Donnerstag, 17. Juli 2014

Mut zum Happy End [K]

Hallo Leute!

Ich habe es neulich schon in einer Rezension erwähnt, aber heute würde ich gerne noch einmal etwas dazu schreiben. Ich habe in letzter Zeit vermehrt Bücher und Filme gesehen, die einfach kein Happy End besitzen und auch wenn ich weiß, dass nicht jedes Buch und jeder Film unbedingt ein Happy End haben müssen, frage ich mich, warum das vermehrt bei solchen über Homosexualität der Fall ist.
Es scheint mir fast, als wenn Schwule und Lesben im Gegensatz zu Heteros in der Literatur nicht glücklich sein dürfen. Wie viele Liebesgeschichten gehen damit aus, dass Mann und Frau zueinander finden – würde man die gleiche Geschichte mit zwei Männern oder zwei Frauen schreiben, dann könnte man sich fast schon sicher sein, dass dies nicht der Fall sein wird.
Natürlich gibt es auch genug Bücher über Heterosexuelle, in denen es Sad Ends oder Offene Enden gibt. Aber ich habe schon sehr viele Bücher gelesen – in beide Richtungen – und mir ist eben aufgefallen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hetero-Buch gut ausgeht, einfach höher ist.
Gut, ich lasse mir eingehen, dass bei einem Drama kein gutes Ende herauskommen kann. Aber bei dem letzten Film, den ich gesehen habe, hat der Protagonist nicht nur seine Familie, sondern auch seinen Freund verloren und da frage ich mich schon, ob nicht eine Katastrophe gereicht hätte. Es muss doch nicht immer alles den Bach runtergehen, es kann doch auch mal nur teilweise schlecht laufen.
Und wenn man es schon Dramen zugesteht, ein Sad End zu haben, dann leuchtet mir das ja auch ein. Aber es gibt eben oft Bücher, die nicht mal als Drama gekennzeichnet sind und dann doch schlecht ausgehen. Gerade, weil es oft einfach nicht angebracht ist. Nehme man sich ein Jugendbuch, das Jugendlichen helfen soll, zu sich selbst zu stehen und ihnen vielleicht Mut machen soll, dass auch sie – trotz ihrer anderen Sexualität – glücklich werden können. Und dann ist das Buch zu Ende und der Protagonist hat seine erste Liebe verloren, steht wieder alleine da und vielleicht bastelt man sich noch ein Pseudo-Happy-End zusammen, in dem man z.B. sagt, wenigstens hat er sich mit seiner besten Freundin wieder vertragen. Das kann doch nicht wahr sein! Kann man nicht wenigstens den Jugendlichen noch ein wenig heile Welt lassen? Sie werden noch früh genug erfahren, dass nicht immer alles gut ausgeht, da kann man doch wenigstens ihren fiktiven Charakteren ein wenig Glück gönnen. Muss man schon 14-Jährigen die Illusion rauben, dass die Liebe alle Probleme überwinden kann – vor allem, wenn sich die Probleme in Jugendbüchern noch auf eine Lüge oder ein wenig Fremdknutschen beziehen.
Ich kann das einfach nicht verstehen. Vor allem dann nicht, wenn man Autoren fragt, warum sie kein Happy End geschrieben haben und sie dann sagen, es hätte einfach nicht gepasst. Das ist doch nun wirklich die dümmste Ausrede, die einem Einfallen kann. Es ist ihre eigene Geschichte, die sie so verändern können, wie es ihnen passt. Und wenn man es will, dann gibt es auch einen Weg. Also scheinen sie sich gar kein Happy End zu wünschen, sonst hätten sie ihr Buch in die Richtung hin schreiben können. Und man braucht mir auch nicht damit kommen, dass der Schreibfluss sich irgendwie verselbstständig hat. Keiner schreibt, ohne sich nicht wenigstens ein bisschen Gedanken darüber zu machen, was er da gerade zu Papier bringt.
Mir ist klar, dass es von vielen Autoren die Intention ist, Probleme aufzuzeigen, die noch immer – obwohl wir mittlerweile ja eigentlich im 21. Jahrhundert leben -, mit dem Thema Homosexualität aufkommen können. Mir ist auch klar, dass im wahren Leben manchmal die tragischsten Schicksale herauskommen. Aber mir ist nicht klar, warum man nicht Betroffenen ein wenig Mut machen kann, in dem man das Buch oder den Film dann nicht trotzdem einigermaßen gut ausgehen lässt, um ihnen die Hoffnung zu geben, dass auch sie es schaffen könnten, wieder glücklich zu werden, egal wie ausweglos die Situation gerade ist?
Selbst wenn man schocken und damit wachrütteln will, kann man das doch durch das ganze Buch oder den ganzen Film – ob sich die Message einprägt, liegt ja nicht alleine am Ende.
Oft versucht man auch, einem Ende die Dramatik zu nehmen, in dem man einfach offen lässt, wie es ausgeht. Das lass ich mir ja immer noch eingehen, obwohl ich mich auch hier Frage, warum das letzte Fünkchen Mut gefehlt hat, es einfach mal gut ausgehen zu lassen.
Ich glaube mittlerweile echt, es gehört in der heutigen Zeit mehr Mut dazu, etwas gut ausgehen zu lassen, als schlecht. Keiner scheint sich mehr zu trauen, seinem homosexuellen Pärchen eine Chance zu geben. Das finde ich schade und ich kann nur an alle Autoren da draußen appellieren, bitte, bitte habt doch ein wenig mehr Mut zum Happy End. Ich – und sicher auch viele andere – wären euch sehr dankbar!

