Mittwoch, 24. Mai 2017

Das Problem mit Sexszenen [K]

Hi!

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich teilweise schon viel Wert auf Sexszenen lege – also sprich darauf, dass ein Buch eine Sexszene hat und man Dinge, die man andeutet auch ausschreibt, statt sie einfach zu überspringen. Ich habe darüber auch schon mal etwas geschrieben, könnt ihr hier nachlesen.
Wahrscheinlich kommt dieser Artikel deshalb ein wenig überraschend, denn ich muss euch einfach gestehen, dass mich Sexszenen mittlerweile einfach nur noch anöden. Ja, ihr habt richtig gelesen, mich langweilen Sexszenen momentan sehr häufig und es gab auch schon Bücher, in denen ich nur eine gelesen und alle anderen übersprungen habe.
Deswegen muss ich nun meine Meinung ein wenig revidieren. Mittlerweile bin ich nämlich der Meinung, dass man eine Sexszene durchaus weglassen kann, wenn sie eigentlich nur überflüssig ist. Dieses erzwungene Rumvögeln, nur weil gerade in dem Buch Leerlauf ist und man nicht weiß, was die Protagonisten sonst machen sollen, nervt. Ebenso, wenn nach dem ersten Kuss auch gleich der erste Sex folgt, weil es sich eben gerade anbietet. Oder Massen an Sexszenen, weil Männer sowieso immerzu nur an Sex denken. Ich könnte da noch hunderte Beispiele nennen, wann eine Sexszene einfach nur vom Autor/von der Autorin verwendet wird, um irgendwelche Lücken zu füllen oder mal kurz zu verdeutlichen, dass sie Männer, geil aufeinander und totally in love sind.
Das nervt einfach nur. Und was noch mehr nervt, als dieser erzwungene Sex, alle 20 Seiten, sind Sexszenen, die an ihrer Kreativität ungefähr genauso originell sind wie eine Klobürste. Wisst ihr, dieses immer gleiche Schema, da abgespult wird und den Eindruck erweckt, man hätte eine vorherige Szene kopiert und die Sätze etwas umgestellt.
Es ist tatsächlich erschreckend, in wie vielen Büchern Sex immer den gleichen Ablauf hat. Da wird ein wenig gegenseitig rumgespielt, dann geblasen und am Ende fickt einer den anderen eben in den Arsch. Und das war es. Manchmal mit Gefühlen untermalt, manchmal ohne – aber immer gleich und vor allem gleich schlecht.
Dabei besteht Sex doch aus so vielen Kleinigkeiten, es gibt so viele Arten Sex zu haben (ich will jetzt übrigens nicht auf BDSM hinaus, weil die Chance, eine BDSM-Sexszene zu ruinieren, ist doch 1000x größer, als die, eine normale zu ruinieren und das geschieht schon viel zu oft) und so viele wunderbare Wörter, mit denen man all das beschreiben kann, ohne dass es klingt, als hätte man sich den schlechtesten Porno als Beispiel genommen.
Und ich meine damit nicht, dass solche Szenen auch automatisch schlecht geschrieben sind, sprich niveaulos und obszön. Sondern ich meine damit auch Sexszenen, die stilistisch eigentlich echt gut gemacht sind, aber eben auch zu wenig Kreativität besitzen. Selbst wenn man solche Szenen wunderbar beschreibt, muss man ein wenig Variation hineinbringen, sonst wird es nämlich nach dem 2. Mal schon langweilig.
Deswegen echt meine Bitte (auf die eh niemand Rücksicht nimmt ;-D): Bringt doch in einem Buch nicht 10 sondern nur 2 Sexszenen und formuliert die dann so wunderschön und so fantasievoll, dass sie einen einfach gefangen nehmen. Und wenn euch wirklich überhaupt nix einfällt, mit dem ihr so eine Szene heißt oder romantisch oder was-auch-immer-sie-werden-soll wird, dann lasst sie doch einfach weg.
Weil es gibt tatsächlich etwas Schlimmeres als übersprungene Sexszenen: Schlecht ausgearbeitete Sexszenen.
Jules :)

Samstag, 20. Mai 2017

Pfirsichduft (Diana Wintermeer) [Q]

Titel: Pfirsichduft (Sinnenlust #1)
Autor: Diana Wintermeer
Verlag: frei publiziert
Seitenzahl: 49 Seiten
Beschreibung: Jahrelang hat Desmond gegen das Verlangen in sich gekämpft, doch als Jimmy auftaucht und ihn so frech herausfordert, kann er diesem nicht mehr länger wiederstehen.

