Mittwoch, 25. März 2015

Von Muskeln und Makellosigkeiten [K]

Hallo meine Lieben!

Heute geht es mir etwas, was mir in letzter Zeit immer wieder begegnet ist und wovon ich schlicht und einfach begeistert bin. Wie ihr dem Titel ja schon entnehmen könnt, geht es um die Äußerlichkeiten von Protagonisten. Nicht nur im Gay Romance Genre, auch wenn ich mich natürlich für den Blog allein darauf beziehen werde. Aber natürlich gilt was ich sage ebenso für andere Bücher.
Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich selbst es auch mag, wenn mir ein bildhübscher, vielleicht noch athletischer Protagonist vor die Nase gesetzt wird. Ich muss mir oder euch da nicht viel vor machen, so was erfreut mein Kopfkino einfach und wahrscheinlich seid ihr da nicht besser wie ich. Aber manchmal frage ich mich, ob das wirklich nötig ist. Man kann eine Geschichte doch auch fabelhaft finden, wenn der Charakter nicht supersexy ist, oder? Ich meine, wer ist denn schon perfekt? In der Realität gibt es solche Leute doch auch nicht und das ist ja auch nur gut so. Wenn wir ehrlich zu uns sind, macht doch genau das den Zauber aus. Wir lieben einen Menschen doch nicht wegen seiner Perfektion, sondern wegen seiner kleinen (und großen) Fehler. Ist es nicht vielleicht gerade der niedliche Bauchansatz oder die kleine Zahnlücke, die jemanden attraktiv machen? Und warum überhaupt all die Oberflächlichkeit – ist der Charakter, die Persönlichkeit nicht wesentlich bedeutungsvoller?
Und warum sollte wir in Büchern nicht auch mal ganz normale Menschen und keine Halbgötter vor die Nase gesetzt bekommen. Was macht es denn aus, wenn der Protagonist ein paar Pickel hat, oder zu dick oder zu dünn ist. Das macht das Ganze doch nur realistischer. Und es tut der Sache keinen Abbruch. Im Gegenteil. Man kann sich vielleicht eher mit der Figur identifizieren. Und nicht nur das: Es stärkt ja unser Selbstbewusstsein viel mehr, wenn da einer ist, der aussieht wie wir und der trotzdem sein Liebesglück findet. Viele zweifeln gerade wegen ihrem Äußeren und schließen sich deshalb selbst von der Welt aus, da ist es doch umso wichtiger, ihnen zu zeigen, dass man auch trotz seiner Makel – oder vielleicht auch genau wegen seiner Makel – geliebt und akzeptiert wird.
Ich finde das gerade in Jugendbüchern wichtig. So ein Buch soll schließlich dazu dienen, Jugendliche durch ihre „schwierige Phase“ zu begleiten. Aber auch in „normalen“ Romanen sollten solche Figuren viel mehr Platz bekommen.
Und wenn man sich einmal hinsetzt und eine solche Geschichte lies, dann wird man merken, dass all die Oberflächlichkeit gar nicht wichtig ist und weiterhin nur der Inhalt und der Stil der Story eine Bedeutung haben. Davon ab, dass ein Buch, dass von Menschen handelt, die aus irgendwelchen Gründen sich selbst für nicht liebenswert halten, oft sehr viel tiefsinniger ist. Darin punktet niemand zuerst mit seinen Muskeln und erst später mit seinem Charakter – darin geht es von Anfang an um den Menschen selbst.
Ich finde, wir sollten solchen Geschichten gegenüber viel offener sein und es sollte viel mehr Autoren geben, die sich an solche Protagonisten heran wagen. Niemals kann es eine Geschichte kaputt machen, sich dafür zu entscheiden. Ich persönlich finde ja sogar, dass das Buch wertvoller macht. Tiefgründiger. Echter. Es ist dann nicht einfach nur eine Geschichte, es ist ein Stück weit das wahre Leben. Und wenn das keine schöne Abwechslung zum Großteil der Romane in diesem Genre ist, dann weiß ich auch nicht.
Ich möchte jetzt aber wirklich nicht sagen, dass alle anderen Geschichten nur oberflächlich oder erfunden sind. Und schon gar nicht, dass sie schlechter sind. Ich lese sie ja auch weiterhin mit Begeisterung. Ich möchte nur sagen, dass man auch Geschichten, in denen Makellosigkeit nicht vorkommt, offen gegenüber treten sollte. Dabei kann man nur gewinnen.
Rezensionen zu Büchern, die Protagonisten, die von der Norm abweichen, thematisieren, findet ihr hier unter dem Label Makel.