Jules :)

PS: Ich möchte darauf hinweisen, dass dies meine persönliche Meinung ist. Ich lehne Sad Ends auch nicht gänzlich ab, da sie manchmal durchaus passend sind, aber ich finde dennoch, es gibt zu wenig gute Ausgänge in der homosexuellen Literatur (gerade bei ernsteren Büchern oder Jugendbüchern). Ich diskutiere gerne mit euch über das Thema, falls da Interesse bestehen sollte, aber ich brauch sicher niemanden, der mich von seiner gegenteiligen Meinung überzeugen möchte. (Und ja, es gibt einen Unterschied zwischen nett diskutieren und anderen seine Meinung aufzwingen wollen. Lasst mir einfach meine – und ich lass euch eure.)

Kommentare:

  1. Ein spannendes Thema über das ich mich letztens auch kurz mit jemandem unterhalten habe und deshalb dazu auch einen Blogbeitrag plane.
    Ich finde es interessant, dass du vor allem bei Büchern aus dem Gay-Genre das Happy End vermisst. Natürlich habe ich aus dem Genre nicht so viele gelesen wie du, aber bisher hab ich noch überall ein Happy End gefunden. :D

    Deinen Punkt zur Jugendliteratur finde ich sehr gut. Es kommt natürlich ein bisschen auf die Intention des Buches an. Soll das Buch Orientierung bieten, Hilfe geben, die Jugendlichen dazu ermutigen zu sich selbst zu stehen? Dann ist vielleicht ein Happy End besser geeignet oder zumindest ein Ende das ganz klar sagt: Zu sich selbst stehen, selbst wenn vielleicht eine Beziehung nicht gehalten hat, ist wichtig und die richtige Entscheidung.

    Ich finde „Ein Happy End passt nicht“ im Grunde keine dumme Ausrede. Es gibt Geschichten die wirken einfach nur unglaubwürdig, wenn sie ein Happy End haben. Harry Potter zum Beispiel hat zwar im großen und ganzen ein Happy End, aber stell dir mal vor, da wäre im Krieg keiner gestorben. Das geht doch nicht. So ist es auch bei Romanen, egal ob es nun eine Beziehung zwischen Mann und Frau oder Mann/Mann, Frau/Frau ist, wenn es in der Beziehung ständig kriselt, man nichts mehr füreinander empfindet und alle Versuche scheitern, die Beziehung aufrecht zu erhalten, dann möchte ich, dass das Buch mit einem Ende der Beziehung abschließt und nicht das sie irgendwie doch zusammen bleiben. Wo ist denn da die Glaubhaftigkeit?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Na gut, man muss natürlich das große Spektrum "Gay Romance" außen vor lassen, da wird man ja tatsächlich mit teilweise megakitschigen Happy Ends überschwemmt.
      Aber gerade in vielen Jugendbüchern ist es mir aufgefallen. Und am schlimmsten ist es in Filmen! Ich habe glaub ich noch keinen einzigen Film gesehen, mal abgesehen, von schrecklichen Komödien (<- mag keine Komödien), der ein Happy End hatte.

      Ja, da hast du Recht. Und es ist auch in Ordnung, dass man z.B. mit dem Buch vermitteln möchte: Hey, eine Trennung ist kein Weltuntergang, du kannst auch ohne Freund glücklich sein. Aber oft ist es eben auch so, dass der Junge genauso gut mit seinem Freund hätte zusammen bleiben bzw. überhaupt erst mal zusammen kommen hätte können. Und das er dann ansonsten so ein Happy Life an den Tag legt, das reißt es dann auch nicht mehr raus.
      Ich sehe halt gerade bei Jugendbüchern folgendes Schema: Mädchen verknallt sich in Jungen, 10000 Probleme, Mädchen bekommt Jungen.
      Junge verliebt sich in Junge, 10000 Probleme, Junge bleibt alleine.
      Und dann gibt es halt ein paar Ausnahmen in beiden Bereichen, die die Regel bestätigen.
      Dabei wäre es für Jungs auch wichtig zu lesen, dass es mal gut gehen kann.
      Und Mädchen würde es auch nicht schaden, mal zu lesen, dass es schief gehen kann.

      Na gut, nehmen wir Harry Potter wieder als Beispiel. Okay, es muss jemand sterben, damit es glaubwürdig wird. Aber stell dir vor, Harry wäre gestorben. Oder Ron oder Hermine. Das hätte ziemliche viele Fans entsetzt.

      Okay, bei deinem letzten Beispiel gebe ich dir Recht. Das wäre wirklich blöd, wenn sie dann nur wegen einem erzwungen Happy End plötztlich doch zusammen bleiben würden.

      Es gibt wohl - wie bei jeder Sache - immer solche und solche Situationen, in denen es mal besser passt und mal nicht. Ich finde nur, wenn es passen würde, sollte man nicht nach Gründen suchen, um es wegzulassen, sondern es einfach tun.

      Löschen
  2. Filme schaue ich gar nicht so häufig, weshalb ich da wenig zu sagen kann. Fanatsy lese ich auch sehr sehr wenig, weshalb dann (zumindest in diesem Genre) fast nur noch Gayromance für mich bleibt. Hab ich jedenfalls das Gefühl ;)

    Okay, wenn man nur um des SadEnds willen die Protagonisten nicht zusammen bringt und es genaus gut auch gut hätte ausgehen könne, ist es schon blöd. Da stimme ich auf jeden Fall deiner letzten Aussage zu ;)

    AntwortenLöschen