Meine Meinung:

Hier ist es so, dass die Sexszene nicht alleine im Vordergrund steht, sondern von einer Geschichte umrahmt wird, die wirklich sehr gut gelungen ist. Das finde ich einfach super, weil es so einfach viel abgerundeter wirkt.
Man kann sich als Leser sehr gut in Desmond hineinversetzen und erkennt deutlich, wie sehr er darunter leidet, dass er sich eben zu Männern hingezogen fühlt. In der damaligen Zeit gilt Homosexualität ja noch als Krankheit und er versucht wirklich, dagegen anzukämpfen und sein Leben gesellschaftskonform zu leben – sprich, vor seiner Neigung zu flüchten.
Deshalb finde ich es auch super umgesetzt, dass er dann versucht, gegen die Versuchung anzukämpfen, sobald sie sich ihm bietet. Aber gleichzeitig erkennt man, dass ihn der ständige Kampf einfach depressiv macht und er letztlich erkennt, dass er der „Sünde“ nachgehen muss, wenn er selbst glücklich sein möchte.
Das Ende ist relativ offen, weil sich noch ein weiterer Teil anschließt, aber ich finde das ziemlich gut, weil es für mich in dem Rahmen hier eigentlich perfekt ist. Ich denke, hätte man hier ein anderes Ende zurechtgebastelt, hätte es vermutlich unrealistisch gewirkt.
Die Sexszene selbst ist wieder sehr gut und mir gefällt die Idee mit dem Pfirsich, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Auch der Stil ist wieder sehr schön und deshalb auch bei dieser Geschichte wieder eine klare Leseempfehlung von mir.

Mittwoch, 17. Mai 2017

Sagt es doch einfach mal auf Deutsch! [K]

Hallo!

Ich weiß, es wird immer moderner in unserer Gesellschaft, englische Wörter in unsere Sprache einfließen zu lassen. Warum sollte man auch seine Muttersprache benutzen, wenn es auf Englisch doch gleich viel besser und wichtiger klingt? Ich bin da ja auch nicht besser als alle anderen und benutze ebenfalls (d)englische Wörter, um durch den Alltag zu kommen.
Ich denke auch, dass es wichtig ist, sich der Globalisierung anzupassen und englische Wörter zu benutzen – auch wenn ich es absolut unnötig finde, dass es jetzt nicht mehr Bürokauffrau/mann heißt, sondern Kauffrau/mann für Büromanagment. Ich meine, man kann es auch übertreiben. Und man muss auch nicht zwingend überall ein blödes, englisches Wort mit reinzwängen, egal wie scheiße es sich dann plötzlich anhört.
Und genau so ist es auch bei Büchern.
Ich kriege mittlerweile wirklich einen Hals, wenn jemand sein Buch unter einem englischen Titel verkauft. Ich sehe es ja noch ein, wenn es die Übersetzung eines englischen Originales ist, auch wenn ich trotzdem der Meinung bin, dass man sich da auch einen deutschen Titel zu einfallen lassen könnte – aber immerhin heißt das Buch in dem Fall ja auch in Wirklichkeit so.
Nur warum müssen deutsche Autoren ihrem Buch einen englischen Titel geben? Ich meine, es ist doch vollkommen sinnlos. Das Buch ist doch selbst auch auf Deutsch und irgendwie wirkt der Titel dann einfach unpassend. Zumal man es ganz ehrlich sagen muss – ich will jetzt keinen beleidigen, aber ich empfinde das wirklich so – ein deutsches Buch mit englischem Titel wirkt auf mich immer irgendwie billig. Ich weiß, das klingt hart, aber es ist einfach so, dass ich, sobald ich den englischen Titel lese, mir denke: Och, das ist jetzt wieder so eine 14jährige, die in ihrer Fanfiction die Namen geändert hat, um ihr Buch auf Amazon anbieten zu können. Und manchmal ist dem tatsächlich dann auch noch so, dem Selfpublishing – wieder ein englisches Wort, juhe – sei Dank.
Ich habe auch wirklich die Erfahrung gemacht – und selbstverständlich stimmt das nicht auf jedes Buch, das einen englischen Titel hat zu –, dass diese Bücher dann auch eher 0-8-15 sind.
Ich will jetzt nicht sagen, man erkennt an einem englischen Titel ein schlechtes Buch, denn das stimmt natürlich nicht, denn ein Buch lebt nicht von seinem Titel alleine. Aber manchmal erkennt man eben doch, dass jemand mit der deutschen Sprache wirklich umgehen kann, wenn das Buch einen Namen trägt, der wie Faust aufs Auge zum Buch passt.
Natürlich gibt es auch deutsche Titel, da kann man nur mit dem Kopf schütteln und manchmal passt ein englischer Titel auch aus irgendwelchen Gründen zum Buch und ist damit völlig okay – aber wenn jemand wirklich mit Worten – deutschen Worten – umgehen kann, wird er auch einen deutschen Titel finden, der einen schon vor dem Lesen vom Buch überzeugen kann.
In gewisser Hinsicht ist das dann also auch eine Werbestrategie, mit der man vielleicht den einen oder anderen Leser mehr anziehen kann – inklusive mir, denn ich sortiere manchmal Bücher allein wegen ihres Titels aus und ich schätze, ich bin da nicht der einzige.
Jules :)

