Mittwoch, 5. November 2014

Ein Herz für Klischees [K]

Hallo Leute!

Wir alle kennen sie – und wir alle hassen sie: Klischees. Kaum eine Kritik im Bereich Gay Romance kommt ohne dieses Wort aus, dabei sollte man doch eigentlich meinen, dass viele Autoren mittlerweile wissen, dass Klischees von den Lesern nicht unbedingt gewünscht sind. Warum lassen sie diese dann nicht einfach weg? Und warum finden wir diese eigentlich so schlimm?
Man könnte viele Fragen über Klischees stellen, und müsste doch erst einmal die wichtigste klären: Was sind überhaupt Klischees? Denn auch wenn viele immer die gleichen Aspekte nennen würden, würde man sie befragen, so müsste man sich doch eingestehen, dass Klischees teilweise sehr subjektiv definiert sind. Was für den einen ein schwerwiegendes Vorurteil ist, stört den anderen überhaupt nicht. Wie also soll man sämtliche Klischees aus Romanen fernhalten, wenn man manchmal gar nicht bemerkt, dass man gerade ein solches beschreibt? Unmöglich!
Davon ab, dass nicht alle Klischees gleich schlecht sind. Das mag sich jetzt vielleicht blöd anhören, aber hinter jedem Vorurteil steckt doch oft ein bisschen Wahrheit. Und wenn man mal wirklich ganz ehrlich zu sich selbst ist, dann muss man sich auch eingestehen, dass manche Klischees nicht einfach nur Vorurteile, sondern in einigen Fällen einfach Realität sind. Wenn man jetzt mal vom bösen Begriff „tuntig“ Gebrauch macht, dann wird es sehr viele schwule Männer geben, auf die dieses Wort einfach nicht zutrifft – aber eben auch genauso viele, die tatsächlich „tuntig“ sind. Warum auch nicht, daran ist ja nichts Verwerfliches. Es darf sich ja jeder verhalten, wie er will. Und warum sollten Leute, auf die dieses Klischee so exakt zutrifft, nicht auch in einigen Romanen vorkommen? Ist es ihnen denn nicht gestattet, in diesen Büchern auch eine Stimme zu bekommen? Doch! Davon ab, dass wir uns eingestehen müssen, dass diese Leute eine der Hauptzielgruppen von Gay Romance sind und es deswegen gar nicht verwunderlich ist, dass sie darin auch beschrieben werden.
Oder nehmen wir ein anderes Beispiel: Der schwule Charakter hat eine beste Freundin. Selbstverständlich gibt es sehr viele schwule Kerle, die vielleicht keine Frau beste Freundin haben – aber eben auch genauso viele, bei denen das tatsächlich zutrifft. Warum kann das im Roman nicht auch der Fall sein, wenn es in der Realität so viele Beispiele davon gibt? Das ist dann doch nur noch die Pingeligkeit des Bloggers und keine wirklich konstruktive Kritik mehr, findet ihr nicht auch?
Darüber hinaus kommt hinzu, dass solche Klischees manchmal dem Buch erst seine eigentliche Form und Geschichte geben, so dass sie gar nicht vermieden werden können. Wie oft gab es schon Bücher, in denen der eine sehr „tuntig“ und der andere ein richtiger „Macho“ war - und dann beide zusammen gefunden haben. Das ist ein ganzer Topf an Klischees, aber lässt man diese weg, dann bleibt ja nichts mehr übrig.
Zumal das eine oder andere Klischee auch einfach ganz amüsant sein kann. Manchmal ist es gerade diese Charaktereigenschaft, die ein solches Vorurteil als Ursprung hat, die den Protagonisten erst richtig sympathisch werden lässt.
Ich persönlich bin der Meinung, man sollte auch mal über ein Klischee hinweg sehen dürfen. Wenn es nicht gehäuft und im übertriebenen Maße vorkommt, kann man gut und gerne auch auf diese Kritik in der Rezension verzichten. Vielleicht sollte wir sogar umdenken und uns ein Herz für Klischees fassen, denn manchmal sind es genau diese Klischees, die das Buch so liebenswert und vor allem lesenswert machen. Denkt mal darüber nach!

