Mittwoch, 13. August 2014

Wie wichtig sind Sexszenen? [K]

Hey Leute!

Kennt ihr sie auch, die leise Enttäuschung, wenn man ein wirklich gutes Buch zu Ende gelesen hat, in dem die Charaktere zueinander gefunden haben, aber einfach keinen Sex hatten? Mir geht es sehr oft so, dass ich es schade finde, dass auf eine Sexszene verzichtet worden ist. Und ich frage mich dann immer, woran es liegen könnte, dass mich diese Tatsache ein wenig betrübt. Bin ich etwa notgeil, dass ich so etwas lesen möchte? Oder stelle ich einfach zu hohe Ansprüche? Sind es überhaupt hohe Ansprüche, wenn man sich eine Sexszene wünscht, oder gehören solche Szenen einfach dazu? Wo liegen die Grenzen solcher Szenen? Und wie wichtig sind solche Szenen überhaupt?

Angefangen haben diese Überlegungen mit bei mir mit einem Jugendbuch, das prädestiniert dafür gewesen wäre, noch eine Sexszene angehängt zu bekommen – woraus natürlich nichts wurde. Das hat mich ein wenig gestört, obwohl ich mir gesagt habe, dass dies hier ein Jugendbuch ist, dass sich mit Problemen von Jugendlichen beschäftigt soll und nicht damit, die Jugendlichen mit Schmuddelszenen zu unterhalten. Allerdings gibt es ja auch genug Jugendliche, die sich mit Sex noch nicht so auskennen und gerne aufgeklärt werden möchte. Vielleicht wäre es für sie einfacher, eine Sexszene zu lesen, statt sich unrealistische Pornos anzusehen oder gleich zu Erwachsenenliteratur greifen zu müssen. Auch stelle ich es mir schöner vor, über einen Roman aufgeklärt zu werden, als über Eltern, Lehrer, Sachbücher und die aufgepuschten Erzählungen von Freunden. Ist es denn so verkehrt, auch in Jugendbücher harmlose Sexszenen einzubauen? Ich kenne einige, in denen dies doch geschehen ist, aber ungefähr doppelt so viele, in denen darauf verzichtet worden ist. Ich finde das schade und ich frage mich, warum das so ist?
Trauen sich die Autoren nicht, darüber zu schreiben? Ist es ihnen peinlich, haben sie Angst, es könnte nicht gelingen? Oder finden sie es einfach nur nicht angemessen?
Ob dieses Nicht-Angemessensein auch der Grund ist, warum es in vielen Büchern, die eher für Erwachsene ausgerichtet sind, keine oder nur angedeutete Sexszenen gibt? Sicher gibt es viele, die eine sehr niveauvolle Geschichte schreiben wollen und dann vor Sexszenen zurück schrecken, um ihr Buch nicht abzuwerten. Aber was spricht hier gegen eine niveauvolle Sexszene? Sex ist doch nicht immer niveaulos – es kommt nur darauf an, wie man es anstellt. Ich kenne viele gute Bücher, die auch trotz einer Sexszene nicht an Niveau verloren haben. Im Gegenteil – dieser lockere Umgang mit Sex hat sie erst richtig realistisch gemacht. Denn nichts anderes sind Bücher ohne Sex: Unrealistisch.
Jeder Mensch hat Sex. Die einen mehr, die anderen weniger – aber ein Liebespärchen, dass nie zum Sex kommt, das ist doch nicht wirklich normal. Folgerichtig gibt es auch keinen Grund, dieses Thema nicht anzuschneiden.
Natürlich sage ich das jetzt ziemlich blauäugig, denn natürlich gibt es Bücher, in denen einfach keine Sexszene nötig ist, weil es gar nicht zu der Geschichte passt. Aber wenn wir über reine Liebesgeschichten reden, dann finde ich solche Szenen fast schon obligatorisch. Und bin deshalb auch mehr als verwundert, wenn dann keine zu finden ist.
Natürlich gibt es solche und solche Sexszenen. Es gibt Szenen, die nur angeschnitten sind. Das kann zwar auch frustrierend sein, aber man freut sich dennoch, dass es erwähnt wurde. Und dann wiederum gibt es aber auch Bücher, die vor Sexszenen nur so überquellen, was auch schon wieder befremdlich ist. Vor allem dann, wenn diese auch noch pornomäßig aufgezogen sind. Das findet sich vor allem bei solchen Büchern, die wirklich für Männer gemacht sind und in denen es auch um nichts anderes als um – Entschuldigung - Ficken gehen soll. Leider können solche Szene selbst für Männer antörnend wirken, obwohl sie ja für das Gegenteil gemacht sind. Aber ich finde nicht, dass Sexszenen unbedingt unsere Libido ansprechen müssen. Wenn sie gut sind, tun sie das von alleine, egal ob bei Mann oder Frau. Fakt ist aber, da muss man nicht mit Dirty Talk und ähnlichem kommen. Gute Szenen sprechen für sich.
Deshalb also die große Frage: Warum nicht einfach Sex als natürlichste und schönste Sache der Welt in die Geschichten einfließen lassen, nicht zu sehr, nicht zu wenig, niveauvoll und ohne Porno? Es würde viele Bücher bereichen, da bin ich mir sicher.