Samstag, 13. Mai 2017

Eisprinz und Herzbube (Elena Losian)

Titel: Eisprinz und Herzbube
Autor: Elena Losian
Verlag: MAIN Verlag
Seitenzahl: 410 Seiten
Beschreibung: Emilios Leben ist das reine Chaos. Er gerät öfters mit seinem Stiefvater aneinander, in der Schule gehen ihm alle auf die Nerven und dann gerät er auch noch mit dem Schulsprecher Nicholas aneinander. Es könnt nicht schlimmer kommen, als ein ungewollter Kuss plötzlich alles verändert.

Meine Meinung:

Ich schleiche jetzt schon echt lange um dieses Buch herum, und jetzt war es einfach an der Zeit, es zu lesen. Ich muss sagen, es hat mir echt gut gefallen.
Ich mag, dass es wirklich Richtung Jugendbuch geht, man kann sich super in die Welt der Charaktere hineinversetzen und wird mit den Problemen konfrontiert, mit denen man sich eben so in seiner Jugend auseinandersetzen muss. Man erkennt die Probleme, die man manchmal mit seinen Eltern hat, in der Schule… wie so die Denkweise und der Alltag aussehen… also, unterm Strich kurz gesagt: die Welt eines Teenagers wird hier wirklich gut umgesetzt und geschildert, echt schön.
Ich mag auch die Liebesgeschichte der beiden Jungs, es gefällt mir, wie sie ein wenig brauchen, bis sie zueinander finden und auch dann noch an ihrer Beziehung oder anfangs Nicht-Beziehung arbeiten müssen, dass es auch wirklich funktioniert. Auf so was wird viel zu selten eingegangen, meistens kommen die Protagonisten einfach zusammen und dann ist Schluss. Hier ist das ein längerer Prozess, der auch gut dargestellt wird, hat mir gefallen.
Es ist auch nicht so viel Drama eingebaut, zugegeben, an mancher Stelle ist es mir ein wenig too much (z.B. kommen darin Intrigen vor, das mag ich einfach überhaupt nicht, aber okay…), doch so im Großen und Ganzen kommt die Geschichte ohne Übertriebenes und ohne Kitsch aus, was mir gut gefällt.
Außerdem gibt es gute Sexszenen.
Aber ich habe trotzdem auch Kritik.
Zum einen die Sache mit den zwei Vätern. Einerseits fand ich das richtig gut, weil es schön umgesetzt wird. Man erkennt an der einen oder anderen Stelle z.B., wie Emilio so ein paar Probleme damit hat, weil es eben auch unter seinen Mitschülern intolerante Arschlöcher gibt… andererseits erkennt man gut, wie auch sein einer Vater eben keine Rechte hat, weil er „nur“ der Lebensgefährt von Emilios richtigen Vater ist… ihr versteht was ich sagen will, oder? Dieses doch sehr komplexe Thema wird eben angeschnitten und das auch auf eine gute Art und Weise.
Aber andererseits nervt es mich auch einfach. Ich hätte vielleicht noch mit den zwei schwulen Vätern leben können, aber irgendwie ist so gefühlt fast jeder in Emilios Umfeld schwul. Ich meine, mich nervt das einfach so unglaublich sehr, weil nicht immer jeder schwul sein muss. Und es ab einem gewissen Häufigkeitsgrad auch einfach absolut unglaubwürdig wirkt. Ich finde das echt nicht gut. Gefühl jeder ist schwul, das ist einfach too much und dadurch absolut unrealistisch. Das mochte ich gar nicht.
Zum anderen hat mir das Ende nicht gefallen. Also, das eigentlich Ende ist schon schön, keine Angst, es gibt auch ein Happy End und alles, aber ich finde, es gibt so einen Punkt, an dem einfach hätte Schluss sein können. Doch statt aufzuhören, schreibt man dann noch einige Kapitel weiter und auf mich wirkt das dann einfach, als wenn man unbedingt noch was dranhängen wollte, es unnötig in die Länge ziehen wollte… keine Ahnung, vielleicht wollte man eine gewisse Seitenzahl füllen oder hatte das Gefühl, noch mehr sagen zu müssen, als nötig gewesen wäre… ich weiß es nicht, aber mir ist das Ende zu lang gezogen, das hätte man abkürzen können.
Auf mich wirkt das Buch echt wie so ein Diamant, der noch geschliffen gehört. Es ist teilweise so perfekt und dann sind da so ein paar Kleinigkeiten, die man einfach noch verbessern kann. Aber ich glaube, das ist auch Jammern auf hohem Niveau, denn unterm Strich hat mir das Buch –wie gesagt – sehr gut gefallen und Elena Losian hat definitiv Potential. Sie muss es nur ausschöpfen.

