Mittwoch, 14. Januar 2015

Wie viel Kitsch ist noch okay? [K]

Hey ihr Lieben!

Es gibt eine Sache an Büchern, die ich – und viele, viele andere da draußen – wohl auf den Tod nicht ausstehen können: Kitsch. Neulich kam es wieder zu einer meiner schlimmsten Befürchtungen: Ein Buch, welches allein schon aufgrund des Titel förmlich danach schrie, schnulzig zu sein, entpuppte sich als eben das. Aber obwohl ich so etwas gar nicht mag, fand ich es bei diesem Buch gar nicht so schlimm und ich schätze, das lag daran, dass sich manche Nuancen einer kitschigen Szene eben doch noch ertragen lassen. Wenn man also etwas gegen Kitsch einzuwenden hat, sollte man sich wohl nicht die Fragen stellen, ob in dem Buch Kitsch enthalten sein könnte – sondern wie viel.
Natürlich ist das eine rein subjektive Sache. Es gibt sicherlich sehr viele Leute, die auf den totalen Kitsch stehen. Vor einiger Zeit hatte ich eine etwas hitzige Diskussion darüber, was man nun noch als solchen bezeichnen kann und was nicht und dabei fiel der Satz, Männer würden wohl weniger Kitsch vertragen, als Frauen. Aber ganz ehrlich? Ich halte das für absoluten Blödsinn! Ich habe so viele Frauen in meinem Bekanntenkreis und den meisten von ihnen kann man mit Kitsch genauso viel Angst machen, wie mir selbst auch. Gleichzeitig gibt es sicher Männer, die (heimlich) auf Kitsch stehen. Zugegeben, eine Zeit lang habe ich selbst in solchen Schubladen gedacht. Aber mittlerweile weiß ich es eben einfach besser. Und ich weiß, dass man Kitsch nicht wirklich definieren kann. Für manche ist es kitschig, wenn auf 200 Seiten 100 Liebeserklärungen fallen, andere finden es übertrieben, wenn beim ersten Date die besagten drei Worte fallen und bei manchen schrillen die Alarmglocken, sobald ein Heiratsantrag im Spiel ist. Ich würde sagen, ich gehöre zu allen drei Varianten und noch zu vielen mehr. Ich habe nichts gegen Romantik, ich lese gerne romantische Szenen. Aber sobald der Hauch einer Übertreibung da ist, stellen sich mir sofort die Nackenhaare auf. Natürlich bilde ich damit wohl ein Extrem, aber da werde ich nicht der einzige sein.
Was ich aber eigentlich sagen will: Man muss Kitsch nicht immer gleich absolut kritisieren, denn in feinen Nuancen ist es doch eigentlich ganz romantisch. Außerdem ist die Empfindung von Kitsch rein subjektiv und was für den einen zu viel ist, kann für den anderen genau richtig sein. Tatsächlich muss man sich wohl auch überlegen, dass manche Bücher – die vor Kitsch nur so überquillen –, auch ihre Zielgruppe haben. Es wird immer Leute geben, die auf genau das abfahren und das Buch lieben werden. Vielleicht hat es schon allein deshalb eine wirkliche Daseinsberechtigung. Denn auch solchen Leuten muss man doch eine Anlaufstelle an Storys bieten, nicht?
Zumal es ja auch ein wenig vom Genre abhängt, ob Kitsch etwas in dem Buch zu suchen hat, oder nicht. Ich glaube, wenn man z.B. ein Buch aus dem Erotikbereich liest, dann passen all zu schnulzige Szenen da einfach nicht hin, wohingegen z.B. ein Jugendbuch durchaus auch mal kitschig sein darf. Immerhin sind die Hauptzielgruppe dieser Bücher pubertierende Jugendliche, die noch darauf warten, dass ihr Prinz auf einem Schimmel angeritten kommt.
Ich will mit meinem Blabla also nicht sagen, dass wir in Zukunft alle darauf verzichten sollten, Kitsch zu kritisieren. Ich werde es ja selbst weiterhin tun. Aber vielleicht sollten wir dabei alle klar stellen, was genau wir an der Geschichte als kitschig empfanden, so dass die Leute, die unsere Rezension lesen, sich selbst ein Urteil schaffen können, ob es für sie noch erträglicher Kitsch ist oder nicht.

Jules :)

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