Natürlich möchte ich jetzt nicht selbst unrealistisch werden. Es gibt genug Bücher mit wirklich guten Sexszenen und gleichzeitig gibt es auch Leute, die keinen Wert auf solche Szenen legen, diese vielleicht sogar gar nicht gerne lesen. Also muss es folgerichtig auch wieder Bücher geben, die keine enthalten, um diese Menschen glücklich zu machen.
Das ist dann wohl auch die Antwort auf die obige Frage: Ob Sexszenen wichtig sind oder nicht, dass hängt von jeder Person selbst ab.
Trotzdem kann es nicht schaden, sich als Autor genau zu überlegen, ob eine Sexszene nun angemessen ist oder nicht. Wer diese aus Angst oder Scham weglässt, macht etwas falsch. Manchmal muss man eben einfach über seinen Schatten springen, um das Beste aus seinem Buch herausholen zu können.

Das waren also meine Gedanken zu diesem Thema und ich fürchte, dass sie für reichlich Diskussionsstoff sorgen könnten. Immerhin hat jeder eine andere Meinung dazu und viele lesen das hier vielleicht und fragen sich: Hat der Junge keine anderen Probleme?
Nun, wenn ihr mögt, könnt ihr hier gerne eure Meinung dazu posten – ich bin gespannt!

Jules :)

Kommentare:

  1. Jugendbücher lese ich generell nicht. Das letzte Mal, als ich ein Buch gelesen habe, wo die Verliebten keinen Sex gehabt haben, hat es dramaturgisch Sinn gemacht. Ich hatte jetzt nicht erwartet, dass es in diesem Buch keine Sexszene geben wird, aber gestört hat es mich dann auch nicht. Wer keine Sexszene schreibt, weil er das Niveau seines Buchs nicht senken möchte, hat einen Vogel oder ist verklemmt. Es gibt Gründe, keine Sexszene zu schreiben, aber wenn sich alles dahin verdichtet und dann kommt sie nicht, dann ist es schon doof.

    LG
    Norma

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    1. Genau das ist es, was mich stört. Wenn eigentlich eine Sexszenen kommen müsste, sogar angedeutet wird - und der Autor dann nicht den Mut hat, sie einfach zu schreiben.

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  2. Puh,
    interessante Frage. Ich stolpere eher über Bücher, die irgendwie nur aus Sex bestehen :)
    Ich erinnere mich da an eine englische Werwolf-Reihe, die anfangs wirkluch super war. Spannend, erotisch und eben mit Handlung. Im Laufe der Zeit wurden die Bände aber immer sexlastiger und es ging nur noch um Sex. Von Handlung keine Spur.

    Sex ist wichtig, auch in der Literatur. Ich kenne genügend Bücher, die ohne auskommen bzw. nur mit Andeutungen, aber da würde der Sex auch gar nicht wirklich reinpassen.

    Ich kann mir schon vorstellen, dass es Autoren gibt, die da Hemmungen haben.

    Aber im Großen und Ganzen gibt es ja viele gute Bücher mit sehr niveauvollem und anregendem Sex. Nehmen wir zum Besipiel den neusten Fall "Loving Silver" - holla, der ist heiß!