Mittwoch, 10. Mai 2017

Klare Rollentrennung beim Sex?! [K]

Hallo!

„Wer von euch ist eigentlich das Mädchen in der Beziehung?“
Ich glaube, jeder von uns hat diesen Satz schon mal gehört. Entweder, weil er einen wirklich an den Kopf geworfen wurde, oder aber, weil er uns irgendwo schon mal begegnet ist. In Filmen, in Büchern, bei Freunden… vielleicht habt ihr diese Frage ja selbst schon gestellt.
Denn nein, auch wenn einige jetzt glauben, so eine Frage kann nur von einem homophoben Spinner kommen, ist es in Wahrheit so, dass sehr viele Leute diese Frage stellen. Nicht nur aus einer bösen Absicht heraus, sondern weil wir Menschen einfach eine extreme Neugier an den Tag legen, wenn es um das Sexleben unserer Mitmenschen geht.
Das Problem ist nur, dass solche Denkansätze, wie sie in dieser Frage stecken, nicht wirklich etwas mit der Realität zu tun haben, leider aber in vielen Köpfen so fest verankert sind. Ich möchte jetzt keine Grundsatzdiskussion anfangen, aber ich möchte zumindest eine Brücke zur Literatur ziehen. Denn auch da begegnet einen oft diese stupide Denken in schwarz und weiß – und das oft in einem Klischeedenken, dass seinesgleichen sucht.
Jeder, der Gay Romance liest, wird irgendwann einmal auf das klassische Modell treffen. Ein junger, blonder, schlanker Twink als Bottom und ein muskulöser, männlicher, älterer Mann als Top. Nichts daran ist erstmal verkehrt, solche Paare gibt es und manche werden auch tatsächlich ihr Sexleben so gestalten, wie es das Buch suggeriert. Aber manchmal ist da eben auch ein Twink, der aktiv ist, obwohl sein passiver Partner ein Bär von einem Mann ist. Auch das gibt es, nur witziger Weise tut das manche Leser tatsächlich so irritieren, dass sie es dann in der Rezension ankreiden. Ich habe so was schon gesehen und auch so einiges andere. Da wird kritisiert, dass es unrealistisch ist, wenn sich die beiden Männer mit der aktiven Rolle abwechseln, obwohl so was in vielen, vielen Beziehungen völlig normal ist. Es gibt auch Paare, die sehr wenig Analsex haben. Oder gar keinen. Es gibt also nichts, dass nicht realistisch ist.
Ich meine, man muss es als Autor schon realistisch gestalten, das Sexleben seiner Protagonisten. Es darf nicht – wie man so schön sagt – völlig out-of-charater sein. Aber das heißt nicht, dass der eher sanftere in der Beziehung nicht auch mal aktiv sein kann.
Und ja, ich weiß, es gibt Dinge, auf die man selbst nicht so richtig klar kommt. Ich wasche mich da auch gar nicht frei von Sünde. Ich hatte es auch schon mal, dass in einem BDSM-Buch plötzlich der Sub aktiv war und mich das ziemlich irritiert hat. Hauptsächlich, weil das etwas ist, dass ich mir für mich nicht vorstellen kann. Sowas muss ich aber dann in einer Rezension herauslassen oder zwar ansprechen, aber klarstellen, dass das keine Kritik, sondern persönlicher Geschmack ist. Denn auch hier ist es eben so, dass es für manche in einer Session okay ist, wenn der Sub als Top agiert. Irgendwie kann man das sicher einbauen, ohne dass das ganze Machtgefälle verschoben wird. Alles ist möglich und alles ist okay.
Also bitte, kritisiert solche Dinge nicht an Büchern, sondern akzeptiert einfach, dass nicht immer alles so ist, wie es scheint und dass in der Realität immer alles möglich ist, selbst wenn es nicht in euer Denkschema passt.
Und glaubt nicht, dass alle Stereotypen, die einem in Büchern/Filmen/sonst wo begegnen, immer gleich die einzig mögliche Realität sind. Wir sind doch alle clever genug zu wissen, dass man nie alle Menschen über einen Kamm scheren kann und häufig in einer Person mehr steckt, als man äußerlich zunächst erwartet.
Und das ist doch auch gut, das macht uns doch alle aus und es wäre doch auch langweilig, wenn alles immer gleich offensichtlich wäre. Vor allem wäre es langweilig, wenn es in allen Betten dieser Welt genau gleich ablaufen und jeder genau das gleiche mögen würde.
Also lasst den haarigen Bären passiv und den devoten Sklaven aktiv sein und genießt einfach die Sexszene. Wenn sie gut gemacht ist, ist es nämlich egal, welcher Schwanz wo drin steckt – und vor allem ist es ziemlich irrelevant für den Rest der Geschichte, um den es ja eigentlich geht.
Jules :)

