alles. Das macht uns aber auch nicht zu schlechten Menschen, die böse Großkonzerne wie Amazon mutwillig unterstützen. Wir haben halt einfach keine andere Wahl. Oder anders gesagt: Wir haben vielleicht auch noch eine andere Wahl, aber die ist eben mit sehr vielen Umständen verknüpft, die sich von euch wahrscheinlich auch nicht alle machen würden.

Jules :)

Kommentare:

  1. Zuerst mal: Ich mache nicht jeden Trend oder -Aufruf- mit, der hochgelobt wird. Das lässt mich mißtrauisch werden. Denn nicht alles davon, kann ich für mich selbst "gebrauchen"
    Buchläden sind okay. Auch das große A. Ich nehme beide, wie sie sind. Mit beiden kann ich etwas anfangen. ABER, alles zu seiner Zeit.
    Will ich in einen Buchladen, bringe ich Zeit mit. Hinein und Hinaushuschen, muss ich nicht haben. Wenn, dann genieße ich die besondere Stimmung dort. (Ja, das hat sie durchaus für mich)
    Bestelle ich online, weiß ich schon ungefähr, wie sich das Buch anfühlt. Ganz gemütlich, bei einer Tasse Kaffee wird es dann bestellt.
    Ohne Stress und Hektik.
    Buchläden haben durchaus ihre Existenzberechtigung. Sie sterben hoffentlich nie aus. Weil das gedruckte Buch eben etwas Besonderes ist.
    ABER ich gehe dorthin, wenn ich Zeit, Lust und Laune dazu habe. Und nicht, weil mir irgendjemand suggerieren möchte, doch bitte, bitte, an -by local- zu denken.
    Und ja, wie du sagst, es ist nicht so einfach, dort das zu bekommen, was man gerne oder vorwiegend liest.
    Da macht man es dem Kunden doch ziemlich schwer.
    Bestimmte Bücher sind nicht (immer/nicht unbedingt/selten) im Buchladen zu finden. Warum? Vielleicht weil es die Moral des Kunden, der es -rein zufällig- natürlich in die Hand bekommt, doch empfindlich stört? Und der selbe Kunde eine halbe Stunde mit hochrotem Kopf im Buch blättert? Oder, kommt mir der Gedanke, es dieses Genre ja offiziell nicht gibt? Ach ja, die Mitarbeiter könnten sich bestimmt auch peinlich berührt fühlen...
    (selbst erlebt, als ich ein Buch bestellte...)
    Wie auch immer, wenn online bestelle, ist es bequem für mich. Und nein, ein schlechtes Gewissen habe ich dabei nicht!

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  2. Ich gebe dir Recht. In Buchläden herrscht eine gewisse Stimmung, die ich auch sehr genieße, wenn ich dort bin. Es geht auch nichts darüber, mal ausgiebig zu stöbern. Allerdings sollte man es einfach tun, weil man es eben gerne magt und nicht, weil sich irgendwo so ein sinnloser Trend abzeichnet.
    Und ich sehe daran auch nicht wirklich etwas schlechtes, im Internet zu kaufen und finde es unmöglich, wenn man so einen "Buy local"-Aufruf startet und dann Leute anfeindet, die vielleicht auch Gegenargumente aufzeigen können.
    Es mag gut sein, dass es diverse Gründe gibt, warum manche Bücher nicht im Buchladen stehen. Aber genau das ist einer der Gründe, warum man oft auf das Internet angewiesen ist. Dann bin doch aber nicht ich engstirnig, weil ich nicht in den Laden renne, sondern die Leute, wegen denen der Laden das Buch nicht führt...

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  3. Was für ein interessantes Thema. Da kann man ja wieder stundenlang das für und wieder bequatschen.

    "Ich kann jetzt nur von mir und meinem Wohnort sprechen, aber wenn ich in unser kleines Städtchen gehe, dann haben wir drei große Buchketten auf engen Raum, die alle IMMER gut besucht sind. "
    Hier liegt der Punkt aber in dem Wort "Kette". Ist ja schön und gut wenn z.B Thalia, Weltbild und die Mayersche gut besucht sind, davon hat aber der unabhängige Buchhändler Müller zwei Straßen weiter nichts. An diesem Punkt kann man dann die nächste Diskussion starten. Ist es egal ob man bei Mayersche kauft oder bei Müller, hauptsache nicht im Internet? Oder ist Müller besser als Mayersche, weil Müller klein und unabhängig ist?

    Ach, ich sollte mir mal angewöhnen erst den ganzen Artikel zu lesen und dann zu schreiben. Du sprichst es ja selbst an. Sorry ;)

    Was diese.... "Nischenlektüre" im weitesten Sinn angeht, gebe ich dir schon Recht. Das ist häufig sehr umständlich. Bei mir ist das zumindest zuhause nicht so, weil ich oft von meiner Mutter was bestellen lasse, da sie häufig in der Mittagspause in der Stadt ist oder nach der Arbeit. Außerdem ist einer der zweieinhalb Buchläden bei uns ein Mandant von ihr, sodass sie eh öfter dort ist. Ich muss dann das Buch oft nur abholen, was mir aber nichts macht, da ich eh nur in den Semestererien da bin und Zeit hab und es nur fünf Minuten mit dem Rad in die Stadt sind.

