Mittwoch, 28. Januar 2015

3, 2, 1 - Schwul! [K]

Hey Leute!

Ich muss das jetzt hier mal loswerden, weil ich neulich eine ziemliche krasse Diskussion mit jemand darüber hatte und einfach nicht verstehen kann, wie realitätsfern und einfältig manche Leute sind. Natürlich hat das auch etwas mit dem Blog zu tun, immerhin kommt es in vielen Büchern zu solchen Wandlungen und manchmal scheinen die Leute nicht zu kapieren, dass ein Buch eben eine Geschichte erzählt – und nicht immer die Realität.
Um was es geht? Um die Annahme, dass man als Homosexueller sofort weiß, dass man schwul ist und damit dann auch überhaupt keine Probleme hat, sondern es einfach so in die Welt hinausschreit. Ständig les ich in Kommentaren zu Büchern, die sich der Selbstfindung langsam annähern, dass es zu langsam geht oder unrealistisch ist. Und so langsam reicht es mir. Nur um es mal klar zu stellen: Das ist nicht unrealistisch, sondern die einzige REALISTISCHE Herangehensweise.
Natürlich gibt es Jungs, die jetzt merken, dass sie Männer besser finden als Frauen, das in Ordnung finden, es allen ihren Freunden und Verwandten sagen und im besten Fall damit dann auch noch überall akzeptiert werden. Wäre ja auch wahnsinnig traurig, wenn es diese Fälle nicht gäbe. Wir leben immerhin im 21. Jahrhundert, da sollte das eigentlich kein Thema mehr sein. Eigentlich. Tatsächlich ist es aber noch Thema und deswegen geht es eben nicht bei allen so einfach und schnell und romantisch, wie es einen in so vielen homoerotischen Geschichten weiß gemacht wird.
Viele merken erst, dass sie Männer mehr mögen als Frauen, wenn sie schon über 50 sind, verheiratet und Vater von drei Kindern. Glaubt ihr ernsthaft, da ist es noch so leicht, sich zu outen? Oder denkt ihr, wenn man in einem homophoben Haushalt aufgewachsen ist, schmeißen die Eltern eine Coming-out-Party für ihren Sohn und wandeln sich von jetzt auf gleich in tolerante Engelchen, nur weil man auf Wolken schwebend in das Wohnzimmer stürmt und brüllte „Ich bin schwul! Juhu!“? In welcher Welt lebt ihr denn alle?
Selbst wenn man eigentlich ein tolerantes Umfeld hat, kann es für einen selbst einfach total schwer sein, es sich einzugestehen. Vielleicht, weil man eigentlich von einer Familie geträumt hat oder geglaubt hat, man wäre wirklich in dieses hübsche Mädchen in der Parallelklasse verliebt gewesen. Es gibt so viele Jungs, die erst noch 100x mit einer Frau schlafen, ehe sie verstehen, dass sie nur bei Männern wirkliche Lust empfinden können und ganz viele, die einfach Angst vor ihrem Outing haben, weil sie das Gefühl haben, ihr Umfeld könnte sie dann ablehnen. (Ob dies dann nun der Fall ist oder nicht, sei mal dahin gestellt.) Wie kann man dann bitte hergehen und eine Geschichte, die genau diese Problematik aufgreift, als langweilig oder unrealistisch hinstellen? Nur, weil es bei einem gewissen Prozentsatz einfach ist, heißt das doch nicht, dass alle anderen sich einfach nur blöd anstellen. Und ich finde, ein Buch, das diese schwierige Selbstfindungsphase authentisch beschreibt, ist oft mehr wert, als diese ganzen Friede-Freude-Eierkuchen-Romane, die uns etwas anderes vorgaukeln.
Nicht, dass ihr jetzt denkt, dass ich diese Romane nicht mögen würde. Ich les das ja auch gerne und sie sind auch dazu gemacht, in eine „bessere“ Welt einzutauchen und seine eigenen Sorgen zu vergessen oder sich zu trösten, dass es auch anders geht. Nur muss man halt dabei auch versuchen, den Blick für die Realität zu bewahren. Bei vielen Leuten gestaltet sich es eben schwieriger, als nur mit dem Finger zu schnippen und plötzlich schwul und geoutet und toleriert zu sein. Ich weiß nicht, wie blind man sein kann, das nicht zu sehen! Also tut mir den Gefallen und behaltet das im Hinterkopf, wenn ihr das nächste Mal einen so saudämlichen und lächerlichen Kommentar unter ein Buch setzt, dass eigentlich mehr Lob und Anerkennung verdient hat, als viele andere zusammen.

Jules :)

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