Samstag, 6. Mai 2017

Die stille Seite der Musik (Svea Lundberg)

Titel: Die stille Seite der Musik
Autor: Svea Lundberg
Verlag: Traumtänzer Verlag
Seitenzahl: 210 Seiten
Beschreibung: Als bei einem Unfall Valentins Hand zertrümmert wird, schein seine Pianisten-Karriere vorbei - und mit ihr sein Leben. Um wieder Fuß zu fassen in der Welt, beschießt Valentin, auf dem Pferdehof seiner Tante Erholungsurlaub zu machen. Dort lernt er den gehörlosen Florian kennen, der so gar kein Problem mit seinem Handicap zu haben scheint.

Meine Meinung:

An sich fand ich das Buch ganz schön. Mir gefällt eben einfach das Thema sehr gut, ihr wisst ja, dass ich es mag, wenn ein Charakter so ein bisschen ein Handicap hat – hier haben ja sogar beide ein Handicap. Für mich bringt das immer ein bisschen Tiefgang und etwas Abwechslung in die sonst so eintönig Welt des Gay Romance Genres.
Hier muss man auch sagen, dass es wirklich gut umgesetzt wurde. Man erkennt richtig, wie Tino unter seiner kaputten Hand leidet, wie es ihn anfangs quält, dass er kein Klavier mehr spielen kann und wie er auch versucht, z.B. seine Hand zu verstecken, weil er es einfach nicht ertragen kann, sie zu sehen. Also so Kleinigkeiten, die einfach zeigen, wie schwer es für ihn ist.
Und im Gegensatz dazu dann Flo, der mit seiner Gehörlosigkeit super klar kommt und Tino nach und nach beweist, dass man auch mit einer Einschränkung glücklich sein kann.
Es wird auch wirklich schön dargestellt, wie Flos Einstellung nach und nach die von Tino ändert und somit zu Tinos psychischer Genesung beiträgt.
Was ich klasse fand, war, dass man gut sehen konnte, wie das Leben so für Flo mit seiner Gehörlosigkeit ist. Ich denke, auf das Thema wird super eingegangen. Und ich mochte z.B. sehr, dass Tino versucht hat, sich in Flos Welt hineinzuversetzen.
Man erkennt auch gut die Anziehung zwischen den beiden Jungs und ich mag, dass sie ein bisschen brauchen, ehe es ein Happy End für sie gibt. Es gibt halt schon ein bisschen ein Auf und Ab, ehe sie sich annähern und das mag ich ganz gerne. So ein bisschen Drama muss schon sein, oder?
Der Stil gefällt mir eigentlich auch ganz gut, auch wenn ich finde, dass an der einen oder anderen Stelle schon noch Luft nach oben ist. Damit kommen wir eigentlich auch schön zu meinen Kritikpunkten:
Ich fand, dass das Buch sich an mancher Stelle ein wenig zu sehr in die Länge gezogen hat. Es wird z.B. sehr viel auf Flos Umgang mit Pferden und Pferden allgemein eingegangen und irgendwie hat man das Gefühl, dass hier genau das passiert, was oft in diesem Genre kritisiert wird, nämlich, dass man irgendwie das Gefühl hat, in einem Mädchenroman gelandet zu sein. Einfach so typisch: Süße Jungs, die halt passenderweise noch miteinander rummachen, und Pferde. Dazu kommt halt noch, dass Tino ein bisschen zu oft von Florian schwärmt und sich echt wie so ein verknalltes Mädchen benimmt.
Ich will es nicht total schlecht reden, auch wenn es vielleicht harte Worte sind. Der Stil hat mir durchaus gut gefallen, er ist flüssig und man kann sich in die Geschichte gut reindenken und mitfiebern… er ist halt noch ein bisschen zu ausgeschmückt und ein bisschen zu schnulzig. Aber auch wenn ich das jetzt kritisiere, ist das echt nur eine Kleinigkeit und ich glaube auch, dass die positiven Aspekte an dem Buch wirklich hervorgehoben gehören und überwiegen und einfach das Buch auch lesenswert machen.
Ach und ich sag das viel zu selten, aber hier muss ich es echt mal anmerken: Der Titel ist einfach wunderschön und passend.