Jules :)

Kommentare:

  1. Ich glaube, die Frage die man sich stellen muss ist einfach: Macht das Sinn?

    In 99% aller Bücher gehen die Leute ja auch nicht aufs Klo. Warum nicht? Weils für die Handlung in der Regel überflüssig ist, ob der Protagonisten mal muss oder nicht.

    Solche Gedanken habe ich auch ein wenig bei der Makellosigkeit. Wenn man eben einen Thriller liest, spielt es doch keine Rolle ob der ermittelnde Kommissar einen Bauchansatz hat oder nicht, ob er eine Zahnlücke hat oder nicht, ob er makellos aussieht oder nicht.
    Wenn es wie in deinen Beispielen tatsächlich um das Aussehen und die Unperfektion (heißt das so? egal, du weiß was ich meine) geht, ist das natürlich was anderes. Aber wenn die ganze Handlung auf was anderes ausgelegt ist als eine Geschichte darüber zu schreiben, ob der Charakter zählt oder nicht, dann muss man sich nicht die Mühe machen unperfekte Charaktere zu erfinden. Äußerlich unperfekt. Das stört dann eher fast, finde ich.
    Genauso wie ich nicht lesen will, dass ein Protagonist aufs Klo geht (es sei denn er wird dort überfallen oder was anderes wichtigs passiert) will ich dann auch nicht lesen, dass er/sie Haarausfall hat, wenns nicht relevant ist.

    Aber ganz grundsätzlich: Ja, man sollte mehr über "normale" Menschen schreiben ;)

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    1. Naja, ich würde sagen, es kommt schon auf die Geschichte an. Ich meine, bei deinem Kommissar-Beispiel ist das wohl wirklich irrelevant.
      Und wenn es, wie in den oben genannten Büchern, totales Thema ist, ist es eh klar, dass der Charakter unperfekt ist.
      Aber ich meine z.B. so ganz normale Liebesromae. Ich meine, der Charakter sollte jetzt nicht potthässlich sein, aber warum muss er immer extrem perfekt sein? Im Prinzip ist es immer das gleiche: Der Top ist immer total durchtraineirt. Er kann doch auch einfach definiert sein. Oder einfach schlank und das wars. (er muss ja nicht gleich fett sein) Und der Bottom... Warum muss das fast immer so ein typischer Twink mit superblauen Augen und megablonden Haaren sein? Warum kann er nicht mal normale graue Augen und dunkelblonde Haare haben? Und muss er immer mega schlank sein, dass man schon alle Rippen sieht? Wir sind doch nicht bei Germanys Next Topmodel. Es reicht doch, wenn er einfach normal schlank ist. Das sind so Sachen, das könnte man auch einfach ein wenig realistischer gestalten.
      Und das sind dann eben auch diese ganz "normalen" Menschen.

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    2. Es klingt aber blöd wenn der eine Protagonisten vom anderen schwärmt und dann heißt es: Er war so sexy. Sein Bauch war nicht durchtrainiert, sondern einfach schlank. Er hatte normale glatte Haare, nicht diese klischeehafte Out of Bed Frisur....

      Das will ja auch kein Mensch lesen. Es liest sich mit "durchtrainiert" und Haaren, die aussehen als hätte er keine Sekunde Zeit an der Frisur verschwendet, besser.

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    3. Wenn man es so schreibt, klingt es klar blöd. Aber wenn mans einfach in ein hübsches Licht rückt, dann kann man das sicher auch so schreiben.

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