Jules :)

Kommentare:

  1. Hi!
    Mal ein paar mehr oder weniger geordnete Gedanken zu deinen Worten.

    Wenn ich schreibe, denke ich nicht über Klischees nach. Dann bin ich voll bei meinen Protagonisten. Sie handeln, denken oder lieben eben gerade so, wie "sie möchten"
    Und wenn mir dann jemand sagt, he, du hast voll "DAS" Klischee bedient, und dabei den Kopf schüttelt, dann denke ich mir: Ja, mag sein. ABER...und ich antworte dann: So, genauso habe ich das erlebt, oder gesagt bekommen bzw. ist/war mein Eindruck
    Wie du sagst, es gibt immer zweierlei Seiten. Wo sich der Eine getroffen fühlt, weil er meint, "falsch" beschrieben zu sein, schmunzelt der Andere in sich hinein.
    Es gibt eben nicht nur die vom Leben enttäuschten Männer, die ständig Abfuhren oder an Intoleranz ihrer Umgebung leiden/litten. Und die daraufhin stark sensibel reagieren, wie sie oder andere, beschrieben werden. Ja, die sich eventuell auch Intolerant zeigen, werden sie von Frauen beschrieben.
    Die Welt besteht auch aus ihrem Gegenteil. Sensible, träumende. Die in sich ruhen, genießen, was sie lesen, weil es vielleicht ein Stück sie selbst wiederspiegelt. Und die nichts dagegen haben, beschreibt man sie. Im Gegenteil, sie nehmen es mit Humor. Grinsen, lächeln, und geben mir sofort neue Vorlagen;-)

    Hier wären wir also in der Realität angelangt. Sie darf durchaus ge/beschrieben werden. l Manchmal durchaus überzogen, damit man etwas zum schmunzeln, aber auch etwas zum nachdenken hat. Denn das eine schließt das andere nicht aus.
    Menschen sind, wie sie sind. Im Endeffekt haben wir alle das gleiche Ziel. Auch ein Klischeedenken, oder? Die –Dinger- begegnen uns eben überall;-)

    Ja, die beste Freundin. Die wurde schon so oft beschrieben. Genau, warum auch nicht.
    Warum mögen sie viele nicht? Vielleicht liegt es daran, dass der beschriebene Kerl nur Kerle in seiner Umgebung haben soll? Da stört doch so eine Frau, die sich auch noch erdreistet zu sagen, wo es lang geht und auch noch jedes schmutzige Detail wissen möchte. Hm ja, ich gebe zu, manchmal ist mir das zuviel…aber da sie gerade in dieser Szene auftrumpft, wo sie wichtig erscheint, DAS gilt es zu verinnerlichen.
    Und schließlich gibt es sie. Sie sind einfach da. Werden gebraucht, mit ihnen kann Mann Pferde stehlen. Also, so what?

    Lächel, ich kenne durchaus ein Männerpaar, das das Klischee „Marke Macho und tuntig“ erfüllt. Und ich weiß auch, wer da das wirkliche „Weichei“ ist.
    Ich kann sie beschreiben, weil sie in meiner Wirklichkeit leben. Der Macho, wie der Träumer. Es ist schön sie zu kennen, weil es Menschen sind, die ich total gerne mag.

    Letztendlich ist ein Buch ein Buch. Es entführt in Welten, die es geben kann, oder auch nicht. Kommen da Klischees vor …ich mag das Wort immer weniger …dann ist es eben so. Mag man das nicht, bleibt einem die Möglichkeit, das Buch wegzulegen. Ganz einfach! Man muss dann auch nicht darüber nachdenken, wie das ist, mit Klischees. Höchstens, das man gerade eben selbst, eines erfüllt hat.

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  2. Hey!
    Danke für diesen tollen, langen Kommentar. Ich gebe dir da absolut Recht und ich finde schön, was du da gesagt hast. So sollte es auch sein, dass man sich einfach in seine Geschichte denkt und schreibt, was einem in den Sinn kommt. Ich finde es nicht gut, wenn man sich dabei viel zu viele Gedanken macht, ob man nun ein Klischee erfüllt oder nicht.
    Ich glaube auch, dass es kaum ein Buch gibt, dass ohne Klischees auskommt. Überall wird man eines finden, wenn man nur lange genug danach sucht. Und so ist es in der Realität aber auch - also ist es doch einfach egal, wenn sich auch mal eines in das Buch verirrt.
    "Menschen sind, wie sie sind." Das hast du schön gesagt und es stimmt. Die Leute sollten vielleicht mal ihre Augen öffnen und merken, dass so ein paar Klischees niemanden weh tun.

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