    Am schlimmsten finde ich es ja, wenn man in den Laden rennt und sich beraten lässt, egal ob es nun Klamotten, Elektronik oder Haushältsgeräte sind und dann für fünf Euro weniger im Internet kauft. Das finde ich richtig blöd. Klar, für manche sind die 5€ viel Geld, das ist okay. Aber im Normalfall kann man sich die fünf Euro schon leisten und dann finde es blöd einen kostenlosen Service in Anspruch zu nehmen und dann im Internet zu kaufen. Am besten beschwert man sich dann hinterher noch, dass die Stadt so herunter gekommen aussieht und alle Läden dicht machen und man ja im Internet kaufen muss, weil zuhause gibts ja nix mehr.

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    1. Haha, ja das habe ich selbst angesprochen. Das ist quasi das nächste. Einen kleinen privaten Buchladen gibt es bei uns gar nicht. Wenn, unterstützte ich also immer eine Kette. Und gerade dann ist es doch eigentlich egal, ob ich das via Internet tue oder ob ich in die Stadt wusel.

      Ich denke, es ist auch eine gute Sache, etwas zu bestellen, wenn man eh öfter hinkommt. Warum sollte man diesen Service dann nicht nutzen.
      Ich habe halt wirklich dieses umständliche Hinfahren - bestellen - drei Tage warten - wie der hinfahren - abholen.
      Und bei 30km geht das auch aufs Geld. Deswegen lass ich es einfach bleiben.

      Das finde ich auch blöd. Ich gehe ja gerne in einen Buchladen und wenn mir dort etwas zusagt, kaufe ich es auch dort. Schon alleine, weil ich es gleich haben will. xD
      Natürlich kann ich verstehen, dass bei manchen Leuten das Geld extrem knapp sitzt. Also sollte ich da gar nicht urteilen. Aber trotzdem gehört es sich irgendwie nicht, da geb ich dir Recht.

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  4. Ave,

    erstmal stimme ich deinem Beitrag völlig zu - gerade für uns Landeier wäre das Suchen nach Buch XY in einer nahegelegenen Buchhandlung eine Art Glücksspiel.

    Um der Diskussion aber noch einen Aspekt hinzuzufügen, möchte ich mal ein Beispiel nennen, bei dem der nächste Mangaladen eine womöglich einfachere Methode als das Internet darstellt:
    Mein Freund hat sich vor ein paar Monaten die komplette Mangareihe zu Hellsing zugelegt. Hierbei ist es aber so, dass der vierte und der sechste Band des Mangas zwar verkauft werden dürfen, allerdings im Laden nicht im Regal stehen sondern nur auf Nachfrage und nach Alterskontrolle an der Ladentheke ausgegeben werden dürfen.

    Im Internet sollte es eigentlich so sein, dass die entsprechenden Bände (bei Shops in Deutschland) erst nach entsprechender Altersverifikation für die Kunden angezeigt werden (und bei Shops im Ausland) nur nach Altersverifikation nach Deutschland verschickt werden dürfen. Klar, wer sowieso andauernd Altersverifikationen macht, dem macht das nichts aus, aber eben in einem guten Mangaladen (den es hier glücklicherweise gibt) vorbeischauen, nachfragen und den Ausweis hinhalten, kann da auch die bequemere Alternative sein.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Seitenfetzer

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    1. Hey,

      ja, da stimmt. Es gibt sicher gewisse Fälle, in denen es einfach bequemer oder simpler ist, im Laden etwas zu bestellen/zu kaufen.

      Letztes Jahr ist mir etwas passiert, mit dem hätte ich nie gerechnet:
      Ich habe noch einem alten Manga gesucht. Band 2 gab es noch überall zu kaufen, aber von Band 1 gab es keine aktuellen Auflagen mehr und du hast ihn nur megateuer im Internet gefunden. Die Leute haben natürlich gecheckt, dass der zum Sammlerstück wird und haben ihn selbst gebraucht noch für unverschämt viel Geld reingestellt. Wahrscheinlich hätte ich nach einigen Überlegungen sogar so viel Geld ausgegeben, weil ich ihn wirklich unbedingt haben wollte.
      Dann war ich in Köln und schon in der ersten Buchhandlung, in der wir waren, gab es einfach mal Band 1 für den ganz normalen Preis. Ich habe gedacht, ich sehe nicht richtig.
      Wahrscheinlich war es Zufall, dass sie den noch auf Lager hatten, aber trotzdem: Hier hat es sich echt gelohnt, im Laden nachzusehen statt im Internet zu kaufen.

      Grüße

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