    Für mich muss nicht immer Sex im Buch vorhanden sein, Nähe und Intimität kann auch sehr dezent angedeutet sein. Das gefällt mir ebenso, wie prickelnder Sex.

    Wenn man sich aber die Titel bei Amazon anschaut, hat man ja eine riesige Auswahl an "Billigpornos" und das
    finde ich eher abschreckend.
    Niveauvoll und anregend muss es sein, vielleicht auch mal roh und animalisch, aber am liebsten mit viel Gefühl.

    Ich glaube, da gehen aber die Meinungen auseinander.


    Liebe Grüße
    Ramona
    (theworldofbigeyes)

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    1. Das finde ich auch nicht richtig. Für so viel Sex gibt es speziell das Genre Erotik und wenn man einen 'normalen' Roman schreibt, sollten sich die Sexszenen doch in Grenzen halten.
      Und auch diese - wie du so schön sagst - "Billigpornos" müssen meiner Meinung nach nicht sein. Ich lese auch lieber niveauvollen Sex. xD

      Ich finde auch nicht, dass immer Sex vorhanden sein muss. Aber wenn es passt, finde ich es blödsinnig, es einfach aus falscher Scheu heraus zu unterlassen.

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  3. Das mit der Enttäuschung, ja kenn ich auch. Da haben die zwei sich so dermaßen Herztechnisch angenähert, dass man sich schier darauf freut, ihre erste körperliche Annäherung mitzuerleben, dann gibt es einen Cut.
    Da fehlt mir was...
    Natürlich kann sich der Leser selber zusammenreimen, was abgehen könnte. Aber warum? Ich möchte miterleben, wie Prota A, der sich vielleicht störrisch gab, sich im Bett gibt. Möchte miterleben, ob Prota B sich wirklich so sanftmütig im Bett gibt, wie er zu sein vorgibt.
    Sexszenen können durchaus verdeutlichen, wie ein Paar zueinander steht.
    Und man muss nicht notgeil sein, um über Sex lesen zu wollen. Ganz und gar nicht. Es ist einfach eine Freude, sie in dieser intimen Situation zu erleben, bis sie endlich da waren, wo sie hinwollten...
    Nicht jeder Autor hat auch ein Talent, Sex zu beschreiben.Bei manchen klingt es gezwungen, beim nächsten frei, wieder ein anderer beschreibt ihn hart und kompromisslos.
    Ein wenig "Körperlichkeit" zu beschreiben, kann nicht schaden. Wenn es zu dem Paar passt, warum nicht?
    Und ja, manchmal können bloße Andeutungen schon sexy sein. Alles ist eben eine Frage der Verpackung.

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    1. Es beruhigt mich, dass ich nicht alleine so denke. :D Und ja, es stimmt. Wenn sich die Charaktere schon annähren und alles auf Sex hinaus läuft, dann möchte man auch wissen, wie sich der Sex zwischen den beiden gestaltet. Natürlich passt es nicht immer und wenn ein Autor so was gar nicht schreiben kann, sollte er es vielleicht lieber lassen, aber trotzdem finde ich: Wenn man schon alles andeutet, dann kann man es auch zu Papier bringen.

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  4. Hallo :)

    ich hab das eigentlich noch gar nicht gehabt, dass ich mir eine Sexszene gewünscht hätte, wo keine war. Wenn doch, kann dieses Gefühl nicht sehr stark gewesen sein, denn ich erinnere mich an nichts. Was ich wohl öfter erlebt habe, ist das Sexszenen angedeutet werden und dann wenns erst richtig interessant wird, brechen die Autoren ab.

    Einige Jugendbücher könnten sicher Sexszenen vertragen, aber ich stell mir das auch gerade für die Autoren schwierig vor. Wenn man ein Jugendbuch schreibt, dann richtet sich das eben auch an jüngere Menschen, da muss andere Sexszenen schreiben als in Romanen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich viele nicht zutrauen „harmlosen“ Sex zu schreiben.

