Samstag, 14. März 2015

Das späte Geständnis des Tristan Sadler (John Boyne)

Hallo!

Heute gibt es mal ein wenig ein ernsteres Buch. Und zwar nennt es sich "Das späte Geständnis des Tristan Sadlers", wurde von John Boyne verfasst, erschien bei Piper und umfasst 336 Seiten.
Handeln tut es von Tristan Sadler, welcher der Schwester seines toten Kameraden Will ein Schuldgeständnis machen möchte.



Beschreibung:

Tristan Sadler war im Krieg und wieder zurück, macht er es sich zur Aufgabe, Marian, die Schwester seines toten Kameraden Will - und seiner großen Liebe - zu besuchen. Ihr möchte er die Brief zurückgeben, die sie in der Zeit an der Front an Will geschrieben hat und Tristan nach dessen Tod aufbewahrt hat. Doch das ist nicht alles: Er will Marian erklären, wie mutig Will war, dass er zu seiner folgenschweren Entscheidung stand, die ihn das Leben und seiner Familie ihr Ansehen kostete. Am wichtigsten jedoch ist, dass Marian die Wahrheit erfährt, über die große Schuld, die Tristan seit Wills Tod mit sich trägt.

Meine Meinung:

Puh, ich weiß nicht, was ich eigentlich sagen soll, so viele Gedanken schießen mir bei diesem Buch durch den Kopf. Ich kann euch versichern, dass es mich, wie selten ein anderes, tief berührt hat. Ganz abgesehen davon, dass es ein großartiger Schreibstil ist, welcher das Buch vom ersten bis zum letzten Wort spannend und fesselnd macht, ist auch der Inhalt unglaublich interessant und vor allem ergreifend.
Wenn man mich fragen würde, um was es in dem Buch geht, könnte ich es gar nicht in einem Satz zusammen fassen. Vorrangig geht es wohl um Schuld und - wie es auch auf dem Buchrücken heißt - um das Leben mit der Schuld. Tristan hat eine Bürde mit sich zu tragen, die ihm keiner abnehmen kann und die er sich niemals verzeihen wird. In dem Buch wird schnell klar, wie ihm die Schuld zerfrisst und bis zur letzten Seite spürt man als Leser den Selbsthass, den er in sich selbst trägt. Er zeigt sich in jeder seiner Handlungen und darin, dass er sich sein ganzes Leben lang selbst mit seinen Erinnerungen bestraft.
Aber natürlich wird auch viel aus der Zeit des Krieges erzählt und man bekommt eine Vorstellung dessen, was der Krieg aus Menschen macht. Es handelt von der Angst, während und nach dem Kampf und der Frage, ob Kämpfen überhaupt je einen Sinn haben kann. Überhaupt wird oft die Frage nach dem richtig und falsch in dem Buch diskutiert, ohne aber je zu einer Antwort kommen zu können. Die ganzen Kriegsszenarien und die Selbstschutzmechanismen, die Soldaten teilweise entwickeln, haben mich stark beeindruckt - und damit auch Wills Entscheidung, die einfach nur mutig war.
Klar handelt das Buch aber auch von Liebe zwischen Männern, die zu der damligen Zeit undenkbar war. Ich finde es unglaublich intensiv, wie hier die Liebe und die Verzweiflung, nicht lieben zu dürfen, ineinander spielen und letztlich zu dem tragischen Ende führen, von dem das Buch handelt. Es ist erstaunlich, wie schnell Liebe in Hass umschlagen kann, wenn der eigene Stolz angekratzt ist - aber wirklich eindrucksvoll ist, dass gezeigt wird, dass man keinerlei Befriedigung dadurch erfährt, seinem Hass nachzugeben. Im Gegenteil.
Außerdem zeigt es, wie stark damals noch der gesellschaftliche Druck war und wie unmöglich es für ein gleichgeschlechtliches Paar war, zu ihrer Liebe zu stehen.  Die Zeitung "Die Welt" spricht von gesellschaftlicher Borniertheit und ich finde, das trifft es tatsächlich am besten.
Ich versuche gerade, euch zu vermitteln, wie tiefsinnig dieses Buch ist und werde ihm doch nicht gerechet. Deshalb kann ich jedem nur wärmstens ans Herz legen, es selbst zu lesen. Man kann es nicht bereuen.

Altersbeschränkung/Zielgruppe:

Vielleicht ist das Buch aufgrund seiner Tiefsinnigkeit und Thematik nichts für Jugendliche, aber ich bin dennoch der Meinung, dass es jeder Lesen sollte. Und für höhere Klassen eignet es sich meiner Meinung nach auch großartig als Schullektüre - das hatten wir auch schon lange nicht mehr!
Ansosnten hoffe ich einfach, dass ihr zu diesem Buch greift. Es ist keine klassiche Liebesgeschichte mit Happy End, aber es ist so viel mehr, dass man es gelesen haben muss.

Mich beeindrucken Bücher ja selten so stark, aber das hier war eine Punktlandung. Ich würde euch gerne fragen, ob ihr ein Buch aus dem Gay Romance Genre kennt, dass vielleicht ähnlich tiefgründig ist, aber ich fürchte fast, manche Bücher sind einfach einmalig.
Jules :)

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