Mittwoch, 3. Mai 2017

fels (Anyta Sunday)

Titel: fels
Autor: Anyta Sunday
Verlag: frei publiziert
Seitenzahl: 272 Seiten
Beschreibung: Coopers Welt ist völlig zerstört, als sich seine Eltern scheiden lassen. Und nicht nur das, sein Vater scheint seit Jahren eine zweite Familie zu haben, die Cooper und seine Schwester nun regelmäßig besuchen müssen. Noch schlimmer wird es, als er seinen Stiefbruder kennenlernt und vom ersten Moment an weiß, dass dieser sein Leben gehörig auf den Kopf stellen wird.

Meine Meinung:

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich dieses Buch verschlungen habe. Ich glaube, seit langem hat mich kein Buch mehr so angesprochen, wie dieses.
Für mich hat hier einfach alles gepasst. Es wird hier auf das Thema Scheidung und "neue Familie" eingegangen und zwar auf eine Art und Weise, dass man genau weiß, wie Cooper sich fühlt, mitleiden und mitfühlen kann, und teilweise auch die gleiche Wut und den gleichen Frust spürt, wie er.
Mit Sicherheit liegt es hier auch an dem Stil, dass man sich so wahnsinnig gut in Cooper hineinversetzen kann, denn der Stil hat mir wirlich ausgesprochen gut gefallen. Anyta Sunday schafft es wirklich, hier flüssig und spannend das Leben eines Teenagers mit all den verwirrenden Gefühlen zu beschreiben, die man als Teenager eben so hat. Und glaubt mir, das Buch war keine Sekunde langweilig.
Ich mochte auch, wie sich die Liebe zu seinem Stiefbruder Jace entwickelt hat. Es ist eigentlich vom ersten Moment an klar, dass er etwas in Cooper bewegt, dennoch dauert es ein wenig, bis sich Cooper seiner Gefühle bewusst wird und noch viel, viel länger, ehe es einen winzigen Fortschritt in ihrer Beziehung gibt. Aber keine Angst, es wirkt nicht langgezogen oder unrealistisch, eher im Gegenteil. Die beiden haben ettliche Hürden und Probleme zu entwickeln und man weiß im Prinzip bis zum Schluss nicht, wie es ausgehen wird. Das Ende ist auch ein wenig überraschend, aber gar nicht so relevant. Viel interessanter ist das Auf und Ab innerhalb des Buchs und das ganze Drama, das nie übertrieben ist, aber einen als Leser immer wieder selbst in ein Gefühlschaos stürzt.
Teilweise behandelt das Buch auch - wie oben ja schon angesprochen - einfach Familienprobleme ganz unterschiedlicher Art, die durchaus auch mal sehr traurig sein können.
Ich habe es wirklich durchgesucht und kann es einfach nur empfehlen, ihr solltet es unbedingt lesen. Ich möchte auch gar nicht zu viel verraten, weil ihr einfach selbst herausfindet müsst, was dieses Buch so alles bereit hält.