    „Sex ist doch nicht immer niveaulos – es kommt nur darauf an, wie man es anstellt.“
    Hier stimme ich dir zu. Ein Buch ist nicht automatisch niveaulos, wenn eine Sexszene drin vorkommt und auch umgekehrt ist ein Buch ohne Sex gleich niveauvoll.
    Schwierig wird es dann mit dem Punkt Angemessenheit und den Normalitätsaspekt den du ansprichst. Ja, Pärchen ohne Sex sind vielleicht unrealistisch, aber ist es nicht das gleiche mit dem Gang zur Toilette? Jeder Mensch benutzt mehrmals täglich die Toilette, aber wenns dann jemand schreibt, liest es sich doch (zumindest bei mir) manchmal komisch.

    Obligatorisch finde ich Sexszenen aber nicht, auch nicht für Liebesromane. Gerade Bücher, die eine ernstere Seite von Liebe ansprechen, die vielleicht Drama enthalten, also keine klassische „Voll-verknallt-Frauen-Literatur“ (klischeehaft und übertrieben, ich weiß) brauchen Sex nicht zwingend, finde ich.

    Deinem vorletzten Absatz stimme ich dann wieder voll zu. Es hängt davon ab. ;)

    Liebe Grüße :)
    Julia

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    1. Echt nicht? Oh man, ich hab das dauernd. XD
      Ich finde es eben auch gerade nervig, wenn dann einfach abgebrochen wird.

      Ich stimme dir zu, es kann ein Grund sein, sich einfach nicht zuzutrauen, etwas 'harmloses' zu schreiben. Nach dem Motto: Wenn schon Sex, dann aber richtig.
      Trotzdem fände ich es nicht verkehrt, wenn man sich zumindest mal daran wagt. Vielleicht klappt es ja doch.

      Das ist so ein Punkt, den ich mich in Romanen oft frage. Man sieht schon, ich habe die seltsamsten Fragen, aber es ist wirklich so. Ich denke mir dann immer: Überraschenderweise müssen die alle nie aufs Klo! :D
      Irgendwie ist das eben nichts, was wirklich von Notwendigkeit ist, aber ich würde es jetzt nicht mit Sex vergleichen. Ein Klogang ist ja auch wesentlich unspekatkulärer als Sex.

      Ja da magst du Recht haben. Es gibt sicher Bücher, in denen Sexszenen einfach nicht passen.

      Grüße! :)

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  5. Hallo,
    Interessante Frage, mit der ich mich auch schon auseinandergesetzt habe. Als Leserin möchte ich auch nicht auf Sex verzichten (grins - das war jetzt nicht zweideutig gemeint). Mir erging es bereits wie Dir. Ich habe eine wundervolle Story gelesen und trotzdem fehlte etwas. Wenn ich mich durch die Gefühlsachterbahnen und Dramen der Protas gekämpft habe, finde ich es sehr schön, wenn diese Ihre gefunde Liebe und Leidenschaft für einander körperlich ausdrücken. Als Autorin, habe ich einen gewissen Anspruch an meine Arbeit und versuche gerade diese sensiblen Szenen nicht in einem Porno enden zu lassen. Ich gebe zu, dass ich gerade daran lange schreibe, bis ich es so habe, wie ich es mir als Leser wünschen würde. Es ist extrem schwierig den richtigen Mittelweg zu finden.
    Sex gehört zum Leben, wie das Atmen. Warum sollte es also nicht in Romanen wiederzufinden sein? LG Nele

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    1. Hey!

      Ich glaube sofort, dass es teilweise sehr schwierig sein kann, eine ästhetische Sexszenen zu schreiben, aber umso mehr muss man eben den Ehrgeiz haben, diese auf Papier zu bringen.
      Wie du sagst, Sex gehört einfach dazu und manchmal mag es okay sein, ihn wegzulassen, aber oft fehlt dadruch auch etwas. Ich lese gerade ein Buch, dass häufig kurz vor den Sexszenen abbricht und könnte darüber wahnsinnig werden. Ich möchte doch einfach nur diese Szene lesen - und nicht das davor und das danach, ohne den expliziten Teil. Sowas ist für mich schlimmer, als wenn eine Sexszene vielleicht mal ein wenig unbeholfen wirkt, weil man als Autor noch nicht so gut hinein gefunden hat.

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